Polizeihubschrauber über Hannover und Niedersachsen

Bild: Polizeihubschrauber D-HPNA
Ein Explorer-Hubschrauber im aktuellen Farbdesign der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen. Foto: Weber

Wann immer es nötig ist, steigen in Niedersachsen die Hubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen (PHuStN) auf. Zum Tagesgeschäft gehören Personensuchen und Fahndungen aus der Luft. Von den Standorten Hannover und Rastede (bei Oldenburg) sind vier Polizeihubschrauber nahezu jederzeit bereit, für die Sicherheit der Bevölkerung in den Einsatz zu starten – sofern es die Wetterbedingungen zulassen. Der Einsatzbereich umfasst ganz Niedersachsen und auch das Bundesland Bremen (also die Stadt Bremen und Bremerhaven), das keine eigenen Polizeihubschrauber unterhält.

Wissenswertes über den Aufbau und die Organisation der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen, das Einsatzspektrum und die aktuelle Polizeihubschrauberflotte, gibt es in diesem Artikel zu lesen.

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Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen

Die PHuStN ist derzeit dem Niedersächsischen Ministerium für Sport und Innneres unter Minister Boris Pistorius (SPD) unterstellt (Stand: Januar 2020) und betreibt insgesamt vier Hubschrauber, die im gesamten Bundesland inklusive der Städte Bremen und Bremerhaven eingesetzt werden. Stationiert sind die Maschinen am Flughafen Hannover und einer Außenstelle der Polizei in Rastede bei Oldenburg.

Besatzung und Qualifikationen

Die Besetzung eines Polizeihubschraubers besteht aus jeweils einem Piloten, einem Copiloten (Systemoperator) und einem Cam-Operator. Während sowohl Pilot als auch Copilot zwingend eine polizeiliche Ausbildung durchlaufen haben müssen, können seit neuestem als Cam-Operator auch zivile Personen an Bord des Polizeihubschraubers eingesetzt werden. Heißt: Derjenige, der die komplexen Kamerasysteme an Bord bedient (u. a. FLIR, Suchkamera), darf nach aktueller Verfassung jemand sein, der keine Beamtenlaufbahn der Polizei abgeschlossen hat. Er ist (im Vergleich zu den anderen beiden Crew-Mitgliedern) kein Polizist und trägt mitunter keine Schusswaffe, sondern kümmert sich mit seiner (zivil erworbenen) Expertise ausschließlich um die Bedienung des optischen Equipments des Polizeihubschraubers.

Einstellungsvoraussetzungen dafür waren in der jüngeren Vergangenheit eine Berufsausbildung zum Fotografen oder vergleichbare Berufsabschlüsse. Der Autor dieses Beitrags hat bereits einen Einstellungstest als Cam-Operator an Bord eines Polizeihubschraubers der PHuStN absolviert (D-HPNC), sich dann aber u. a. aufgrund von privaten Gegebenheiten (Familienstand, Wohnort, Schichtdienst) dagegen entschieden. Einige Teile der Crews anderer Polizeihubschrauberstaffeln in Deutschland hatten sich zu diesem Novum teils extrem kritisch geäußert. Einer der Gründe: Landet der Polizeihubschrauber, steigt grundsätzlich der Cam-Operator zuerst aus der Maschine aus. Begegnet er dann jedoch beispielsweise einem bewaffneten Straftäter, kann er sich nicht unmittelbar zur Wehr setzen, weil er selbst (als Nicht-Polizist) keine Waffe tragen darf – im Gegensatz zu den beiden anderen Crew-Mitgliedern.

