Flight Tracker: Flugverkehr in Echtzeit verfolgen

Grafik: Landkarte mit Flugzeug-Symbol
Flight Tracker: Flugzeuge online verfolgen. Grafik: Weber

Flight Tracker sind Online-Flugradare, mit Hilfe derer man sich den aktuellen Flugverkehr oder Flugspuren aus der Vergangenheit ansehen kann.

Was Flight-Tracking-Systeme für Piloten, Mitflieger und Planespotter gleichermaßen interessant macht? Informieren Sie sich hier!

Anzeige



Grafik: Trennstrich

Allgemeines zum Online-Flugradar

Flight Tracking Systeme können grundsätzlich viele interessante Informationen bieten. Wie beim »echten« Radar sind Daten wie aktuelle Position, Kurs, Höhe, Geschwindigkeit, Registrierung (Luftfahrzeugkennzeichen), Callsign und noch einiges mehr abrufbar. Das gilt im übrigen auch für Flüge, die bereits stattgefunden haben. Selbst dort lassen sich die Flugspuren mit sämtlichen Daten bis zu einer gewissen Zeitspanne rückverfolgen.

Das gilt etwa für Urlaubsreisende, die den Flugweg ihrer »ihrer« Maschine rekonstruieren wollen, oder auch für Planespotter, die in Erfahrung bringen möchten, was für eine Maschine als nächstes im Anflug ist. Auch einige Privatpiloten nutzen das System, um ihre Flüge nachvollziehen zu können – wobei es dort meist praxistauglichere Systeme gibt, die dann auch nicht öffentlich einsehbar sind. Und auch wenn Sie privat in einem Kleinflugzeug mitfliegen, können Sie die geflogene Strecke via Internet-Flugradar nocheinmal rekonstruieren.

Grafik: Trennstrich

Beispiel: Fernglas und Flight Tracker

Was mit Flight Tracking alles möglich ist, soll folgendes Beispiel verdeutlichen. Sie sitzen im Sommer mit Ihrer Familie auf Ihrer Terrasse und ein vorüberfliegendes Flugzeug erregt Ihre Aufmerksamkeit. Wo mögen die Passagiere wohl hinfliegen? In den Urlaub? Oder nur Kurzstrecke in die nächste Großstadt? Sie holen das Fernglas aus der Wohnung und betrachten die Maschine, wie sie Kondensstreifen hinter sich herziehend weiterfliegt. Sie können mit dem Auge gerade so erkennen, dass es sich um eine Eurowings-Maschine handelt, doch weitere Erkenntnisse bekommen Sie nicht.

Bild: Flugzeug durch Fernglas
Flugzeugbeobachtung per Fernglas. Symbolfoto: Weber

Ihr Enkelkind fragt Sie interessiert, wohin das Flugzeug fliegt – und Sie haben keine Ahnung… Solang Sie nichts von einem Online Flight Tracker wissen.

Anzeige


Ihre Informationen aus der Beobachtung: Irgendeine Eurowings-Maschine fliegt in nördliche Richtung. Wenn Sie etwas Ahnung von der Luftfahrt haben, können Sie aus der Beobachtung und in Kenntnis der aktuellen Bodentemperatur noch schließen, dass die Maschine aufgrund der Kondensstreifen mehr als 20.000 Fuß (6.000 Meter) hoch fliegen muss.

Ihre Informationen aus dem Flight Tracker: Es handelt sich um Flug EW7041 von Stuttgart nach Hamburg. Die Maschine, ein 12 Jahre alter Airbus A319-132 mit der Kennung D-AGWB und dem Transponder-Code 3C5EE2, befindet sich gerade in einer Höhe von 20.475 Fuß. Der Airbus fliegt Kurs 007 Grad bei einer Geschwindigkeit von 417 Knoten und befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen Hamburg, wo er voraussichtlich in 20 Minuten landen wird.

Grafik: Trennstrich

Nützliche Wissensgrundlagen

Wer Flight Tracker nutzen möchte, um Maschinen gezielt am Himmel zu beobachten, wird um das Lernen von Grundlagen und einigen technischen Zusammenhängen nicht umhin kommen. Sonst ist man schnell frustriert und es macht keinen Spaß.

