Bundespolizei begleitet Castor-Transport mit Hubschraubern

Bild: Bundespolizei-Hubschrauber
Hubschrauber wie dieser werden von der Bundespolizei bei Castor-Transporten eingesetzt. Symbolfoto: Weber

Freitag 30. Oktober 2020 – Nordenham / Hannover (we). Wenn in den kommenden Tagen Hubschrauber entlang der Eisenbahnstrecken zwischen Nordenham und Biblis in Hessen fliegen, hängt das mit der Sicherheit zusammen: In Kürze soll wiederaufbereiteter Atommüll aus dem britischen Sellafield die Nordseeküste erreichen und anschließend per Eisenbahn nach Biblis gebracht werden. Die Bundespolizei übernimmt die Absicherung des Transports aus der Luft.

Es ist der erste Castor-Transport aus Großbritannien nach Biblis seit neun Jahren – inmitten der Corona-Krise. Wie bei den vergangenen Castor-Transporten werden auch diesmal Hubschrauber der Bundespolizei die »Vorhut« des Atommüll-Zuges bilden und die Bahnstrecke überfliegen, bevor wenige Minuten zeitverzögert der Zug die Stelle passiert. Derzeit (Freitagabend) wird erwartet, dass sich der Zug am Sonntag oder Montag in Nordenham in Bewegung setzt.

Was machen Hubschrauber beim Castor-Transport?

Auch wenn der aktuelle Atomtransport derzeit deutlich weniger in den Medien präsent ist wie noch vor knapp zehn Jahren, wird die Route des Castor-Zuges bis zuletzt geheimgehalten, um Aktivisten nicht die Möglichkeit zu geben, den Zug zu stoppen. Immer wieder hatten sich in der Vergangenheit Atomkraftgegner an Gleise gekettet oder Züge in sonst einer Form aufzuhalten versucht. Mehrere tausend Polizisten werden in den kommenden Tagen im Einsatz sein um das zu verhindern – nicht nur am Boden, auch in der Luft.

Ein Aufklärungsflug per Hubschrauber unmittelbar vor Passieren des Zuges gewährleistet letztlich die Sicherheit aller Beteiligten. Sollten etwa Barrikaden im Gleisbett aufgebaut werden, erkennt sie die Hubschrauberbesatzung aus der Vogelperspektive sehr einfach und kann den Zug rechtzeitig stoppen lassen. Die infragekommenden Hubschrauber der Bundespolizei sind für den Nachtflug ausgerüstet, sodass der Transport nicht zwingend deshalb bei Tageslicht stattfinden muss.

Flugroute entspricht Zugroute

Die genaue Route des Zuges – und damit der vorwegfliegenden Hubschrauber – ist wie erwähnt bis dato nicht bekannt. Die in den vergangenen Tagen stattgefundenen Hubschrauberflüge (die Flugspuren sind im Internet öffentlich einsehbar, wenn man weiß wonach man suchen muss, d. Red.) entlang der Bahnstrecken legen jedoch nahe, dass die Castor-Route 2020 über Bremen/Hannover/Göttingen nach Hessen führen wird und nicht über die denkbaren Alternativen Bremen/Seelze/Hameln/Altenbeken bzw. Bremen/Osnabrück/Münster via Nordrhein-Westfalen.

Bild: Castor-Transport Nienburg
Atommüll-Zug in Nienburg: Die Castor-Route 2020 könnte wieder über die Strecke Bremen-Hannover führen. Archivfoto: Weber

So oder so: Wer immer in der Nähe dieser Strecken wohnt und sich in den kommenden Tagen fragt: »Was für ein Hubschrauber fliegt gerade über Delmenhorst/Bremen/Hannover/XY«, der wird sehr wahrscheinlich Zeuge des entsprechenden Castor-Polizeieinsatzes sein. In dem Zusammenhang ist es auch nicht ungewöhnlich und kein Grund zur Besorgnis, wenn einer der möglicherweise mehreren Hubschrauber das ein oder andere Mal über dem Ortskern schwebt oder kreist.

Kein Grund zur Panik!

Die zu erwartende Besorgnis in den sozialen Medien dürfte diesmal angesichts der spärlichen Vorabinformationen im Schatten der Corona-Krise vergleichsweise groß ausfallen. Die breite Masse dürfte bislang nicht einmal mitbekommen haben, dass überhaupt wieder ein Atommüll-Transport durch Deutschland rollt. Der oder die begleitenden Hubschrauber werden erfahrungsgemäß – speziell in ländlichen Gegenden abseits größerer Städte – wieder für allerlei Spekulationen sorgen. Fakt ist jedoch: Es geht keine Gefahr von den Hubschraubern aus und auch nicht von dem Einsatz als solches.

Es wird kein bewaffneter Straftäter flüchtig sein und der Zug mit voraussichtlich sechs Waggons wird vor der Abfahrt von Nuklear-Spezialisten »freigemessen«, sodass die Strahlungsintensität selbst in unmittelbarer Nähe zu den Castor-Behältern für eine kurze Zeit unbedenklich ist. Muss der Zug unerwartet irgendwo eine längere Pause einlegen, wäre es auch nicht ungewöhnlich, wenn der Polizeihubschrauber einmal in der Nähe der Bahnstrecke oder eines Bahnhofs landet.


Hintergrund-Infos

Fliegendes Personal der Polizei hat seit jeher zu Einsätzen wie einem Atomtransport dazugehört. Jeder einzelne Transport ist mit einem enorm hohen Aufwand, viel Personal und dem Einsatz der modernsten Polizeitechnik überhaupt verbunden – darunter Spezialboote und eben Hubschrauber.

Was kostet der Hubschrauber-Einsatz?

Die Kosten pro Flugstunde einer oben abgebildeten EC155 belaufen sich auf knapp 6.000 Euro. Die Zahl entstammt einer Publikation des Rechnungshofs Baden-Württemberg, die sich auf die Betriebskostenrechnung der dortigen Polizeihubschrauberstaffel bezieht. Der Einsatz einer MD900, wie sie auch die Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen nutzt, kostet derselben Quelle zufolge hingegen nur gut 2.700 Euro, also weniger als die Hälfte.