Luftwaffe verweigert Abnahme von zwei Airbus A400M

Bild: Airbus A400M
Zwei solcher Airbus A400M will die Bundeswehr dem Flugzeughersteller nicht abnehmen. Symbolfoto: Weber

Donnerstag 14. November 2019 – Berlin (we). Die Bundeswehr hat wieder Ärger mit dem Airbus A400M. Nachdem an bereits im Einsatz befindlichen Flugzeugen lockere Schrauben an Propellern entdeckt worden waren, hat die Luftwaffe nun die Abnahme zweier neuer A400M verweigert.

Die Bundeswehr-Verantwortlichen argumentieren inzwischen öffentlich mit der »Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten« und verpassen Flugzeughersteller Airbus einen weiteren kräftigen Schuss vor den Bug. Schon in der Vergangenheit hatte sich dessen A400M zum Sorgenkind entwickelt und das Image des Unternehmens angekratzt. Bis heute sind von 53 Flugzeugen gerade 31 ausgeliefert, obwohl der vollständige Ersatz der Transall-C-160-Flotte durch den A400M im kommenden Jahr hätte abgeschlossen sein sollen.

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Es geht unter anderem um lockere Schrauben

Besonders bedenklich: Offenbar wurden bei Flugzeughersteller Airbus einfachste Montagearbeiten nicht korrekt ausgeführt. Angaben der Luftwaffe zufolge war im Rahmen von Routine-Überprüfungen bei schon im Betrieb befindlichen Flugzeugen aufgefallen, dass »nicht alle 24 Muttern pro Propeller das vorgesehene Anzugdrehmoment aufweisen«. Weil diese Tatsache eine Kette an zeit- und kostenintensiven Nachkontrollen nach sich zieht und zudem weitere vertraglich vereinbarte Eigenschaften nicht erfüllt worden seien, muss Airbus nun bei den beiden Maschinen nachbessern, bevor sie abgenommen werden.

Umfangreiche Inspektionen nötig

Die aktuelle Propellerschrauben-Problematik des A400M könne zu schwerwiegenden Schäden an Teilen des Propellers führen, heißt es. Die Folge: Unplanmäßige Inspektionen an den bereits in Dienst gestellten Flugzeugen, die im Schnitt pro Maschine etwa 30 Mannstunden erfordern und das Luftfahrzeug für einen Tag unbenutzbar machen. So muss nun etwa nicht nur der Anzugsdrehmoment aller Schrauben überprüft, sondern auch auf möglicherweise bereits dadurch entstandene Schäden geachtet werden. Es geht unter anderem um Triebwerksbefestigungen, Rissprüfungen an Brennkammern und Triebwerksklappen.

Immer wieder Ärger mit dem A400M

Das Projekt A400M dürfte den Verantwortlichen der Bundeswehr immer wieder aufs Neue Zahnschmerzen bereiten. Bereits 2009 war das komplette Programm bereits auf der Kippe gewesen. Airbus hatte seinerzeit mehr oder minder gedroht, das Projekt einzustellen, wenn die europäischen Regierungen als Abnehmer nicht drei Jahre mehr Zeit gewähren und zusätzliche Milliarden zur Verfügung stellen würden. So war es dann auch tatsächlich gekommen, wobei Airbus dennoch durch eine Vielzahl von Schlechtleistungen aufgefallen war. Medien bezeichneten das Flugzeug als »Pannenflieger«, weil immer wieder neue Defekte und technische Unzulänglichkeiten entdeckt worden waren.

Verzögerung bis jetzt: Sechs Jahre

Im Februar 2018 hatten Airbus und die Bundeswehr eine Absichtserklärung geschlossen, nach der die letzte der bestellten 53 Maschinen im Jahr 2026 übergeben werden soll. Ursprünglich hätte das schon im kommenden Jahr, also 2020 passieren sollen. Inwieweit sich dieser Termin nach der aktuellen Nichtabnahme zweier Flugzeuge nach hinten verschiebt, ist unklar. Aktuell heißt es von der Bundeswehr nur: »Die gesamten technischen Mängel sowie die Feststellung, dass die zwei derzeit auszuliefernden Maschinen zusätzlich nicht die vertraglich zugesicherten Eigenschaften besitzen, führen zur aktuellen Nichtabnahme dieser Luftfahrzeuge durch die Bundeswehr.«

Luftwaffe insgesamt zufrieden mit A400M

Trotz aller Kritik hat die Luftwaffe aber auch etwas Lob für den Airbus A400M übrig. Insgesamt habe sich das Flugzeugmuster in knapp 1.700 Missionen mit mehr als 4.000 Flugstunden »mehr als bewährt«. Vom Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf aus seien mit dem Flugzeug Einsatzgebiete mit Personal und Material versorgt, Luft-Luft-Betankungen vorgenommen (aktuell beim Anti-IS-Einsatz in Jordanien) und verletzte Soldaten aus dem Ausland zurückgeholt worden.