Defizite durch Corona – Millionen-Bürgschaften für den Flughafen Hannover?

Bild: Hannover Airport
Ohne Millionen-Bürgschaften beginnen offenbar stürmische Zeiten für den Hannover Airport. Symbolfoto: Weber

Dienstag 3. November 2020 – Hannover (we). Es wird eng für den Flughafen Hannover. Offenbar ist die Flughafengesellschaft des HAJ inzwischen durch die Corona-Krise so gebeutelt, dass dringend neue Millionen-Kredite aufgenommen werden müssen, um den Flughafen am Leben zu erhalten. Jetzt sollen drei Anteilseigner mit Bürgschaften einspringen.

Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) soll der Schuldenberg der Flughafengesellschaft inzwischen auf rund 200 Millionen Euro angewachsen sein. Das Unternehmen benötigt nun offenbar dringend 60 Millionen Euro frische Finanzmittel. Als Bürgen für den Kredit sind neben einem privaten Investor auch zwei aus öffentlicher Hand im Gespräch.

160 Millionen Euro für Flughafen und Messe

Kritisch: Neben dem Flughafen kämpft offenbar auch die Deutsche Messe AG mit hohen Defiziten durch die Corona-Krise. Für sie sind Bürgschaften in Höhe von weiteren 100 Millionen Euro im Gespräch. Aus dem entsprechenden HAZ-Artikel geht hervor, dass die Lage sehr ernst ist und die Zeit drängt. »Wenn das Geld nicht fließt, gehen beide Unternehmen pleite«, wird ein namentlich nicht genanntes Ratsmitglied der Stadt Hannover zitiert.

Konkret sollen nun große Anteilseigner mit Bürgschaften einspringen, um den Unternehmen durch die Corona-Krise zu helfen. Für den 60-Millionen-Kredit für den Flughafen Hannover soll unter anderem die Stadt Hannover geradestehen. Sie soll für 21 Millionen Euro bürgen, das Land Niedersachsen nochmals für diesen Betrag. Für die Rückzahlung der restlichen 18 Millionen Euro verbürgt sich der private Investor Icon Infrastructure. So der Plan.

BürgschaftBetrag
Stadt Hannover21.000.000 €
Land Niedersachsen21.000.000 €
Icon Infrastructure18.000.000 €
Summe60.000.000 €

Bürgschaften bedürfen noch der Zustimmung

Fakt ist allerdings: Die Entscheidung für die Bürgschaften sind noch nicht gefallen. Die städtische Bürgschaft muss durch den Rat genehmigt werden. Die Fraktionen würden den Bürgschaften wohl zustimmen, heißt es im HAZ-Artikel, »jedoch mit Bauchschmerzen«. Die Entscheidung des Stadtrates, im Ernstfall für eine Kreditsumme über 21 Millionen Euro geradezustehen, wird voraussichtlich noch im November fallen. Die Landes-Bürgschaft wiederum muss zunächst aus rechtlichen Gründen eine Wirtschaftsprüfung durchlaufen.

Das Risiko ist klar: Überleben die beiden Unternehmen die Corona-Krise nicht und werden in den kommenden Monaten trotz der Finanzspritzen insolvent, holt sich der Kreditgeber das Geld von den Bürgen zurück. Stadt Hannover und Land Niedersachsen blieben dann allein für den Flughafen auf 42 Millionen Euro sitzen, die letztlich der Steuerzahler begleichen müsste.