Absturz von zwei Eurofightern bei Malchow: Kampfpilot stirbt, Kamerad überlebt

Bild: Fotomontage Eurofighter Typhoon
Zwei Eurofighter sind heute in Mecklenburg-Vorpommern abgestürzt. Fotomontage: Weber

Montag 24. Juni 2019 – Malchow (we). Neue Erkenntnisse zum Absturz von zwei Eurofightern in Mecklenburg-Vorpommern! Die Luftwaffe hat inzwischen offiziell bestätigt, dass es in der Luft zu einer Kollision der beiden Eurofighter gekommen ist. Ebenfalls steht fest: Ein 27 Jahre alter Pilot hat den Absturz nicht überlebt, ein anderer wurde offenbar nur leicht verletzt mit seinem Fallschirm in einer Baumkrone hängend aufgefunden.

Die beiden Flugzeuge waren Teil einer Dreier-Formation gewesen, heißt es weiter von Seiten der Luftwaffe. Gemeinsam mit dem dritten Eurofighter seien die in Rostock-Laage (Taktisches Luftwaffengeschwader 73 Steinhoff) beheimateten jeweils einsitzigen Kampfflugzeuge eine Air Combat Mission, also ein Übungsszenario, geflogen. Der dritte Pilot habe den Crash beobachtet und anschließend zwei Fallschirme zu Boden schweben sehen. Makaberes Detail: Ein Flugzeug ist Polizeiangaben zufolge unmittelbar in der Nähe des Fliegerdenkmals zwischen Silz und Jabel aufgeschlagen. Das Denkmal erinnert an gefallene Piloten.

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Erster Pilot lebt, zweiter Pilot tödlich verletzt

Wie das Polizeipräsidium Neubrandenburg mitteilt, ist einer der Piloten in einem Wald zwischen Nossentiner Hütte und Drewitz lebend und offenbar ohne größere Verletzungen vorgefunden worden. Zwischenzeitlich konnten in der Nähe von Silz entdeckte Leichenteile dem zweiten Piloten zugeordnet werden. Bei dem Verstorbenen handelt es sich Angaben der Luftwaffe zufolge um einen 27 Jahre alten ausgebildeten Kampfpiloten mit einer Erfahrung von 400 Flugstunden. Der überlebende Eurofighter-Pilot ist Fluglehrer mit einer Erfahrung von mehr als 3.700 Stunden. Er wurde am bereits am Mittwochmittag wieder aus der Klinik in Rostock entlassen.

Die Ursache des Absturzes geben derweil weiter Rätsel auf. Allerdings hat die Luftwaffe bestätigt, die beiden Flugdatenschreiber (Flight Data Recorder, FDR) gefunden zu haben. Die Flugzeuge sollen in einem Abstand von rund 10 Kilometern aufgeschlagen sein, wobei eines offenbar einen kleineren Waldbrand ausgelöst hatte. Feuerwehrleute waren im Einsatz, um die Flammen zu löschen. Erste Fotos von den Absturzstellen zeigen kaum noch als Flugzeuge erkennbare ausgebrannte Wracks. Im Internet kursiert ein Video von Augenzeugen, das die letzten 30 Sekunden des Flugverlaufs eines der Eurofighter unmittelbar vor dem Aufschlag zeigt. Die initiale Mid-Air-Kollision ist dort jedoch nicht zu sehen.

Polizei warnte vor gefährlichen Trümmerteilen

Das Polizeipräsidium Neubrandenburg hatte zunächst auf »gefährliche Trümmerteile« aufmerksam gemacht und warnte davor, diesen zu nahe zu kommen. Details zur Art der Gefährdung nannte die Polizei nicht. Dass es sich dabei möglicherweise um Waffensysteme oder scharfe Munition handeln könnte, hatte die Luftwaffe kurze Zeit später jedoch dementiert. »Beide Eurofighter waren nicht bewaffnet«, hieß es am Nachmittag.

Die Frage, warum dennoch Wrackteile »gefährlich« sein könnten, blieb zunächst unbeantwortet. Nach vermehrten kritischen Nachfragen und gesteigertem Medieninteresse hat die Luftwaffe jedoch mit der bereitwilligen Herausgabe von Informationen reagiert. So trügen die Soldaten an der Absturzstelle etwa Schutzanzüge, weil Eurofighter unter anderem aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigt seien, dessen Fasern nicht eingeatmet werden dürften, heißt es. An einer der Absturzstellen habe es außerdem »kleine Mengen explosiver Teile« gegeben, die im Rettungssystem des Eurofighters verbaut gewesen waren und vor Ort gezielt vernichtet wurden.

Ein Eurofighter kostet 57 Millionen Euro

Neben dem Tod des Kameraden dürften auch Imageschaden und der Sachschaden durch den Totalverlust der beiden Kampfjets schmerzlich sein. Die Kosten eines einzigen Eurofighters hatte die Bundesregierung bereits im Jahr 2009 mit 57 Millionen Euro beziffert (Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 16/12803). Inoffizielle Quellen gehen inklusive der individuellen Waffensysteme und spezieller Aufrüstungen von mehr als 130 Millionen Euro pro Flugzeug aus.

