Im Gespräch mit Fotograf Frank Weber

Bild: Teaserfoto Frank Weber Interview
Exklusiv-Interview: Frank Weber spricht über seine Erfahrungen als Air-to-Air-Fotograf.

Frank Weber – der Autor dieser Website – ist einer von wenigen Fotografen in Deutschland, die sich der Air-to-Air-Fotografie verschrieben haben.

Doch wie kommt man überhaupt zu einem so ungewöhnlichen Hobby? Lesen Sie jetzt das Interview!

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Frank, Du bist Hobby-Air-to-Air-Fotograf. Das heißt, Du sitzt in Deiner Freizeit in einem Flugzeug und fotografierst aus ihm heraus ein anderes fliegendes Flugzeug auf Augenhöhe. Wie kommt man denn auf so ein abgefahrenes Hobby?

Bild: Frank Weber »Abgefahren trifft’s schon ganz gut, ja. Ist wohl ein ziemlich spezielles Hobby. Aber bei mir war das eher Zufall. Ich hatte einen einfachen Sunrise-Rundflug mit einem Privatpiloten geplant, der dann am Abend vorher plötzlich meinte »Hey, hast Du Lust, dass wir morgen mit einer anderen Maschine in Formation fliegen?«. Das war natürlich so eine geile Vorstellung, dass ich danach kaum schlafen konnte vor Aufregung.«

War es denn auch so geil wie erwartet?

Bild: Frank Weber »Auf jeden Fall! Wir waren in einer zweisitzigen Aquila unterwegs und die Kollegen in einer Cessna 172. Wir sind dann ab Hannover Richtung Westen gestartet und haben kurz nach Sonnenaufgang die ein oder andere Runde übers Steinhuder Meer gedreht. Das war schon ein echt fantastisches Erlebnis.«

Kannst Du das Gefühl beschreiben?

Bild: Frank Weber »Naja, Du bist halt erstmal ein bisschen geflasht, wenn die ganzen Eindrücke auf Dich einwirken und Du das zum ersten Mal erlebst. Du selbst bist in der Luft, alle anderen unter Dir, die Sonne scheint tieforange über den Horizont und dann kommt plötzlich von hinten rechts ein anderes Flugzeug immer näher. Das ist dann schon mega beeindruckend! Aber Du darfst dann natürlich nicht vergessen, dass Du ja auch irgendwie eine Aufgabe hast. Du musst ja schließlich noch fotografieren.«

Also ist das Gefühl beim Fotografieren ein anderes?

Bild: Frank Weber »Definitiv. Es ist zwar schon vorher so ein befreiendes Gefühl, wenn Du in der Luft bist und die Aussicht und die ganze Situation genießt, aber wenn Du fotografierst, konzentrierst Du Dich echt nur noch darauf. Da wird automatisch alles Unwichtige ausgeblendet. Irgendwelche Sorgen oder Probleme, die Du am Boden hast, sind da einfach mal weggeblasen. Du blendest auch aus, dass Du selbst in der Luft bist. Du siehst alles nur noch durch den Sucher und bist mit Deinen Gedanken zu hundert Prozent bei Deiner Aufgabe – coole Fotos machen. Also jedenfalls ist das bei mir so…«

Wenn jetzt jemand das auch mal erleben möchte, wie kommt man als Otto Normalbürger an so einen Mitflug?

Bild: Frank Weber »Naja, mit Geld geht alles, glaube ich… Aber Scherz beiseite, tatsächlich ist es wohl so. Es gibt eine handvoll Event-Agenturen, die Air-to-Air-Photoshoots mehr oder weniger kommerziell anbieten. Wenn man das nötige Kleingeld hat, kann man das mal machen, aber für mich wäre es auf Dauer nichts.«

Warum nicht?

Bild: Frank Weber »Es gibt da einfach zu viele Nachteile. Erstmal finden die Air-to-Air-Events sehr sehr selten in Deutschland statt, sodass man teilweise einen irre langen Anreiseweg hat. Da braucht man schon mindestens drei Tage Urlaub, muss irgendwie nach England kommen – mal als Beispiel – und da dann vor Ort noch die Unterkunft bezahlen. Dazu kommt die Gebühr für das Event selbst mit mehreren tausend Euro. Das steht dann für mich in keiner Relation zu den Fotos, die ich da machen könnte.«

Kosten und Zeitaufwand sind also ausschlaggebend?

Bild: Frank Weber »Nicht nur. Was mich außerdem von solchen Veranstaltungen fernhält, ist die Tatsache, dass die Fotos hinterher praktisch null exklusiv sind.«

Wie meinst Du das?

Bild: Frank Weber »Naja, bei diesen Events sitzt Du mit zehn anderen Leuten an der offenen Ladeluke eines Flugzeugs und jeder fotografiert aus genau demselben Winkel. Da hat dann hinterher – drastisch formuliert – jeder Fotograf dieselben Fotos auf der Speicherkarte. Da machen pixelstarke Bodies und teure Objektive dann auch keinen großen Unterschied mehr.«

Klingt nachvollziehbar…

Bild: Frank Weber »Denk’ ich auch. Außerdem werden da in der Regel Flugzeuge fotografiert, die mich persönlich eher weniger interessieren. Ich brauche zum Beispiel keine Air-to-Air-Shots von irgendeinem britischen Warbird, zu dem ich sonst keine emotionale Verbindung habe.«

Gibt es denn noch eine andere Möglichkeit so etwas zu erleben?

Bild: Frank Weber »Klar. Wenn Du Kontakte zu Privatpiloten hast und die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt, wird sich mit Sicherheit irgendwann die Gelegenheit ergeben. Man kann zwar auch direkt beim örtlichen Luftsportverein anfragen, aber in der Regel wird das so stumpf nicht funktionieren. Man muss da erstmal ein bisschen Vertrauen aufbauen und den anderen Beteiligten klar machen, dass man weiß was man da tut.«

Das heißt?

Bild: Frank Weber »Das heißt, dass die anderen sehen, dass sie sich auf Dich verlassen können. Zum einen, dass Du – wenigstens so ein bisschen – den »Flieger-Spirit« hast und natürlich dass Du coole Ergebnisse lieferst. Kein Mensch wird sich die Mühe machen, mit Dir in Formation durch die Gegend zu fliegen, wenn er davon ausgehen muss, dass Du verwackelte oder überbelichtete Fotos ablieferst. Außerdem kostet sowas ja auch ein bisschen Geld. Also wenn man noch nie in einem Kleinflugzeug gesessen hat, sind die Chancen da nach meiner Einschätzung eher gering, als absoluter Neuling gleich sowas erleben zu können.«

Was empfiehlst Du denn nun konkret?

Bild: Frank Weber »Wie gesagt: Wer ein paar tausend Euro auf der hohen Kante und viel Freizeit hat, kann Air-to-Air-Events im Ausland buchen. Wer hier so etwas machen möchte, sollte einfach Kontakte zu Vereinen und Privatpiloten aufbauen. Einfach mal am Sonntag beim nächsten Flugplatz vorbeischauen, ins Gespräch kommen, vielleicht mal mitfliegen. Und dann wird das schon irgendwann. Aber nochmal für das Verständnis: Man muss ehrlich sagen, dass Air-to-Air-Photoshoots für mich auch die Ausnahme sind. Meistens sitze ich einfach mit der Kamera im Flugzeug, um ganz klassische Luftbilder zu machen. Es ist also auch für mich immer noch etwas Besonderes, wenn’s mit zwei Maschinen in die Luft geht. Und das wird es wohl auch immer bleiben.«