Luftfahrt-Jahresrückblick 2019 für Deutschland

Bild: Silvester-Feuerwerk in Hameln
Silvester-Feuerwerk von oben: Jahreswechsel in Hameln aus der Vogelperspektive. Foto: Weber

Dienstag 31. Dezember 2019 – Hannover (we). Das Luftfahrt-Jahr 2019 in Deutschland war im wesentlichen geprägt von Negativ-Ereignissen. Germania-Pleite, A380-Aus, 737-Max-Flugverbot, Eurofighter-Absturz – um nur einige Stichwörter zu nennen. Es gab aber auch die ein oder andere Geschichte zum Schmunzeln. Auf Bundesebene und mit regionalem Bezug zu Niedersachsen.

Nachfolgend die wichtigsten, bedeutendsten Nachrichten und Schlagzeilen, die in diesem Jahr auf air2air.de erschienen sind – mit teils noch nicht bekannten Update-Informationen.

Ereignisse in chronologischer Reihenfolge

Besonders kuriose Dinge, die keines weiteren Begleittextes bedürfen, lesen Sie am Ende dieses Artikels (Zum Inhalt springen).


Das Ende der Tante Ju

Bild: Lufthansa Ju 52
Die Tante Ju an der Abschleppstange. Archivfoto: Weber
Das Jahr begann für Freunde der Luftfahrt mit einer Hiobsbotschaft. Mitte Januar war bekannt geworden, dass die Lufthansa die Finanzierung des Oldtimer-Flugzeugs D-CDLH (D-AQUI) nicht weiter fortführen will (►Zum Artikel). Im April wurde die historische Junkers Ju-52 schließlich in mehreren größeren Teilen per Tieflader vom Flughafen München in einen Hangar nach Hamburg transportiert (►Zum Artikel).

Wenige Wochen später hatte die Lufthansa bekanntgegeben, die Maschine in einem Museum unterstellen zu wollen. Bis dahin solle die »Tante Ju« in Hamburg untergestellt bleiben (►Zum Artikel). Mitte September wiederum wurde die D-AQUI in eine Lagerhalle nach Bremen gebracht, wo Rumpf, Tragflächen und Heck offenbar bis heute ziemlich trostlos ihr Dasein fristen. Über den Zeitplan der Museums-Idee ist bis dato nichts weiter bekannt.


Die Germania-Pleite

In der Nacht zum 5. Februar 2019 hatte die deutsche Fluggesellschaft Germania Insolvenz angemeldet – während in den Wochen zuvor immer wieder beschwichtigt und nach potentiellen Investoren gesucht worden war. Zum Stichtag war die 1986 gegründete Airline pleite (►Zum Artikel).


Airbus verkündet A380-Aus

Bild: Airbus A380 Emirates A6-EOB
Emirates war der mit Abstand größte A380-Abnehmer. Symbolfoto: Weber
Was Luftfahrt-Experten schon seit längerem vermutet hatten, wurde ebenfalls im Februar von Airbus bestätigt: Die Produktion des Airbus A380 wird eingestellt. Die letzte Maschine des Typs soll voraussichtlich 2021 ausgeliefert werden.

Die Meldung kam, nachdem das Riesen-Flugzeug bei den Fluggesellschaften nie wirklich effizient eingesetzt werden konnte, Sitzplätze frei blieben und zuletzt Aufträge storniert (Qantas) und Volumen reduziert (Emirates) worden waren. Ungünstig: Der Wettbewerb war offenbar nicht zuletzt auch hausgemacht. Mit den Modellen A330-900 und A350-900 können ebenfalls ausreichend viele Passagiere befördert werden, allerdings zu deutlich niedrigeren Betriebskosten (►Zum Artikel).


Transall für den Flughafen Hannover

Bild: Transall 50+29 in Wunstorf
Eine solche Transall ist künftig am Flughafen Hannover abgestellt. Symbolfoto: Weber
Da staunten Planespotter und Passagiere nicht schlecht: Am 5. März 2019 waren zwei Transall-Flugzeuge der Bundeswehr am Flughafen Hannover eingeschwebt und eine Maschine vor Ort zurückgeblieben. Die Folge: Heftigste Spekulationen.

Was in Foren und Sozialen Medien eifrig diskutiert wurde, konnte air2air.de als erstes Medium schnell und exklusiv aufklären (Scoop). Wie eine Sprecherin des Flughafens bestätigte, soll das ausgemusterte Flugzeug der Flughafenfeuerwehr als Trainings-Flugzeug am Boden dienen und für die Ausbildung von Einsatzkräften herangezogen werden. Fliegen wird die Maschine allerdings nicht mehr (►Zum Artikel).


