Christoph 4 fliegt 800.000sten Einsatz der BMI-Zivilschutz-Luftrettung

Bild: Christoph 4
Rettungshubschrauber Christoph 4 hat den 800.000sten Einsatz der BMI-Luftrettung geflogen. Archivfoto: Weber

Samstag 18. Juli 2020 – Bonn / Hannover (we). Der Zufall hat’s bestimmt: Rettungshubschrauber Christoph 4 aus Hannover hat im April den 800.000sten Einsatz eines Zivilschutz-Hubschraubers des Bundesministeriums des Innern (BMI) übernommen. Gestern gab es für die Crew ein Dankeschön vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn-Dransdorf.

»Start der Zählung war 1971, als der Bund begonnen hat, spezielle Helikopter für den Zivilschutz vorzuhalten«, heißt es in einer Mitteilung der Johanniter. Sie stellen neben der Bundespolizei einen Teil der Hubschrauber-Crew und haben auch bei Einsatz Nummer 800.000 unterstützt. Es ging um die Rettung eines 14 Jahre alten Kindes im Landkreis Peine, das im Wald mit dem Mountainbike gestürzt war.

Einsatz: Verletztes Kind nach Fahrradsturz

Rückblick: Donnerstag 16. April am Luftrettungszentrum der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die Crew des hier stationierten Rettungshubschraubers Christoph 4 wird zum Einsatz gerufen. Es geht nach Abbensen im Landkreis Peine. Innerhalb weniger Minuten ist der Hubschrauber mitsamt Crew in der Luft.

Geflogen wird der Hubschrauber von einem Piloten der Bundespolizei (Fliegerstaffel Nord). Außerdem an Bord: Ein Notfallsanitäter (Technical Crew Member Helicopter Emergency Medical Services, kurz: TC-HEMS) der Johanniter-Unfall-Hilfe und einer Notärztin der MHH. Was bis jetzt bekannt ist: Es geht in ein Waldstück, in dem ein Kind mit seinem Fahrrad gestürzt ist.

Rettungshubschrauber auf Personensuche

Rund zehn Minuten später haben die Luftretter den ungefähren Bereich der Unfallstelle erreicht. Die spezielle Herausforderung bei diesem Einsatz jedoch: Das verletzte Kind muss in dem Wald zunächst einmal gefunden werden. Dabei gehören klassische Personensuchen eher nicht zum Tagesgeschäft der Luftrettung.

»Ich erinnere mich gut an den Tag, denn wir hatten bereits einige Traumaeinsätze hinter uns. Wenn dann noch eine Rettung mit unklarer Ortsangabe dazu kommt, ist das schon ungewöhnlich«, so TC-HEMS Marc-Oliver Lüpkemann, »Aber dafür sind wir ausgebildet. Wir trainieren regelmäßig, um für die unterschiedlichsten Rettungsaktionen gewappnet zu sein.«

Kind ins Krankenhaus geflogen

Und tatsächlich: Innerhalb kürzester Zeit konnte die Hubschrauber-Crew die Unfallstelle ausmachen und den kleinen Patienten versorgen. Wie sich am Boden herausstellte, war der 14 Jahre alte Tom Joshua mit seinem besten Freund und seiner kleinen Schwester Lilly im Wald unterwegs gewesen. Mit seinem Mountainbike war er dann über eine Baumwurzel gestürzt, hatte sich überschlagen und blieb verletzt liegen. Vorbildlich: Während sein Freund bei ihm blieb, holte Lilly Hilfe.

Eine Spaziergängerin leistete schließlich Erste Hilfe und konnte als ausgebildete Krankenschwester die Lage gut überblicken. Es war klar: In dem unwegsamen Gelände muss ein Rettungsteam mit Helikopter helfen. Das geschah dann auch so und Tom Joshua wurde mit einem komplizierten Armbruch ins Kinderkrankenhaus Auf der Bult nach Hannover geflogen. Ihm geht es inzwischen wieder gut. Er durfte sich den Hubschrauber, mit dem er unfreiwillig mitgeflogen war, in Bonn nochmal näher anschauen.

BBK bedankt sich bei den Luftrettern

Beim Vor-Ort-Termin in Bonn-Dransdorf waren neben Tom Joshua und Marc-Oliver Lüpkemann auch der Ärztliche Leiter des Rettungshubschraubers Christoph 4 Dr. Christian Macke (MHH) und Torsten Hallmann, Leiter der Fliegergruppe der Bundespolizei, zu Gast.

Notfallsanitäter Lüpkemann: »Dass es sich bei diesem Flug um den 800.000sten Einsatz gehandelt hat, ist uns nicht bewusst gewesen. Umso mehr freut es uns, dass die Zivilschutz-Hubschrauber im gesamten Bundesgebiet bereits so oft unterstützen konnten. Diese Zahl verdeutlicht die enorme Bedeutung der Luftrettung.«

Bild: Rettungshubschrauber Closeup
Auf den Hubschraubern steht Bundesministerium des Innern. Das BBK ist dieser Behörde unterstellt. Archivfoto: Weber

Jubiläumsflug im Jubiläumsjahr

Das Jahr, in dem der 800.000ste Einsatz der Zivilschutz-Luftrettung stattgefunden hat, ist gleichzeitig ein insgesamt bedeutendes Jahr. Die zivile Luftrettung in Deutschland kann auf 50 Jahre Bestehen zurückblicken.

Als Teil des Ganzen verfügt der Bund derzeit über eine Flotte von 18 Zivilschutz-Hubschraubern (ZSH). Sie starten von zwölf Luftrettungszentren in acht Bundesländern aus und leisten einen wichtigen Beitrag für den Bevölkerungsschutz. Der Präsident des BBK, Christoph Unger, hat den Jubiläums-Einsatz zum Anlass genommen, um auf die bedeutende Aufgabe der ZSH im Bevölkerungsschutz aufmerksam zu machen.