Ausstattung und Technik eines Polizeihubschraubers

Die genaue technische Ausstattung eines Polizeihubschraubers variiert je nach Modell und Betreiber (jeweilige Landespolizeien). Grundsätzlich sind nahezu alle Polizeihubschrauber in Deutschland – egal von wo aus betrieben und eingesetzt – mit folgender Ausrüstung versehen:

  • TV-Kamera
  • FLIR-Infrarotkamera (Wärmebildkamera)
  • Peilanlage (IMSI-Catcher)
  • Suchscheinwerfer
  • Restlichtverstärkerbrillen

Vorteile Hubschrauber vs. Flugzeug

Grundsätzlich, aber insbesondere im polizeitaktischen Einsatzgeschehen hat der Hubschrauber einige Vorteile gegenüber Flächenflugzeugen. Dazu gehört zum einen die enorme Wendigkeit, die Möglichkeit nahezu überall zu starten und zu landen und die Sicht von Pilot und Copilot. Die Vorteile von Polizeihubschraubern im Detail:

  • Senkrechtstart: keine Start- und Landebahn notwendig, eine ebene, 30 x 30 Meter große Fläche genügt im Ernstfall
  • Wendigkeit: sehr schnelle Richtungsänderung und Auf-der-Stelle-Schweben (Hovern) möglich
  • Sicht: Glaskuppel-ähnliche Kanzel mit sehr großem Blickwinkel und u. a. Sicht nach unten

Polizeihubschrauber über Hannover – das könnte der Grund sein

Wann immer Sie einen Polizeihubschrauber über Hannover oder einem anderen Ort in Niedersachsen oder in Deutschland sehen, kann dies mehrere Gründe haben. Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, sofort Informationen über den Einsatzgrund zu erfahren. Seien Sie sich stattdessen gewiss: Wäre der Grund des Einsatzes so bedeutend, dass er Ihre persönliche Sicherheit unmittelbar gefährdet, würde die Polizei Sie entsprechend informieren. Etwa über Lautsprecherdurchsagen von bodengebundenen Fahrzeugen wie Streifenwagen. Wer sich durch einen (mehrere Minuten) über seiner Straße schwebenden Polizeihubschrauber verunsichert fühlt, dem sei geraten:

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  1. Bleiben Sie in Ihrer Wohnung!
  2. Öffnen Sie nicht die Tür, wenn Sie keinen Besuch erwarten!
  3. Schalten Sie einen örtlichen Radiosender ein.

Wenn der Hubschrauber mehr als 15 Minuten permanent über Ihrem oder einem Ihrer Nachbarhäuser kreist, ist es durchaus legitim, als Bürger bei der nächsten Polizeiwache nachzufragen, ob Gefahr für die Allgemeinheit – und damit auch für Sie – besteht. Wichtig: Rufen Sie die Wache über die Amtsnummer (Festnetznummer) an, keinesfalls über den Notruf 110! Während der Missbrauch von Notrufen strafbar ist (darunter könnten auch solche Nachfragen fallen), ist für eine freundliche, besorgte Nachfrage über die Amtsnummer der nächsten Polizeidienststelle wohl noch niemand rechtlich belangt worden.

Häufigste Einsätze von Polizeihubschraubern

Genaue Zahlen und allgemeingültige Anteile am Einsatzgeschehen sind schwer herauszufinden. Fakt ist aber: Der überwiegend größte Teil der Einsätze von Polizeihubschraubern in Niedersachsen sind Sucheinsätze. Nachfolgend die Aufgaben der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen (Einsätze in Reihenfolge ihrer Häufigkeit absteigend):

  • Sucheinsätze (~ 65 %): Vermisste (vor allem ältere Menschen), Kriminelle (Räuber, Einbrecher, Graffiti-Sachbeschädiger)
  • Aufklärung (~ 25 %): Demonstrationen, größere Brände und Unfallstellen, Evakuierungen bei Bombenräumungen
  • Sonstige (~ 10 %): z. B. VIP-Personentransporte (u. a. SEK), Handyortungen (bei denen der Polizeihubschrauber als zwischengeschaltete Funkstation [IMSI-Catcher] fungiert)

Funkrufname Phönix

Die Funkrufnamen der Polizeihubschrauber in Niedersachsen lauten auf Phönix (Phoenix), gefolgt von einer 90er-Ziffer. Phönix ist ein Begriff aus der griechischen Mythologie und bezeichnet einen aus Flammen auferstandenen Vogel. Die Redewendung »Phönix aus der Asche« bezeichnet etwas, das schon verloren geglaubt war, aber in neuem Glanz wieder erstrahlt. In diesem Zusammenhang erscheint der Bezug zur Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen leicht zweifelhaft (Polizeihubschrauber in Niedersachsen dürften vermutlich noch nie als verloren geglaubt gewesen sein), jedoch wird der Funkrufname bis heute verwendet.