Flugverbot für Boeing 737-Max

Ein Katastrophen-Jahr für Boeing: Nach zwei fatalen Flugzeugabstürzen des Musters Boeing 737 Max 8 in Indonesien und Äthiopien haben zahlreiche Länder weltweit ein Flugverbot verhängt, darunter auch Deutschland (►Zum Artikel). Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte der Hersteller offenbar aus Zeitdruck bei der Software-Programmierung geschlampt. Zudem war die komplette Konstruktion ungünstig angelegt – insbesondere im Hinblick auf Tragflächen- und Triebwerksanordnung. Die Summe dieser Unzulänglichkeiten hatte in Kombination mit vergleichsweise unerfahrenen Piloten zu den Abstürzen geführt, bei denen insgesamt 346 Menschen starben.

In Deutschland besonders vom Flugverbot betroffen: Die Urlaubsfluggesellschaft Tuifly. Vor dem Flugverbot hatte sie bis zuletzt am Flugzeugmodell festgehalten (►Zum Artikel), wollte nur wenige Tage nach Bekanntwerden des Groundings die ersten neuen Modelle (beginnend mit der D-AMAX) in Dienst stellen und damit Urlauber auf die Kanarischen Inseln fliegen.


Verschollenes Kleinflugzeug

Ein gleichermaßen bedrückender wie rätselhafter Flugunfall hat sich Mitte Mai in der Nähe von Wilhelmshaven ereignet. Auf dem Flug von Wangerooge nach Hannover war die privat gecharterte Cirrus SR20 bei Hooksiel von den Radaren verschwunden. Das Schicksal der beiden Insassen aus Hannover konnte bis heute nicht geklärt, das Hauptwrack trotz intensiver Suche der Wasserschutzpolizei bis in den Folgemonat hinein nicht gefunden werden. Nach Erkenntnissen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hatte ein Zeuge das Kleinflugzeug direkt in ein Gewitter einfliegen sehen (BFU-Bulletin 1905, Az. BFU19-0534-3X). ►Zum Artikel


Microsoft kündigt neuen Flugsimulator an

Screenshot: Microsoft Flight Simulator 2020
Der FSX-Nachfolger Microsoft Flight Simulator 2020. Screenshot: Microsoft/Weber
Sensationsmeldung in der Flugsimulator-Szene: Microsoft hat im Juni 2019 den Nachfolger seines beliebten Flugsimulators »Flight Simulator X« (FSX) angekündigt. Schon 2020 soll der Microsoft Flight Simulator 2020 (MSFS2020) veröffentlicht werden.

Das Besondere: Statt wie bisher üblich kommt es weniger auf eine lokale Performance des Computers (also das Vorhandensein eines Highend-Rechners) an, sondern viel mehr auf eine stabile Internetverbindung mit möglichst großer Bandbreite. Das Programm läuft allerdings auch offline, dann können jedoch nicht alle Szeneriedaten in vollem Umfang abgerufen werden. Über den Entwicklungsstand des MSFS halten sowohl die Microsoft Studios als auch air2air.de auf dem laufenden: ►Zum Artikel


Eurofighter-Kollision bei Malchow

Schwarzer Tag in der Geschichte der Luftwaffe: Am 24. Juni 2019 waren über Mecklenburg-Vorpommern zwei Eurofighter kollidiert und anschließend zu Boden gestürzt. Während sich der Fluglehrer mit dem Fallschirm retten konnte und in einer Baumkrone landete, kam ein 27 Jahre alter Kampfpilot bei dem Unfall ums Leben (►Zum Artikel).

Insbesondere wegen der ohnehin angespannten Lage in Sachen Luftfahrzeuge bei der Bundeswehr (eingeschränkt Einsatzbereitschaft) hatte es teils kontroverse Diskussionen gegeben. Die Medienberichterstattung, die zeitlich ins sogenannte Sommerloch fiel, wurde von der Luftwaffe heftig kritisiert (►Zum Artikel).


Absturz von Bundeswehrhubschrauber

Nur eine Woche nach der Eurofighter-Kollision der nächste Schock für die deutschen Streitkräfte. Bei einem Trainingsflug in Aerzen-Dehmke (bei Hameln) war ein EC-135-Hubschrauber aus dem Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg abgestürzt. Eine 25 Jahre alte Flugschülerin war dabei ums Leben gekommen (►Zum Artikel).


