Im Tragschrauber mitfliegen – Preise, Varianten, Tipps

Bild: AutoGyro Cavalon 914 D-MUHB
Der »AutoGyro Cavalon 914« ist ein geschlossener Tragschrauber mit Side-by-side-Sitzanordnung. Foto: Weber

Haben Sie schon mal an einen Mitflug im Tragschrauber oder Gyrocopter gedacht? Seien Sie eins mit dem Element Luft, wenn Sie in einer offenen Kabine im Tragschrauber mitfliegen! Ein Erlebnis, das Sie so schnell nicht vergessen werden.

Was das Mitfliegen im Tragschrauber kostet, welche Varianten es gibt und was Sie außerdem beachten sollten, lesen Sie jetzt hier auf air2air.de!

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Allgemeines zum Tragschrauber

Der Tragschrauber ist ein sogenannter Drehflügler. Erfunden und entwickelt hat ihn in den frühen 1920er Jahren der Spanier Juan de La Cierva, der seinem Fluggerät den Namen Autogiro gab. In der Folge wurde das System stetig weiterentwickelt. Im Zweiten Weltkrieg setzten Deutschland, Großbritannien, die Sowjetunion und Japan ihre Tragschrauber zu Testzwecken militärisch ein, entschieden sich aber letztlich für den Einsatz von Hubschraubern.

Nach einigen Jahrzehnten Pause ist die Faszination Tragschrauber nun zurück. Sie werden dieser Tage hauptsächlich zu Freizeitzwecken geflogen und sind wegen der günstigen Anschaffungs- und Betriebskosten beliebt. Außerdem benötigen Piloten nur eine Sportpilotenlizenz (SPL) inklusive Muster-Schulung. In Deutschland wurde 2003 der erste Tragschrauber als Ultraleichtfluggerät zugelassen. Höhepunkt des Tragschrauber-Hypes war die »Weltreise« mit einem Tragschrauber des deutschen Ehepaars Melanie und Andreas Stütz in den Jahren 2009 und 2010. Seither steigen die Zulassungszahlen stetig an.

Tragschrauber Modelle

Es gibt einige Tragschrauber-Modelle, die als »Standard« gelten, weil sie hierzulande am häufigsten anzutreffen sind. Im wesentlichen stellen dieser aber auch den Großteil des Weltmarktes dar, weil die ernstzunehmenden Hersteller an einer Hand abzuzählen sind. Zu den häufigsten Modellen gehören:

  • AutoGyro MT-03
  • AutoGyro MTOsport
  • Magni M16 / M24
  • Trixi Princess

Gut zu wissen: Es gibt verschiedene Kabinen-Formen und Sitzanordnungen beim Tragschrauber. Bei letzteren wird unterschieden zwischen »Tandem« (Pilot und Fluggast sitzen hintereinander) und »side-by-side« (Pilot und Fluggast sitzen nebeneinander).

Kabine Sitzanordnung Modelle
offen Tandem AutoGyro MTOsport
Magni M16
Trixi Aviation Liberty
offen side-by-side Trixi Aviation Spirit
geschlossen Tandem Trixi Aviation Princess
geschlossen side-by-side AutoGyro Cavalon
Magni M24

Unterschied Tragschrauber Hubschrauber

Zur Optik: Zwar sieht ein Tragschrauber für den Laien wie ein Hubschrauber aus, jedoch handelt es sich um ein flugphysikalisch betrachtet ganz anderes System. Der wesentliche Unterschied zum Hubschrauber ist, dass der Rotor bei ihm angetrieben ist, beim Tragschrauber aber nicht. Während der Hubschrauber gewissermaßen vom Abwind der Rotorblätter in die Luft gedrückt wird, bilden die Rotorblätter beim Tragschrauber lediglich eine Art Tragfläche. Abheben und fliegen kann der Tragschrauber dann nur, wenn er zugleich auch eine Vorwärtsbewegung hat. Die wiederum wird durch einen kleinen Motor mit Propeller am Heck des Luftfahrzeugs gewährleistet. Vereinfacht gesagt heißt das: Ein Hubschrauber kann auf der Stelle schweben (hovern), ein Tragschrauber benötigt immer eine Vorwärtsbewegung zum Fliegen.

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Bild: Tragschrauber mit Propeller
Ein Tragschrauber wird von einem Propeller am Heck angetrieben, nicht vom Rotor. Symbolfoto: Weber

Zulassungszahlen

Tragschrauber gelten in Deutschland offiziell als Ultraleichtflugzeuge, auch wenn sie mit dem Aussehen klassischer Ultraleichtflugzeuge so gar nichts zu tun haben. Innerhalb der Luftfahrzeugklasse M (Mike) werden sie vom Deutschen Aero Club e. V. (DAEC) und vom Deutschen Ultraleichtflugverband (DULV) gelistet. Im vergangenen Jahr 2018 waren bei beiden Verbänden insgesamt 608 Tragschrauber in Deutschland zugelassen – so viel wie nie zuvor.

Verband
Tragschrauber-Bestand
DAEC 118
DULV 490
Summe 608

Quelle: DAEC-Jahresbericht 2018

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Was kostet ein Mitflug im Tragschrauber?

