Coronavirus: Lufthansa stellt China-Flüge ein, Bundeswehr plant Rückholung

Bild: Lufthansa und Luftwaffe
Während die Lufthansa am Boden bleibt, startet die Luftwaffe gezielt nach China. Symbolfotos: Weber

Mittwoch 29. Januar 2020 – Frankfurt / Köln (we). Jetzt geht alles Schlag auf Schlag! Wenige Tage nachdem sich in Deutschland eine rasch zunehmende Ausbreitung des Coronavirus andeutet, hat diese Situation nun auch Auswirkungen auf die Luftfahrt. Während die Lufthansa heute alle Flüge nach China gestrichen hat, bereitet die Luftwaffe der Bundeswehr eine gezielte Rückholaktion aus China vor.

Hintergrund: Bei dem Virus handelt es sich um eine ansteckende Lungenkrankheit. Nach jetzigem Kenntnisstand hat sich das Coronavirus aus der chinesischen 11-Millionen-Stadt Wuhan ausgebreitet, wo es vermutlich durch den Kontakt mit Schlangenfleisch oder dessen Verzehr auf den Menschen übertragen worden ist. Ursprünglich war Fledermausfleisch als ursächlich angenommen worden. Fakt ist: Das Virus hat weltweit bereits weit mehr als 100 Todesopfer gefordert. Inzwischen ist die Zahl der Infizierten bereits nach wenigen Wochen höher als bei der SARS-Pandemie 2002/2003 insgesamt. Auch in Deutschland gibt es mehrere bestätigte Krankheitsfälle.

Anzeige


Lufthansa-Flüge nach China bis 9. Februar gestrichen

Als Reaktion auf die zunehmende Zahl der Viruserkrankungen hat die Lufthansa-Group alle Flüge aufs chinesische Festland bis vorerst 9. Februar gestrichen. Begründet wird dies mit der »Sicherheit für Passagiere und Crew«. Zur Lufthansa-Group gehört nicht nur die Lufthansa selbst, sondern auch noch Swiss und Austrian Airlines. Betroffen sind 54 Flugverbindungen der genannten Airlines von Deutschland, der Schweiz und Österreich Richtung chinesisches Festland. Ziel-Destinationen sind Nangjing, Peking, Shanghai, Shenyang und Qingdao. Die wöchentlich 19 Flugverbindungen nach Hongkong sind ausdrücklich nicht betroffen.

Interessant: Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines wollen die gestrichenen Ziele in China jeweils noch einmal anfliegen. »Damit wollen wir unseren Gästen die Möglichkeit geben, ihren geplanten Flug wahrzunehmen sowie unseren Crews nach Deutschland, in die Schweiz und Österreich zurückzukehren«, heißt es in einer Pressemitteilung der Lufthansa-Group. Und weiter: »Für betroffene Passagiere mit einem vor/am 23. Januar ausgestellten Ticket für einen Flug von/nach Festland China zwischen dem 24. Januar und dem 29. Februar besteht die Möglichkeit, einmalig kostenfrei auf einen Flug auf der ursprünglichen Strecke umzubuchen oder die Reise zu stornieren«. Dies gelte für Tickets von Lufthansa, Swiss oder Austrian Airlines und Flügen mit einer LH-, LX- oder OS-Flugnummer.

Bundeswehr will Deutsche aus Wuhan zurückholen

Während sich die Airlines vorübergehend aus China zurückziehen, bereitet die Luftwaffe der Bundeswehr eine Rückholaktion vor. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist der Start eines Flugzeugs der Luftwaffe von heute Mittag auf Freitagmittag, 12.45 Uhr verschoben worden – offenbar, weil dem Auswärtigen Amt noch keine Erlaubnis der chinesischen Behörden vorliegt, die abgeriegelte Stadt Wuhan mit einer Bundeswehr-Maschine anzufliegen. Die Lage scheint insgesamt etwas undurchsichtig, offenbar ist auch das Chartern eines Lufthansa-Flugzeugs als Alternative im Gespräch.

Um wie viele deutsche Rückkehrer es sich handelt, ist ebenso unklar. Angaben der EU-Kommission zufolge wollen rund 600 EU-Bürger aus der Region Wuhan ausreisen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird in mehreren Medien mit der Aussage zitiert, es hätten sich etwa 100 Deutsche gemeldet, die aus der Krisenregion nach Hause möchten. Fest steht allerdings: Es werden nur Personen zurückgeholt, die nicht bereits erkrankt sind. Die letzte Rückholung deutscher Staatsbürger hatte die Luftwaffe im April durchgeführt. Seinerzeit waren nach einem Busunglück auf Madeira (Spanien) 15 Verletzte in einem speziellen MRTT-Transportflugzeug nach Deutschland ausgeflogen worden.

