Luftwaffe kritisiert Berichterstattung über Eurofighter-Absturz

Bild: Eurofighter Typhoon 31+18
Zwei solcher Eurofighter sind abgestürzt. Die Spekulationen über das Warum veranlasst den Generalleutnant der Luftwaffe zu einer klaren Ansage. Symbolfoto: Weber

Freitag 28. Juni 2019 – Berlin (we). Der Inspekteur der Luftwaffe Generalleutnant Ingo Gerhartz kritisiert die öffentliche Berichterstattung im Fall des Eurofighter-Absturzes in Mecklenburg-Vorpommern.

Hintergrund: In den Tagen nach der Katastrophe, bei der ein Kampfpilot (27) gestorben war, hatten verschiedene Medien ihre Berichterstattung über den Flugunfall immer weiter – teils mit weit hergeholten Informationen ohne jeglichen Nachrichtencharakter – ausgeschmückt und ausgebaut. Besonders stört sich Gerhartz offenbar an den Spekulationen und Mutmaßungen über die Absturzursache und den Ablauf, der zum Tod eines der beiden Soldaten geführt hatte.

Anzeige


Gerhartz: Spekulationen verbieten sich

»Bei allem Verständnis für das Bedürfnis an einer schnellen Aufklärung der Ursachen und des Hergangs des tragischen Flugunfalls, verbieten sich Spekulationen hierüber bis zum Abschluss der Untersuchungen durch General Flugsicherheit«, wird der Generalleutnant wörtlich zitiert. Was genau ihn zu dieser Ansage veranlasst hat, ist nicht überliefert.

Klar ist aber: Besonders ein großes Medium hatte den Flugunfall zum Anlass genommen, immer wieder weiterführende Artikel mit mehr oder weniger nah verwandten Themen zu veröffentlichen. Neben Info-Beiträgen wie »So funktioniert ein Schleudersitz« und »Was spuckt so eine Blackbox eigentlich aus?« waren dies mitunter »Experten-Interviews«, die bereits in der Fliegerszene genau wegen der darin enthaltenen Spekulationen mehrfach kritisiert wurden.

Mutmaßungen über den Tod des Kampfpiloten

Hauptsächlich geht es dabei um die Frage, warum der ums Leben gekommene 27-jährige Kampfpilot zwar offenbar seinen Schleudersitz auslösen konnte, aber trotzdem nicht überlebt hat. Der Experte hatte daraufhin detaillierte Szenarien dargelegt, die zum Tod des Soldaten geführt haben können.

Die Einschätzungen des Experten: Möglicherweise hätte sich der später tödlich verunglückte Pilot mit seinem Eurofighter unter dem anderen Flugzeug befunden, und so sei für ihn bei der Betätigung des Schleudersitzes einfach kein Platz vorhanden gewesen. Oder er sei nach dem Ausstieg aus dem Kampfjet von Wrackteilen getroffen und tödlich verletzt worden, was das Auffinden von Leichenteilen erklären würde. Ob entsprechende Informationen von öffentlichem Interesse sind, oder ob auf solche Art diskutiert werden sollte, wie genau der Eurofighter-Pilot ums Leben gekommen ist, ist in den Augen vieler offenbar fraglich.

Presse und das Sommerloch

Fest steht: In Zeiten des sogenannten Sommerlochs (also einer jahreszeitbedingten Themen-Knappheit in den Redaktionen, d. Red.) sind Nachrichtenmedien und -kanäle darauf angewiesen, Artikel anzubieten, die Klickzahlen oder verkaufte Auflage garantieren. Die einfachste Möglichkeit das zu realisieren ist ein aktuelles überregionales Thema, das bereits »gut läuft« immer weiter zu stricken, auch wenn die neuen Artikel keinen Nachrichtenwert mehr haben, aber einen gewissen Informationscharakter. Dazu gehören die erwähnten Experten-Interviews.

Übrigens: In der Berichterstattung zum aktuellen Eurofighter-Flugunfall hat sich air2air.de nicht an Spekulationen beteiligt, sondern lediglich offiziell bestätigte oder allgemein bekannte Fakten als Grundlage herangezogen. Den aktualisierten Hauptartikel zum Thema lesen Sie hier: Absturz von zwei Eurofightern bei Malchow

Anzeige



Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.