Condor-Frachtflüge nach Hannover: Schutzmasken und Fieberscanner aus China

Bild: Condor-Flugzeug
Condor-Flugzeuge wie diese Boeing 767 sind derzeit für Volkswagen im Einsatz. Symbolfoto: Weber

Dienstag 28. April 2020 – Hannover (we). Am Sonntagnachmittag ist einer von mehreren erwarteten besonderen Frachtflügen in Hannover gelandet. An Bord: Fünf Millionen Schutzmasken und Fieberscanner aus China zur Eindämmung der Coronavirus-Krise. »Der Airport ist Teil einer Luftbrücke«, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und fand allerlei lobende Worte für den Volkswagen-Konzern aus Wolfsburg. In dessen Auftrag hatte Condor die in Empfang genommene Boeing 767 zu einem Frachtflugzeug umfunktioniert.

In einer medienwirksamen Aktion hatten sich Althusmann und Vertreter des Autokonzerns anschließend vor dem Flugzeug aufgestellt und posiert. Die unmittelbar darauf folgende Pressemitteilung von VW nennt den offiziellen Hintergrund des Frachtflugs: VW spendet medizinisches Material für Ärzte und Kliniken im Wert von 40 Millionen Euro. An Bord der Maschine vom Sonntag: Fieberscanner, die VW an Bund und Länder weitergeben will, sowie Schutzmasken, die von der Bundesregierung bestellt worden waren.

VW-Motoren für China auf dem Hinflug?

So uneigennützig wie der Autokonzern und das mit 20,2 Prozent daran beteiligte Land Niedersachsen in Person des Wirtschaftsministers es darzustellen versucht, ist die Aktion aber offenbar nicht. Mitarbeitern des Flughafens zufolge werden auf den Hinflügen VW-Motoren für die Werke in China transportiert. Der eigentliche Grund für die Flüge war also anscheinend nicht der Transport von Corona-Schutzausrüstung. Auf dem Rückflug werden nun eben nur Hilfsgüter mitgenommen statt leer nach Deutschland zurückzukehren. In der Pressemitteilung wird das selbstverständlich nicht erwähnt – wohl um den Eindruck zu erwecken, die Flüge seien nur wegen des Schutzmasken-Transports ins Leben gerufen worden. Cleveres Image-Marketing.

Perspektivisch gesehen könnte die Aktion ein strategischer Schachzug sein, um insbesondere bei der Bundesregierung gut dazustehen und die geforderte staatliche Autokauf-Prämie leichter durchzubekommen. Nach dem Motto »eine Hand wäscht die andere«. Zumal man sich fragen mag, warum VW in Zeiten heftiger Umsatzeinbuße gleichzeitig 40 Millionen Euro in die Hand nehmen kann, um sie – wenn auch für den guten Zweck – zu verschenken.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Online Content Marketing tätig. Seit jeher begeisterter Mitflieger in Kleinflugzeug, Hubschrauber, Privatjet & Co.