Notlandung auf Radweg

Fliegerisches Können at it’s best: In der Nähe von Holzminden hat ein 59 Jahre alter Pilot sein Ultraleichtflugzeug auf einem Radweg notgelandet, nachdem er von einem Triebwerksausfall überrascht worden war. Nach der erfolgreichen Landung hatte der Mann gemeinsam mit seinem Mitflieger das Flugzeug vom Radweg auf eine Feldwegeinbiegung gezogen, um Radfahrern nicht den Weg zu blockieren.

Die alarmierte Feuerwehr musste vor Ort nicht tätig werden und auch bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) wird das Ereignis nicht geführt. Anschließend war die BOT Aircraft SC07 Speed Cruiser teilzerlegt und per Anhänger abtransportiert worden. 100 Prozent Happy End (►Zum Artikel).


Die Thomas-Cook-Pleite

Bild: Thomas Cook Flugzeug
Der Thomas-Cook-Konzern ist pleite. Symbolfoto: Weber
Schock für die Touristikbranche: Im September hatte der weltweit aktive Thomas-Cook-Konzern Insolvenz angemeldet. Die Folge: Große Verunsicherung bei mehr als 21.000 Beschäftigten und 600.000 Urlaubern.

Weil insbesondere zahlreiche britische Landsleute an den Urlaubsorten festsaßen, hatte die britische Regierung anschließend mit der »Operation Matterhorn« die größte Rückholaktion aller Zeiten gestartet (►Zum Artikel). Lange Zeit herrschte auch Unklarheit über den Fortbestand der Tochterfirma Condor, das Unternehmen konnte jedoch mit einer staatlichen Finanzspritze bis heute gerettet werden (►Zum Artikel).

Nachdem auch darüber Unklarheit herrschte, ist seit Dezember zudem klar: Alle deutschen Urlauber, die ihren Urlaub zwar bezahlt hatten, aber wegen der Pleite gar nicht erst antreten konnten, sollen finanziell entschädigt werden.


Tornado-Kampfjet verliert Zusatztanks

Heftige Panne bei einem Tornado-Trainingsflug der Luftwaffe: Einer der zwei beteiligten Kampfjets hatte in der Nähe von Lübeck seine Zusatztanks »verloren«. Die leeren Tanks waren aus einer Höhe von etwa 6 Kilometern zu Boden gestürzt und auf einem Acker in vergleichsweise dünn besiedeltem Gebiet eingeschlagen (►Zum Artikel).

Wie sich im Nachhinein herausstellte, war die Ursache für den gemeingefährlichen Zwischenfall menschliches Versagen. Offenbar hatte der Pilot schlicht den falschen Knopf im Cockpit bedient (►Zum Artikel).


Segelflugzeug in Baumkrone

Luftbild Porta Westfalica
Hausberge in Porta Westfalica. Archivfoto: Weber
Kurioser Flugunfall bei Porta Westfalica: Dort war im Oktober ein Segelflugzeug »im Anflug zu einer Außenlandung« (BFU-Bulletin Oktober 2019) in einer Baumkrone hängengeblieben (►Zum Artikel). Nicht nur, dass die beiden Insassen des Doppelsitzers anschließend bis zu ihrer Rettung stundenlang im Baum hängend ausharren mussten, auch die Bergung des Segelflugzeugs gestaltete sich kompliziert.

Weil der Verein keine Vollkaskoversicherung für das Segelflugzeug abgeschlossen hatte und somit selbst für die Bergungskosten aufkommen musste, wurden Luftfahrt-Interessierte und Freunde des Vereins um Spenden gebeten. Bis zur Bergung des Flugzeugs mittels Autokran waren bereits 4.000 Euro zusammengekommen (►Zum Artikel).


Stadt Hameln verliert Prozess gegen Bundeswehr

Nach einer knapp ein Jahr andauernden Gerichts-Posse hat die Stadt Hameln in letzter Instanz einen Prozess gegen die Bundeswehr verloren (►Zum Artikel). Die Behörde hatte das Aufstellen mehrerer sogenannter Windräder im Tiefflugkorridor der Bundeswehr genehmigt und sich über die Entscheidung der übergeordneten Luftfahrtbehörde hinweggesetzt.

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Kurioses im Kurzüberblick

Neben besonders wichtigen und sachlichen Nachrichtenmeldungen aus der Luftfahrt gab es auch im vergangenen Jahr den ein oder anderen Schmunzler. Anbei eine Kurzübersicht:

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air2air.de wünscht allen Lesern einen angenehmen Jahreswechsel und ein erfolgreiches neues Jahr 2020. Schauen Sie mal wieder vorbei!