Planespotting und Hitzeflimmern: Unschärfe vermeiden für gute Fotos

Bild: Hitzeflimmern
Keine Fokus-Unschärfe, sondern Hitzeflimmern. Extrembeispiel mit einer Brennweite von 600 mm und einem Abstand zum Flugzeug von gut 2.000 Metern. Foto: Weber

Der Sommer eignet sich meist sehr gut fürs Planespotting. Die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist lang, meist ist der Himmel nicht bewölkt und das Licht sehr intensiv. Die Stunden am Flughafen-Zaun sind kurzweilig und man kann ganz nebenbei das gute Wetter genießen. Es könnte alles so schön sein. Das Problem jedoch oft: Hitzeflimmern sorgt für unscharfe Fotos!

Wir erklären, was es mit der größten Geißel der Planespotter im Sommer auf sich hat und geben Tipps zum Umgehen von Hitzeflimmern auf Fotos von Flugzeugen und Hubschraubern. Weniger Hitzeflimmern gleich schärfere Bilder!



Was ist Hitzeflimmern?

Mit Hitzeflimmern beschreibt man einen Zustand, der Dinge in zunehmend weiterer Entfernung verschwommen erscheinen lässt. Diese Wahrnehmung gilt sowohl fürs menschliche Auge als auch für Kamera-Optiken bzw. den Bildsensor in der Kamera. Beim Hitzeflimmern handelt es sich in erster Linie um ein thermisches Phänomen, das dann optische Auswirkungen hat. Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Hitzeflimmern unterscheiden: Natürliches Flimmern und technisch erzeugtes Flimmern.

Natürliches Hitzeflimmern

Das klassiche natürliche Hitzeflimmern entsteht, wenn ein Untergrund durch die Sonne aufgeheizt wird. Im Sommer lässt sich Hitzeflimmern auch auf Motorhauben von dunklen Autos oder auf Asphaltstraßen beobachten. Im Winter strahlen manchmal Heizkörper so viel Hitze ab, dass Pflanzen auf der darüber montierten Fensterbank verschwimmen. Wer jetzt sofort selbst ein Hitzeflimmern erzeugen möchte um das Problem besser zu verstehen, kann eine Kerze anzünden und über die Flamme hinweg ein Objekt im Hintergrund anschauen.

Hitzeflimmern durch Abgasstrahl

Womit wir direkt bei der zweiten Art des Hitzeflimmerns wären: Der gewissermaßen künstlich erzeugten. Ähnlich wie mit der Kerze verhält es sich mitunter bei einem Abgasstrahl von Turbinen und Motoren. Auch hier wird die Umgebung durch die Hitze verschwommen wahrgenommen. Ein Beispiel dafür sind etwa Flugzeugturbinen oder – besonders gut sichtbar – der Abgasstrahl von Hubschraubern.

Bild: Abgasstrahl Hubshrauber
Hitzeflimmern durch Abgasstrahl: In der rechten Bildhälfte deutlich erkennbar. Foto: Weber

Verschwommene Fotos

Fakt ist: Egal wie gut die Optik ist, egal wie präzise man fokussiert hat, Hitzeflimmern lässt sich in bestimmten Fällen nicht vermeiden und macht das Motiv unscharf (oder treffender formuliert: verschwommen). Wichtig zu wissen ist nun, wann sich Hitzeflimmern besonders auf Fotos bemerkbar macht, um diese Situationen und Gegebenheiten dann gezielt zu vermeiden.

Hitzeflimmern ist umso stärker sichtbar, je näher sich Fotograf oder Motiv an der Hitzequelle befinden. Das heißt: Nehmen Sie beispielsweise die Motorhaube ihres Autos und fotografieren darüber hinweg das Auto auf dem Nachbarparkplatz. Je näher Sie mit der Kamera ihrer Motorhaube sind, desto verschwommener wird das nebenstehende Auto abgebildet. Je weiter weg Sie die Kamera von der Motorhaube halten, desto schärfer wird es. Irgendwann werden Sie das Hitzeflimmern gar nicht mehr feststellen können.

Nicht gut: Hohe Brennweiten und große Abstände

Die Sichtbarkeit von Hitzeflimmern wird mit zunehmender Brennweite verstärkt. Leider wirkt sich das, was Planespotter für gute Fotos meist brauchen, sehr negativ auf das Hitzeflimmer-Problem aus: Hohe Brennweiten. Je höher die Brennweite und je größer dabei der Abstand zwischen Fotograf und Motiv, desto stärker sichtbar wird das Hitzeflimmern auf dem Foto. Extrembereiche, in denen an einem Tag mit einer Temperatur von 28 Grad mit 600 mm ein Flugzeug in mehr als 1.000 Metern Entfernung auf einer Asphaltbahn rollend fotografiert wird, können im Ergebnis nicht mehr brauchbar sein. Dazu kommt in solchen Extremfällen die Tatsache, dass weit entfernte Objekte am Horizont blaustichig erscheinen – dazu in Kürze an anderer Stelle mehr.

Der Flimmer-Effekt wird glücklicherweise dann abgeschwächt, wenn das Flugzeug abgehoben ist und sich möglichst weit weg von der heißen Asphaltpiste befindet, von der das größte Hitzeflimmern ausgeht. Die Kombination von Flugzeugen am Boden mit großem Abstand und großer Brennweite allerdings sind kritisch. Wer dann noch die Kamera auf den Boden legt, um eine dynamische Froschperspektive zu haben, wird mit der Aufnahme sehr wahrscheinlich nicht zufrieden sein.


Unschärfe durch Hitzeflimmern vermeiden

Es gibt in der Fotografie zwar die ein oder anderen guten Tricks mit optischen Filtern (z. B. Polarisationsfilter für höheren Himmel-Wolken-Kontrast, satteres Blau und weniger Spiegelungen), zum Ausmerzen von Hitzeflimmern gibt es allerdings keine physikalische Lösung. Schließlich ist das Hitzeflimmern kein optisches, sondern ein thermisches Phänomen. Wie bereits oben erwähnt, kann man einige Grundsätze beherzigen, um es zu umgehen oder wenigstens so gering wie möglich zu halten. Statt Tricks gibt es in diesem Fall nur folgende Tipps:

  • Nicht an heißen Tagen fotografieren oder wenn doch:
  • in Tagesrandlagen fotografieren, bevorzugt morgens
  • aus Schattenbereichen heraus fotografieren
  • die Brennweite so gering wie möglich wählen
  • den Abstand zum Motiv so klein wie möglich halten
  • keine Froschperspektiven direkt über dem heißen Asphalt!

Hilfreich kann auch hier eine Leiter sein, um zumindest selbst so weit wie möglich vom Boden weg zu kommen und die Sichtachse nach oben zu verlagern. Anschließend ist nur noch wichtig, dass das Motiv nicht zu weit entfernt ist oder es sich (wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass es weit weg ist) bereits in der Luft befindet. Der Standort sollte sich bestenfalls im Schatten befinden, den die Sonne nicht bereits den ganzen Tag aufgeheizt hat.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Online Content Marketing tätig. Seit jeher begeisterter Mitflieger in Kleinflugzeug, Hubschrauber, Privatjet & Co.