Pilot zum Durchstarten gezwungen: Spaziergängerin (56) stellt sich der Polizei

Hinweisschild Betreten verboten
Solch ein Schild hatte die Frau offenbar schon mehrmals ignoriert und war nach der gefährlichen Begegnung mit dem Ultraleichtflugzeug noch immer völlig uneinsichtig. Symbolfoto: Weber

Freitag 30. November 2018 Eimbeckhausen (we). Ermittlungserfolg! Nach einem gefährlichen Zwischenfall am Flugplatz Eimbeckhausen im Landkreis Hameln-Pyrmont hat sich die Verursacherin des Durchstart-Manövers der Polizei gestellt.

Die 56-Jährige war  offenbar nicht zum ersten Mal völlig arglos oder sogar wissentlich mit Ihrem Hund auf der Start- und Landebahn des kleinen Privatflugplatzes im Weserbergland spazieren gegangen, als der Pilot eines Ultraleichtflugzeugs im Endanflug auf die Piste aufsetzen wollte. Durch das Reaktionsvermögen des 66 Jahre alten Flugzeugführers konnte ein Unfall verhindert und die Maschine nach einer erneuten Platzrunde sicher gelandet werden.

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Auf der Landebahn herumspaziert

Anschließend von dem Piloten auf ihr Verhalten angesprochen, hatte die 56-Jährige aber völlig uneinsichtig reagiert und sich buchstäblich vom Acker gemacht. Die Folge war ein öffentlicher Zeugenaufruf der Polizei eine Art Fahndung. Weil die durch die (teils bundesweite) Medienpräsenz offensichtlich auch die Frau selbst erreicht hatte, stellte sie sich noch während der laufenden Ermittlungen bei der Polizei in Bad Münder.

Vernehmung auf der Polizeiwache

Ob der Frau bewusst geworden ist, dass sie selbst die gefährliche Situation herbeigeführt hat, scheint allerdings fraglich. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte die 56-Jährige offenbar Wert darauf gelegt festzustellen, dass auch sie (wie der Pilot) die Situation als »äußerst dramatisch« und »außerordentlich gefährlich« empfunden habe.

Staatsanwaltschaft übernimmt den Fall

Die Polizeiakte zu dem Fall liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Hannover, die über den Ausgang des Verfahrens entscheiden wird. Im ungünstigsten Fall drohen der 56-Jährigen nach §315 Strafgesetzbuch (StGB) »Gefährliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr« wegen fahrlässiger Verursachung der Gefahr (durch ebenso fahrlässiges Handeln) zwei Jahre Freiheitsstrafe oder eine empfindliche Geldstrafe.


Lesen Sie dazu auch den Ursprungsbeitrag:
Frauchen geht Gassi auf der Landebahn – Pilot startet durch


Die aktuelle Nachtragsmeldung der Polizei Bad Münder im Wortlaut:

»Am 17.10.2018 berichteten wir über einen Vorfall auf dem Flugplatz bei Eimbeckhausen, bei dem ein Kleinflugzeug im Landeanflug durchstarten musste, um eine Kollision mit einer Frau mit ihrem Hund zu verhindern.

Der Vorfall selbst ereignete sich bereits am Donnerstag, 27.09.2018, gegen 16.30 Uhr, und wurde vom betroffenen Piloten nachträglich auf einer Polizeidienststelle in der Region Hannover angezeigt. Für die erforderlichen Ermittlungen wurde die Strafanzeige zuständigkeitshalber an die Polizei Bad Münder übergeben.

Der zuständige Ermittler im Kriminalermittlungsdienst der Polizei Bad Münder entschied sich aufgrund der markanten Personenbeschreibung im Zuge der Ermittlungen für eine Pressemitteilung mit Zeugenaufruf; sowohl in den Zeitungen als auch in den sozialen Netzwerken der Polizei Weserbergland.

Die Zeugenaufrufe waren erfolgreich: aus der Bevölkerung gingen diverse Hinweise ein, die vom zuständigen Sachbearbeiter nach und nach abgearbeitet und überprüft wurden. Vielen Dank an dieser Stelle für die Unterstützung.

Noch während die Überprüfungen liefen, meldete sich eine 56-jährige Frau. Sie habe nach Rückkehr aus dem Urlaub vom Zeugenaufruf und den Ermittlungen erfahren und sich sofort danach als gesuchte Person bei der Polizei Bad Münder persönlich vorgestellt.

Im Rahmen der durchgeführten Vernehmungen kam sowohl durch die Verursacherin selbst als auch durch den betroffenen Piloten und seinen 63-jährigen Mitflieger klar zum Ausdruck, dass die Situation für alle Beteiligten äußerst dramatisch und außerordentlich gefährlich war. Nur durch die schnelle Reaktion des erfahrenen Piloten und durch die gutmütigen Eigenschaften des Flugzeuges ist es wohl zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Daher nochmals unser dringender Appell, die Hinweisschilder zu beachten, das Flugfeld nicht zu betreten und während der Spaziergänge im Nahbereich des Flugplatzes mitgeführte Hunde an die Leine zu nehmen. Auf der abgesteckten Graspiste landen entgegen der allgemeinen Auffassung tatsächlich Flugzeuge.

Die Ermittlungen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr sind bei der Polizei abgeschlossen. Die Akte wird nun der Staatsanwaltschaft Hannover vorgelegt, die über den Ausgang des Verfahrens entscheiden wird.«


Möchten Sie mal in einem Ultraleichtflugzeug mitfliegen?
Sehen Sie sich unsere Tipps & Tricks an!

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