Hobby-Drohnen bringen Verkehr am Flughafen Frankfurt durcheinander

Bild: Polizei-Streifenwagen im Einsatz
Polizei-Streifenwagen im Einsatz. Symbolfoto: Weber

Montag 2. März 2020 – Frankfurt (we). Gemeingefährliche Aktion am Flughafen Frankfurt! Dort haben den Tag über offenbar gleich mehrfach Unbekannte mit einer Drohne bzw. einem Multicopter herumgespielt und damit den Flugverkehr empfindlich gestört. Ein Mal am Vormittag, ein Mal am Nachmittag. Kaum zu glauben: Der oder die Täter konnten letztlich nicht ermittelt werden, der Schaden geht vermutlich in die Hunderttausende.

Bitterer Wochenstart für die Fluggäste: Insgesamt mussten wegen der Drohnen-Sichtungen am Flughafen Frankfurt 72 Flüge gestrichen und 57 umgeleitet werden. Betroffen waren nach Angaben der Bundespolizei rund 9.700 Reisende. Mit dieser Bilanz handelt es sich bei dem Zwischenfall zweifelsohne um einen der weitreichendsten in Sachen »Gefährlicher Einsatz von Drohnen am Flughafen«.

Beispiellose Auswirkungen auf den Flugverkehr

Rückblick: Erstmals war gegen Mittag eine Drohne am Flughafen Frankfurt gesichtet worden, so berichtet die Bundespolizei. Und: Obwohl deshalb der Luftraum zwischen 11.23 Uhr und 13 Uhr von der Deutschen Flugsicherung (DFS) gesperrt wurde und neben zahlreichen weiteren Einsatzkräften auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz war, konnte in diesen 97 Minuten weder die Drohne noch deren Operator ausgemacht werden. Wie lange die Drohne letztlich tatsächlich illegal umherflog, ist unklar.

Fakt ist nur: Nachdem bereits die erste Sichtung zahlreiche Umleitungen und Flugstreichungen nach sich gezogen hatte, wurde wenige Stunden später erneut eine Drohne im Flughafenbereich gesichtet! Die Folge: Wiedereinstellung des Flugverkehrs zwischen 15.10 und 16.04 Uhr. Und: Auch diesmal konnte kein Verantwortlicher ermittelt werden. Auf dem enormen finanziellen Schaden werden Airlines und die Flughafengesellschaft Fraport deshalb sehr wahrscheinlich sitzenbleiben. Die Auswirkungen waren mitunter deshalb so weitreichend, weil es sich beim Flughafen Frankfurt um den größten deutschen Flughafen handelt (mehr als 70 Millionen Passagiere im vergangenen Jahr) und weil der Flugverkehr gleich zwei Mal an einem Tag eingestellt werden musste.

Drohnen eine Gefahr für die Luftfahrt?

Hintergrund: Immer wieder steuern Hobby-Drohnenpiloten ihre Geräte (meist Foto-Multicopter) in den Sicherheitsbereich, müssen Flüge deshalb umgeleitet oder gestrichen werden. Während rechtlich gesehen bei nächtlichen Laserpointer-Attacken auf Flugzeuge und Hubschrauber von Vorsatz ausgegangen werden kann, handelt es sich hierbei möglicherweise um grobe Fahrlässigkeit, also schlicht Dummheit.

Laien mögen sich nun dennoch denken »Was soll denn eigentlich dieser Aufriss wegen so eines kleinen Teils?«. Die Antwort ist einfach: Es ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko, wenn ein solches Gerät unkontrolliert umherfliegt! Auch ein wenige hundert Gramm schwerer Multicopter kann enormen Schaden anrichten, wenn die Randbedingungen ungünstig sind. Kollidiert die Drohne mit dem Rumpf eines an- oder abfliegenden Flugzeugs, werden die Auswirkungen wahrscheinlich kaum spürbar sein. Gerät das Teil jedoch in ein Triebwerk des Flugzeugs, beginnt es im schlimmsten Fall zu brennen. Daraus kann dann nicht nur eine Luftnotlage resultieren, sondern der Absturz einer Passagiermaschine mit hunderten Todesopfern.


Der aktuelle Einsatzbericht der Bundespolizeidirektion Flughafen Frankfurt am Main im Wortlaut:

»Heute, zwischen 11:23 Uhr und 13 Uhr, sowie zwischen 15:10 Uhr und 16:04 Uhr, veranlassten erneut mehrere Drohnensichtungen die Deutsche Flugsicherung dazu, keine Freigaben für Starts und Landungen am Flughafen Frankfurt am Main zu erteilen.

Bundes- und Landespolizei waren mit zahlreichen Kräften zur Aufklärung und Gefahrenabwehr im Einsatz. Unterstützt wurde der Einsatz auch von einem Polizeihubschrauber des Landes Hessen. Darüber hinaus waren Sicherheitsmitarbeiter des Flughafenbetreibers ebenfalls flankierend im Einsatz.

Trotz sofort eingeleiteter umfangreicher Fahndungs- und Aufklärungsmaßnahmen konnten die Verursacher und die gesichtete Drohne bisher nicht festgestellt werden. Durch die notwendige Unterbrechung des Flugbetriebes kam es in Teilen zu erheblichen Einschränkungen auf dem Flughafen Frankfurt und im Flugverkehr.

Nach Angaben des Flughafenbetreibers mussten aufgrund des Vorfalls 57 Flüge umgeleitet und 72 Flüge annulliert werden. Ungefähr 9.700 Fluggäste sind davon betroffen gewesen.

Die Ermittlungen zu den genauen Umständen dauern an. Ein entsprechendes Strafverfahren gegen Unbekannt wurde durch die Polizeidirektion Flughafen Frankfurt am Main wegen des Verdachts des Gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr eingeleitet.

Zudem müssen die Verursacher mit erheblichen zivilrechtlichen Schadensersatzforderungen rechnen.«

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