Start und Verlauf der Rückholaktion abhängig von China

Zur aktuellen Mission halten sich die deutschen Behörden selbst mit Informationen auffallend bedeckt – Medien wie Spiegel, WDR und Tagesschau berufen sich auf Insider-Quellen. Geplant ist demnach, nach erfolgter Genehmigung der chinesischen Regierung den Hinflug über Shanghai in die Region Wuhan zu starten, dort nicht-erkrankte Deutsche aufzunehmen und nach Frankfurt zurückzufliegen. Dort soll dann dennoch das Tropeninstitut übernehmen und die Passagiere vorerst in Quarantäne unterbringen.

air2air.de behält die Situation im Blick und informiert laufend weiter über den aktuellen Stand der Entwicklungen.


Update 31. Januar, 12 Uhr: Die Rückholaktion läuft an! Vor wenigen Minuten ist ein Transportflugzeug der Luftwaffe (Airbus A310 304 »Kurt Schumacher«, Kennung 10+23, Mode-S-ICAO-HEX 3F8517, Flugnummer GAF213) vom Flughafen Köln in Richtung China gestartet. Der Airbus wird etwa 100 Deutsche aus Wuhan abholen, nachdem inzwischen die Genehmigung der chinesischen Behörden erteilt worden ist. Geplant ist ein rund zwölf Stunden langer Hinflug mit mehreren Tankstopps.

Update 31. Januar, 23 Uhr*: Das Flugzeug der Luftwaffe ist vor rund 30 Minuten nach einem Direktflug ohne Zwischenstopp in Wuhan gelandet. Der erste Teil dessen, was die Bundeswehr offiziell »Luftabholung« nennt, ist damit erfolgreich abgeschlossen.

Update 1. Februar, 12.30 Uhr*: Der Kurt-Schumacher-Airbus ist kurz vor 2.30 Uhr deutscher Zeit (9.30 Uhr Ortszeit in Wuhan) erneut mit der Flugnummer GAF213 gestartet und gegen 12.30 Uhr für einen Tankstopp in Helsinki zwischengelandet. Dem vorangegangen war ein diplomatischer Eklat. Nachdem Russland eine zuvor in Aussicht gestellte Landegenehmigung zurückgezogen hatte, musste die Maschine den Ausweichflughafen in Norwegen anfliegen. Ursprpünglich hätte der Tankstopp in Moskau stattfinden sollen – auch eine Wechsel-Crew war für die Übernahme des Flugzeugs war bereits nach Moskau eingeflogen worden.

Update 1. Februar, 14.30 Uhr*: Gegen 14 Uhr deutscher Zeit ist die Maschine wieder in Helsinki abgehoben, fliegt nun mittig zwischen Stockholm und Tallinn über die Baltische See. Die Landung in Frankfurt wird für 16.45 Uhr erwartet. Unmittelbar nach dem Transportflugzeug ist auch eine Luftwaffe Bombardier Global 6000 (Kennung 14+05, Mode-S-ICAO-HEX 3E95CA, Flugnummer GAF630) in Richtung Deutschland gestartet, die in der vergangenen Nacht die Ersatz-Wechsel-Crew von Köln nach Helsinki geflogen hat. Die Maschine fliegt nun parallel zurück nach Köln.

Update 1. Februar, 16.45 Uhr: Flug GAF630 von Helsinki nach Köln ist soeben (16.29 Uhr) auf der Landebahn 24 des Flughafen Köln-Bonn gelandet, Flug GAF213 mit den Rückkehrern aus Wuhan nur wenige Minuten später (16.38 Uhr) auf der Landebahn 25C am Flughafen Frankfurt. Ebenfalls in Frankfurt eingetroffen (15.44 Uhr, RWY 25L): Eine Luftwaffe Bombardier Global 5000 (Kennung 14+03, Mode-S-ICAO-HEX 3F6533, Flugnummer GAF624) aus Berlin-Tegel.

Update 2. Februar, 8 Uhr: Die Wuhan-Rückkehrer sind inzwischen in der Quarantäne-Station angekommen und sollen dort zwei Wochen verbleiben. Die Luftwaffe meldet, ihre Crew-Mitglieder hätten sich während der Rückholaktion nicht mit dem Virus infiziert.

*) deutsche Zeit

Grafik: Trennstrich