Technik

In diesem Absatz soll nicht so sehr ins Detail gegangen werden, weil der technische Aspekt mitunter sehr kompliziert zu überblicken ist. Einfach gesagt gibt es einige Voraussetzungen, damit ein Flugzeug in den Flight-Tracking-Plattformen überhaupt erscheinen kann. Eine davon ist, dass das Luftfahrzeug einen Mode-S-Transponder besitzt und der Pilot diesen auch eingeschaltet hat. Der Transponder gibt in regelmäßigen Zeitabständen den flächendeckend verteilten Sekundärradar-Türmen die relevanten Daten weiter, die aber nicht verschlüsselt übermittelt werden. Damit ein Luftfahrzeug überhaupt auf einem Internet-Radar erscheint, muss es also erfasst werden. Das geht über zwei Arten:

  • Primärradar: die Empfangsstation sendet Impulse aus und fängt das Echo wieder auf (passiv)
    Dabei können allerdings nur Entfernung, Höhe, Richtung und Geschwindigkeit herausgelesen werden.
  • Sekundärradar: der Transponder im Flugzeug sendet selbständig an die Empfangsstation (aktiv)

Durch ein Netz aus meist privaten Flugbegeisterten werden diese Daten mit Hilfe spezieller Technik aufgefangen und in die verschiedenen Plattformen eingespeist, was rechtlich auch zulässig ist. Halter von Luftfahrzeugen können dem Erscheinen ihres Flugzeugs im Online-Radar zwar nicht widersprechen, sie können aber die Informationen einschränken. In diesem Fall ist das Flugzeugsymbol auf dem Radar mit »BLOCKED« gekennzeichnet oder bei militärischen Luftfahrzeugen mit »TACTICAL«. Wie Sie auch diese Flugzeuge eindeutig identifizieren können, erklären wir an anderer Stelle.

Grundsätzlich können aber alle Luftfahrzeuge auf dem Radar erscheinen, sofern Sie den erwähnten Mode-S-Transponder eingebaut haben. Völlig egal ob millionen-teurer Privatjet oder kleines Ultraleichtflugzeug.

Ungewöhnliches

Es kommt vor, dass Sie bei den Online-Flugradar-Services auf Ungereimtheiten stoßen. In der Regel ist das durch Systemfehler bedingt. Glauben Sie nicht alles, was Ihnen angezeigt wird!

Falls Sie etwas gesehen haben, dass Sie sich nicht erklären können, kontaktieren Sie uns einfach! Unsere Profis antworten Ihnen dann schnellstmöglich und geben Ihnen  sofern nachvollziehbar  die gewünschten Informationen.

Grafik: Trennstrich

Flight Tracker im Vergleich

Die bekanntesten beziehungsweise gängigsten Online-Radarservices für jedermann sind Flightradar24, ADS-B Exchange, Radarbox24.com und in Teilen Planefinder. Die jeweiligen Vorteile und Nachteile der Flight Tracking Systeme sehen Sie in der folgenden Tabelle.

Aspekt Flightradar ADS-B Exchange Radarbox
Vorteile
  • Flugspur-Historie für sämtliche Flüge in einem Bereich abrufbar
  • Militärflüge sichtbar
  • sehr viele Flugdaten
  • Listenansicht
  • Militärflüge sichtbar
Nachteile
  • Militärflüge nicht sichtbar
  • Historie (Nachverfolgung) auf 8 Tage begrenzt
  • Flugspur-Historie nur für jeweils einzelne Flüge abrufbar
  • schnelles Session-Timeout (10 Minuten)
  • Ground- und Vertical Speed sowie Squawk nur kostenpflichtig abrufbar
  • Flugspur-Historie nur für jeweils einzelne Flüge abrufbar

Das vermutlich bekannteste Jedermann-Radar-Tool ist Flightradar24. Das beste ist es aber nicht unbedingt.