Interessant: Weitere, nach Vögeln oder Insekten benannte Polizeihubschrauber gibt es unter anderem in Baden-Württemberg (Bussard), Brandenburg (Adebar), Hessen (Ibis) und NRW (Hummel). Und: Mit Ausnahme von Berlin, Bremen, dem Saarland und dem Bundesland Schleswig-Holstein unterhalten die jeweiligen Landespolizeien eine eigene Polizeihubschrauber-Flotte. In den übrigen Bundesländern übernimmt in den meisten Fällen bei Bedarf die Bundespolizei die Hubschraubereinsätze. Die vollständige Liste der Funkrufnamen von Polizeihubschraubern in Deutschland im Detail:

BundeslandFunkrufname
Baden-WürttembergBussard
BayernEdelweiß
BerlinPirol (durch Bundespolizei abgedeckt)
BrandenburgAdebar
BremenPhönix (durch Niedersachsen abgedeckt)
HamburgLibelle
HessenIbis
Mecklenburg-VorpommernMerlin
NiedersachsenPhönix
Nordrhein-WestfalenHummel
Rheinland-PfalzSperber
SaarlandPirol (durch Bundespolizei abgedeckt)
SachsenPassat
Sachsen-AnhaltIkarus
Schleswig-HolsteinPirol (durch Bundespolizei abgedeckt)
ThüringenHabicht

Was kostet ein Polizeihubschrauber pro Einsatzstunde?

Spannend sind die Einsatzkosten von Polizeihubschraubern. Das Land Brandenburg nennt in der Beantwortung einer Kleinen Anfrage unter anderem Kosten für einen Polizeihubschrauber vom Typ Eurocopter EC135. Demnach belaufen sich die Einsatzkosten für diesen Polizeihubschrauber auf 7.011 Euro pro Stunde (Betriebsstunde) bzw. 116,85 Euro pro Minute Betriebszeit. Darin seien »Kosten für Betriebsstoffe, Instandhaltung, Besatzung und sonstige Sachkosten enthalten«, heißt es. Das Land verweist dabei auf die Verwaltungsvereinbarung, die weiterhin 137,66 Euro pro Stunde für den Einsatz der Wärmebildkamera zusätzlich vorsieht. (Quelle: Landtag Brandenburg Drucksache 6/10405, Januar 2019). Zum Vergleich: Die Betriebsstunde eines Eurofighters kostet rund 74.000 Euro.

Aber: Auch mehr als 7.000 Euro sind eine gewaltige Summe. Sofern die Kosten nicht dem Einsatzverursacher in Rechnung gestellt werden können, muss der Steuerzahler für den Einsatz aufkommen. Einige Einsätze der Polizeihubschrauberstaffel enden ohne Feststellung, für sie müssen zwingend die Bürger zahlen. Zur Einordnung: Vom Anlassen der Triebwerke am Flughafen Hannover-Langenhagen benötigt ein Polizeihubschrauber mehr als 15 Minuten, bis er über dem Stadtzentrum von Braunschweig schwebt – und hat bis dahin bereits 1.750 Euro verbrannt! Sind es durch ungünstige Windverhältnisse oder eine längere Warmlaufzeit im Winter 20 Minuten, belaufen sich die Kosten schon auf mehr als 2.300 Euro, um überhaupt erst vor Ort zu sein.