Was ein Mitflug im Tragschrauber kosten kann, ist abhängig davon, ob Sie privat mitfliegen oder bei einem kommerziellen Anbieter chartern. Anhaltspunkte für faire Preise sind:

Privater Mitflug
Kommerzieller Anbieter
100 Euro pro Stunde 180 Euro pro Stunde

Die Preise gewerbsmäßiger Anbieter liegen bei wenigstens 160 und höchstens 200 Euro pro Stunde. Im Durchschnitt können Sie mit 180 Euro rechnen. Wenn Sie bei einem Privatpiloten mitfliegen, entstehen Kosten von ungefähr 100 Euro pro Stunde, die sich, wenn Sie mit dem Piloten teilen, auf 50 Euro pro Stunde pro Person halbieren. Wie Sie auf einfache Art Kontakte zu Privatpiloten herstellen können, lesen Sie hier.

Flug im Tragschrauber: Kurzimpression

Das folgende 60-Sekunden-Video gibt einen kurzen Einblick in den Tragschrauberflug. Mitflug im geschlossenen »AutoGyro Cavalon 914« (D-MUHB) beim 1. Niedersachsen Aviation Day 2017 in Hildesheim.

Quelle: air2air.de

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Vorteile und Nachteile

Die Vor- und Nachteile eines Flugs im Tragschrauber sind leicht erklärt. Der wesentliche Vorteil sind sicherlich die vergleichsweise geringen Betriebskosten. Entsprechend günstig sind die Mitflug-Preise. Weitere Aspekte können als Vorteil und als Nachteil betrachtet werden, zum Beispiel die geringe Reisegeschwindigkeit. Für die Anfertigung von Luftbildern gewollt, für den schnellen Reiseflug von A nach B eher hinderlich. Diese und alle weiteren Pros und Contras in der Übersicht:

Vorteile Nachteile
geringe Betriebskosten Insassen sind Witterung ausgesetzt
(bei offener Kabine)
geringe Geschwindigkeiten möglich
(gut z. B. für Fotoflug)
verstärkte Höhenangst möglich
(bei offener Kabine)
kurze Graspiste reicht für Start und Landung aus

Wichtig: Besonders beim Tragschrauber mit offener Kabine sollten Sie – wie beim Heißluftballon – unbedingt schwindelfrei sein. Außerdem sollten Sie bedenken, dass Sie im offenen Tragschrauber der Witterung ausgesetzt sind und es dadurch trotz Windshield ziemlich frisch werden kann. Als Faustregel gilt: Pro 1.000 Meter Höhe nimmt die Temperatur um etwa 6,5 Grad Celsius ab. Mit dem Tragschrauber werden Sie etwa maximal in dieser Höhe (1.000 Meter = 3.200 Fuß) unterwegs sein, eher etwas unterhalb. Ziehen Sie sich besser dennoch etwas wärmer an als am Boden.

Bild: Tragschrauber AutoGyro MT-03
Ein »AutoGyro MT-03« wie dieser ist ein Tragschrauber mit offener Kabine und Tandem-Sitzanordnung. Foto: Weber

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Sicherheit im Tragschrauber

Ähnlich wie andere Ultraleichtfluggeräte sind Tragschrauber, was die Sicherheit angeht, einigen Vorurteilen ausgesetzt. Dass es dafür nicht den geringsten Grund gibt, zeigen schon einige besondere Sicherheitsaspekte, die es systembedingt nur bei Tragschraubern gibt. Wussten Sie beispielsweise, dass…

  • ein Triebwerksausfall weniger problematisch ist als z. B. beim Hubschrauber (durch permanente Autorotation)
  • kein Strömungsabriss möglich wegen zu geringer Fahrt ist (durch permanente Autorotation)
  • nur sehr kurze Landestrecken benötigt werden (bis minimal 10 Meter – ein großer Vorteil bei Notlandungen).

Wenn es also einmal zum Ernstfall kommen sollte, gibt der während des Flugs permanent vorherrschende Autorotations-Zustand die größtmögliche Sicherheit. Ein Tragschrauber fällt auch mit ausgefallenem Motor nicht wie ein Stein vom Himmel. Gefährlich ist im Grunde nur eine Kollision in der Luft, bei der die Rotorblätter beschädigt oder abgerissen werden.

Zur groben Einordnung: Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat im Jahr 2017 insgesamt nur einen Unfall mit einem Tragschrauber registriert. In Ungarn war eine Maschine während des Fluges mit einer Freileitung kollidiert und zu Boden gestürzt. Die beiden Insassen waren dabei schwer verletzt worden.

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Fazit und Empfehlung

Ein Flug mit dem Tragschrauber kann ein gelungener erster Kontakt mit der Luftfahrt sein. Sie können vergleichsweise langsam unterwegs sein und zahlen einen günstigen Preis für den Mitflug. Dazu sind Sie so sicher wie in kaum einen anderen Luftfahrzeug. Ein Tragschrauber-Rundflug zahlt sich in jedem Fall aus. Das Erlebnis ist den kleinen Preis in jedem Fall wert!

Wenn Sie einen Mitflug im Tragschrauber planen, sollten Sie sich vorab neben dem Flugziel auch Gedanken über das Gyrocopter-Modell machen. Möchten Sie lieber offen oder geschlossen fliegen? Möchten Sie lieber hinter oder neben dem Piloten sitzen? Zur Einordnung: In der Tandem-Sitzanordnung fühlen Sie sich ähnlich wie im Segelflugzeug (mit etwas Phantasie auch wie im Kampfjet), sitzen Sie neben dem Piloten, fühlt sich der Flug an wie in einem typischen Kleinflugzeug. Wer empfindlich für Höhenangst ist, sollte in jedem Fall die geschlossene Kabine bevorzugen. Beim offenen Fliegen brauchen Sie einen Pilotenhelm. Außerdem kann Ihnen der Wind kräftig um die Nase wehen.

Übrigens: Eine Alternative zum Tragschrauberflug könnte ein Mitflug im Hubschrauber sein.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.

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