Stadtrat will Flugplatz Lüneburg schließen – Update: Nun gibt es einen Bürgerentscheid!

Bild: Feuerwehrflugdienst Niedersachsen Cessna 206 D-EFVP
Auch der Feuerwehrflugdienst Niedersachsen wird wohl eines seiner Flugzeuge abziehen müssen. Symbolfoto: Weber

Freitag 30. August 2019 – Lüneburg (we). Der Flugplatz Lüneburg wird dauerhaft geschlossen. Was an sich bereits seit einigen Monaten bekannt ist, hat nun der Stadtrat nochmal gegenüber dem NDR bestätigt. In der Zwischenzeit hatte der ansässige Luftsportverein Lüneburg e. V. annähernd 10.000 Unterschriften gesammelt und versucht, den Pachtvertrag mit der Stadt so wenigstens bis zur Kommunalwahl 2021 zu verlängern. Jedoch ohne Erfolg.

Damit steht fest: Es gibt keine Galgenfrist. Spätestens Ende Oktober 2020 werden am Flugplatz Lüneburg die Flugzeuge zum letzten Mal abheben dürfen. Dem Versuch, die Schließung abzuwenden war offenbar ein jahrelanger Zwist zwischen Politik und dem Verein vorausgegangen. Die Stadt Lüneburg will auf dem Gelände ein Gewerbegebiet einrichten und untermauert die Entscheidung nun unter anderem mit Sicherheitsbedenken.

Flugzeugkollision als Argument

Ungünstig für den Verein: Die Kollision zweier Segelflugzeuge vor wenigen Wochen spielt dem Stadtrat Lüneburg und insbesondere Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) argumentativ in die Karten. Bei dem Zwischenfall Mitte Juli hatten sich die Flugzeuge über bewohntem Gebiet in der Luft berührt. Ein Pilot konnte unverletzt landen, der andere war aus dem Segelflugzeug ausgestiegen und am Rettungsfallschirm zu Boden gegangen. Das Flugzeug war in den Garten eines Anwohners gestürzt.

Unmittelbar nach diesem Vorfall hatte Mägde – der bereits seit 1991 Oberbürgermeister von Lüneburg ist – medienwirksam erklärt, die Luftfahrtbehörde auffordern zu wollen, den Flugbetrieb von Segel- und Motorflugzeugen über bewohntem Gebiet zu verbieten. Und das »möglichst mit sofortiger Wirkung«. Zwar sind Starts und Landungen bis heute nicht behördlich untersagt, die Stimmung dürfte dennoch auf beiden Seiten angespannt sein.

Feuerwehrflugdienst Niedersachsen betroffen

Ebenfalls von der Schließung des Flugplatzes Lüneburg betroffen: Der Feuerwehrflugdienst Niedersachsen. Eines von zwei Flugzeugen, das der Verband zur Waldbrand-Beobachtung und -Früherkennung einsetzt, war bislang in Lüneburg stationiert. Welchem Stützpunkt es Ende 2020 zugewiesen werden kann und was das für einsatztaktische Konsequenzen haben könnte, ist ungewiss.

Update: Bürgerentscheid am 14. Juni 2020 genehmigt!

Gibt es doch noch Hoffnung für den Flugplatz Lüneburg? Nachdem die Nachricht zur Schließung des Flugplatzes die Runde gemacht hatte, hatte sich der Luftsportverein Lüneburg e. V. mit mehr als 11.762 Unterschriften aus der Bevölkerung für einen Bürgerentscheid stark gemacht – der nun tatsächlich genehmigt wurde. Das bedeutet: Die Wähler entscheiden demokratisch, ob sie den Flugplatz Lüneburg behalten oder schließen lassen wollen. Die offizielle Fragestellung für den Bürgerentscheid am 14. Juni 2020 lautet: »Soll die Hansestadt Lüneburg mit dem Luftsportverein Lüneburg e.V. einen Vertrag über den Weiterbetrieb des Flugplatzes Lüneburg über den 31.10.2020 hinaus für 15 Jahre abschließen?«

Hinweis: Bis zum o. a. Update trug dieser Artikel die Überschrift »Flugplatz Lüneburg wird geschlossen – ohne Galgenfrist«. Nachdem die Schließung vom Stadtrat praktisch als unumstößlich feststehende Tatsache kommuniziert worden war, musste davon ausgegangen werden, dass es definitiv keine letzte Chance mehr geben würde – wie nun in Form des Bürgerentscheids.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Online Content Marketing tätig. Seit jeher begeisterter Mitflieger in Kleinflugzeug, Hubschrauber, Privatjet & Co.