Hubschrauber der Polzeihubschrauberstaffel Niedersachsen

Bild: Polizeihubschrauber
Das neueste Flottenmitglied der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen. Foto: Weber

Die aktuelle Flotte der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen

Aktuell (Ende 2019) verfügt die PHuStN über vier Hubschrauber, die von den Stationen Hannover und Rastede aus betrieben werden. Es handelt sich dabei um zwei Hubschrauber vom Typ McDonnell Douglas (MD) 902 sowie um zwei weitere vom Typ Eurocopter/Airbus EC 135. Die Explorer-Hubschrauber sind dabei einmalig in Deutschland, keine andere Landespolizei setzt dieses Hubschraubermuster ein.

KennzeichenModellFunkrufnameICAO Hex
D-HPNAMD 902 ExplorerPhönix 91
(PPH91)
3DFB8E
D-HPNCMD 902 ExplorerPhönix 93
(PPH93)
3DFB90
D-HPNEEC 135 P2+Phönix 97
(PPH97)
3DFB92
D-HPNFEC 135 P2+Phönix 98
(PPH98)
3DFB93

(Stand: Oktober 2019)

Ehemalige Polizeihubschrauber Niedersachsen und Verbleib

KennzeichenModellSeriennummerVerbleib
D-HPNBMD 902 Explorer900-00061nach einem Flugunfall aus niedriger Höhe am 14.11.2007 (während der Landung am Flughafen Hannover) nicht wieder in Betrieb genommen (Ursache: NOTAR-Versagen)
D-HPNDMD 902 Explorer900-00087nach einem Flugunfall aus niedriger Höhe am 12.01.2010 (während einer bodennahen Trainingsübung in Elze) nicht wieder in Betrieb genommen (Ursache: Kontrollverlust nach Whiteout; selber Pilot wie beim Zwischenfall mit D-HPNB)
D-HOPE
EC SA-365 Dauphin5009nach Ausflottung (Flyout am 12.05.2016) in die Slowakei verkauft; neue Reg. S5-HCJ; Betreiber: Helitours
D-HOPQEC SA-365 Dauphin5062nach Ausflottung (Flyout am 12.05.2016) in die Slowakei verkauft; neue Reg. S5-HCK; Betreiber: Helitours

(Stand: Oktober 2019)


Historische Fotos

Inzwischen gibt es einige historische Aufnahmen von Polizeihubschraubern in Niedersachsen, die nicht mehr (oder nicht mehr in der Farbgebung) im täglichen Einsatz sind. Eine kleine Auswahl derer:

Bild: Polizeihubschrauber D-HOPQ
Dieser Hubschrauber fliegt nicht mehr für die Polizei Niedersachsen. Er wurde nach Slowenien verkauft. Foto: Weber
Polizeihubschrauber in Niedersachsen
Polizeihubschrauber in alter grüner Farbgebung. Archivfoto: Weber
Bild: Polizeihubschrauber D-HPND
Dieser Hubschrauber ist verunfallt und wurde so schwer beschädigt, dass er außer Dienst gestellt wurde. Foto: Weber

Hubschrauber der Bundespolizei über Niedersachsen

Übrigens: Regelmäßig samstags ist ein Hubschrauber der Bundespolizei über Hannover zu sehen. Um die Mittagszeit fliegen die Polizisten die Bahnstrecke zwischen Lehrte und Wunstorf ab. Von Zeit zu Zeit steht auch die Flugroute Gifhorn-Wolfsburg-Braunschweig-Peine-Lehrte-Hannover-Wunstorf-Hannover-Lehrte-Gifhorn auf dem Streifen-Programm.

Die Landeplätze der Polizei werden vereinzelt auch von der Bundespolizei angeflogen und genutzt. So war beispielsweise der Bundespolizei-Hubschrauber D-HEGO (ICAO 3DDDDA) am 13. Januar 2020 gegen 18.30 Uhr an der Station Rastede gelandet.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Seit jeher begeisterter Mitflieger in Kleinflugzeug, Hubschrauber, Privatjet & Co. General Aviation, Luftbildfotografie und Flugsimulatoren sind sein Hobby.