Grafik: Trennstrich

Besondere Callsigns

In nahezu allen Flight Tracking-Portalen stoßen Sie früher oder später auf Callsigns, also Radarkennungen, mit denen Sie nichts anzufangen wissen. Bis jetzt. Wir haben einige Callsigns besonderer Luftfahrzeuge aufgelistet und jeweils Informationen zur eindeutigen Identifikation angefügt.

Militärflugzeuge

Militärischer Flugverkehr in Deutschland wird abhängig von der Flight-Tracking-Plattform gar nicht oder nur mit sehr wenigen Flugdaten angezeigt. Manchmal tauchen Kennungen wie »SHOCK42« oder »SMASH1« auf. Dabei handelt es sich meist um Kampfflugzeuge der Luftwaffe. Eine kleine Auswahl verschiedener militärischer Radarkennungen:

Callsign Type Operator last seen
ICAO Hex Reg. Date
MUSTANG Eurofighter Typhoon Luftwaffe 3F5880 30+54 18/06/07
PANTER Panavia Tornado ECR Luftwaffe 3F7279 46+40 18/06/07
SHARK1 Panavia Tornado IDS Luftwaffe 3F576B 45+13 18/06/07
GAF685 Bombardier Global 5000 Luftwaffe 3F58AE 14+01 19/02/14
GAF722 Airbus A400M Luftwaffe 3E826F 54+15 19/02/15
GAF866 Airbus A321-231 Luftwaffe 3F97FD 15+04 19/02/15
GNY4540 Lockheed P3-C Orion Deutsche Marine 3F6006 60+06 19/03/28

Lesart der Daten anhand eines Beispiels: Das Luftfahrzeug mit dem Callsign MUSTANG war am 7. Juni 2018 ein Eurofighter der Luftwaffe mit der Kennung 30+54.

Wichtig: Bei zivilen Maschinen ist die Kombination aus Transpondercode (ICAO Mode-S) und Luftfahrzeugkennzeichen (Reg.) langfristig identisch. Von der Luftwaffe ist bekannt, dass die Transponder von Zeit zu Zeit unter den Maschinen getauscht werden. Transportflugzeuge wie der Airbus A400M sind meist mit dem Präfix »GAF« und einer nachfolgenden dreistelligen Zahl unterwegs.

Bild: Airbus A400M 54+04
Airbus A400M (Kennung 54+04, Transponder-Code 3EA1CC) als GAF699 am Fliegerhorst Wunstorf. Symbolfoto: Weber

Hubschrauber

Callsign Type Operator last seen
ICAO Hex Reg. Date
VARIOUS Eurocopter AS532 Cougar Flugbereitschaft 3EBF05 82+01 17/04/14
VARIOUS NH90 Luftwaffe / Marineflieger 3F63B3 98+51 17/04/14
HELI615 Eurocopter EC135 T1 Bundeswehr 3FA939 82+57 19/03/28
GNY4851 Westland Sea King MK-41 Deutsche Marine 3FACB9 89+57 19/03/28
VARIOUS Westland Lynx MK-88 Deutsche Marine 3FA986 83+06 19/04/04

Übrigens: Auch viele Polizeihubschrauber werden aus taktischen Gründen nicht angezeigt – ebenso wie Rettungshubschrauber. Eine kleine Auswahl derer, die Sie sehen und anhand des ICAO-Mode-S-Hex-Codes identifizieren können, sind:

Callsign Rufname Operator Type Transponder <-> Aircraft
ICAO Hex Reg.
BPO102 Pirol Bundespolizei AS-332 Super Puma 3DDDD6 D-HEGK
BPO109 Pirol Bundespolizei EC-155 B 3DF19F D-HLTF
BPO441 Pirol Bundespolizei EC-135 T1 3E0A35 D-HVBH
CHX4 Christoph 4 Bundesministerium des Innern (BMI) EC-135 T2i 3E167E D-HZSG
HUMMEL6 Hummel 6 Polizei NRW EC-145 T2 3DF746 D-HNWW
LIB1 Libelle 1 Polizei Hamburg EC-135 P2+ 3DF8EE D-HONE
PPH97 Phoenix 97 Polizei Niedersachsen EC-135 P2+ 3DFB92 D-HPNE