Fakt ist: Der Eurofighter gilt der modernste Kampfjet und gewissermaßen das Paradepferd der Luftwaffe. Erst vor gut einer Woche war der Flugzeugtyp im Rahmen des Tags der Bundeswehr 2019 an verschiedenen Standorten (darunter Jagel und Faßberg) einer breiten Zuschauer-Masse im Rahmen der Nachwuchs-Werbung präsentiert worden.

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Bild: Eurofighter Typhoon 31+18
Ein solcher Eurofighter Typhoon kostet 57 Millionen Euro. Zwei davon sind nun abgestürzt. Der hier abgebildete Kampfjet war zuletzt ebenfalls in Rostock-Laage stationiert. Symbolfoto: Weber

Eurofighter-Flugbetrieb eingestellt

Die beiden abgestürzten Kampfjets waren vergleichsweise neu. Sie wurden nach offiziellen Angaben 2010 bei der Bundeswehr in Dienst gestellt und hatten jeweils etwa 1.000 Betriebsstunden auf dem Zähler. Konkret soll es sich bei den abgestürzten Eurofightern um die Maschinen 30+48 und 30+55 handeln. Fest steht in jedem Fall: Die Luftwaffe hat den Flugbetrieb des Eurofighters nach dem Unfall vorerst eingestellt. Bis dahin sind nun offenbar vermehrt Kampfjets vom Typ Panavia Tornado zu Trainingsflügen über Deutschland im Einsatz. Mit dem Eurofighter solle ab Anfang kommender Woche wieder geflogen werden, heißt es in einer Mitteilung der Luftwaffe.

Während einer kurzfristig noch am Montagnachmittag eingerichteten Pressekonferenz am Gutshaus Nossentin sprach Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von einer »Stunde der höchsten Not«. In Zeiten höchsten medialen Drucks ist mit dem aktuellen Flugunfall die Lage für die Bundeswehr und die Verteidigungsministerin noch angespannter geworden. Bereits vor dem Absturz der beiden Eurofighter hatte es immer wieder Kritik an der Einsatzfähigkeit verschiedener Flugzeuge und Hubschrauber der Luftwaffe gegeben. Wieviele Eurofighter nun nach dem fatalen Crash noch einsatzbereit sind, ist unklar. Möglicherweise handelt es sich um eine Anzahl im einstelligen Bereich.

Politische Diskussion über Trainingsflüge

Derweil haben die Trainingsflüge der Luftwaffe über Norddeutschland teils heftige Diskussionen auf politischer Ebene ausgelöst. Weil immer mehr Kommunal-, aber auch Bundespolitiker die Notwendigkeit der Übungen speziell über dem nun betroffenen Landstrich in Frage stellen, äußerte sich Luftwaffe-Oberst Bernhard Teicke in einem Presse-Statement zum Thema und verteidigte die Übungsflüge. Die Kernaussage: Die Soldaten müssten zum einen standortnah trainieren und zum anderen dort, wo sie auch im Ernstfall eingesetzt würden. Besiedelungsdichte und Flugverkehr der zivilen Luftfahrt würden bei der Auswahl der Trainingsgebiete eine Rolle spielen, so Teicke.

Hintergrund: Die Region Mecklenburgische Seenplatte, an der die beiden Absturzstellen liegen, ist stark vom Tourismus geprägt. Anwohner und auch Touristen fühlen sich offenbar von den Flugbewegungen der Luftwaffe gestört. Der neuerliche Absturz und die Tatsache, dass Trümmerteile nur wenige Meter neben einem Kindergarten eingeschlagen waren, lässt nun dementsprechend Kommunalpolitiker auf die Barrikaden gehen.

Wo sind Eurofighter stationiert?

Was kaum jemandem ohne entsprechenden Wissenshintergrund bekannt ist: Derzeit gibt es in Deutschland sechs Standorte, von denen Kampfjets der Luftwaffe eingesetzt werden.

EinheitStandortBundeslandKampfjet-Modelle
Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“NörvenichNordrhein-WestfalenEurofighter Typhoon
Taktisches Luftwaffengeschwader 33BüchelNordrhein-WestfalenPanavia Tornado
Taktisches Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“JagelSchleswig-HolsteinPanavia Tornado
Taktisches Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“WittmundNiedersachsenEurofighter Typhoon
Taktisches Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“Rostock-LaageMecklenburg-VorpommernEurofighter Typhoon
Taktisches Luftwaffengeschwader 74Neuburg (Donau)BayernEurofighter Typhoon

+++ Dieser Artikel wurde bis zum 26. Juni laufend aktualisiert. +++ Eine erste Eilmeldung finden Sie hier: Eilmeldung