Grafik: Trennstrich

Ihr eigenes Flugradar

Schon gewusst? Prinzipiell können Sie auch Ihr eigenes kleines Flugradar (ADSB-Receiver) aufbauen und betreiben. Mit einer sehr geringen Investition und etwas technischem Geschick können Sie selbst bessere Daten (mehr Informationen) auffangen. Primär profitieren Sie bei tieffliegenden Luftfahrzeugen in Ihrer unmittelbaren Umgebung, die von anderen privaten Empfangsstationen nicht erfasst werden können.

Wenn Sie diese zusätzlich in ein Flight-Tracking-Netzwerk einspeisen, profitieren erstens deren Nutzer und zweitens Sie selbst von einigen Benefits. Einige Anbieter belohnen Sie für die Einspeisung der von Ihnen gewonnenen Live-Daten beispielsweise mit einer Premium-Mitgliedschaft. Sie können dann länger in Flughistorien zurückblicken, werden minutengenau über Notfälle (Squawk-Codes 7500, 7600 und 7700) informiert oder können schlicht mehr Flugdaten einsehen.

Ihre Vorteile Vorteil Anbieter
  • mehr Informationen
  • meist bessere Abdeckung in der näheren Umgebung
  • Premium-Account bei Weitergabe der Daten
  • dichteres Netzwerk

ADSB-Empfänger fürs Wohnzimmer

Grundsätzlich benötigen Sie für den Anfang folgende Komponenten:

  • Computer – z. B. als Standalone-Lösung einen Raspberry Pi inkl. Zubehör (u. a. Netzteil, LAN-Kabel, SD-Karte), sonst ein herkömmlicher Windows-Rechner
  • ADS-B-Antenne (muss den Frequenzbereich 1090 MHz unterstützen)
  • USB-Dongle für Antenne

Dazu benötigen Sie spezielle Software-Komponenten. Erstens zur Demodulierung der Rohdaten, zweitens für die Darstellbarkeit dieser Rohdaten und drittens gegebenenfalls ein Plugin der Flight-Tracking-Plattform, in die Sie einspeisen wollen. Wie genau das funktioniert? Lesen Sie in Kürze mehr in einem separaten Artikel.

Grafik: Trennstrich

Angebot: Ihre Maschine auf dem Online-Radar

Wer sein Flugzeug aufwendig ins rechte Licht rücken lässt, möchte vielleicht auch, dass es in den gängigsten Flight-Trackern erscheint.

Kein Problem! Von air2air.de angefertigte Fotos können grundsätzlich über Drittanbieter in diese Systeme eingespeist werden. Die bekanntesten Online-Radarservices für jedermann sind Flightradar24 und ADS-B Exchange. Bei beiden sind bereits Aufnahmen von air2air.de erschienen und nun mit der Registrierung der jeweiligen Maschine verknüpft.

Flightradar24 D-EIEM
Screenshot: Flightradar24.com

Wo immer das Fluggerät (mit eingeschaltetem Mode-S-Transponder) erfasst wird, wird neben der Radarspur eine Detailseite eingeblendet, die ein Foto der getrackten Maschine enthält. Dafür greift eine Routine auf bestimmte Foto-Datenbanken zu, in die auch air2air.de Aufnahmen gezielt einspeisen kann.

So macht das eigene Flugzeug nicht nur live am Himmel eine »gute Figur«, sondern auch live im Internet.

Grafik: Trennstrich

Fazit zu Flight Trackern

Wenn Sie sich für das Thema Flight Tracking interessieren, geben Sie sich nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden. Luftfahrt-Enthusiasten, die sich hobbymäßig mit Flight Tracking beschäftigen, haben längst die Vorteile anderer Dienste erkannt. Geheimtipp ist ADSB-Exchange, da diese Plattform die meisten (ungefilterten) Daten sendet.


Interesse geweckt? Sehen Sie sich zu diesem Artikel auch die Air-to-Air-Informationsseite an.