Luftfahrt-Jahresrückblick 2020 für Deutschland

Bild: Silvester-Feuerwerk in Hameln
Silvester-Feuerwerk von oben: Jahreswechsel in Hameln aus der Vogelperspektive. Foto: Weber

Donnerstag 31. Dezember 2020 – Hannover (we). Das Jahr 2020 war spätestens seit März dauerhaft und allumfassend von der Coronavirus-Krise geprägt. Auch auf die Luftfahrt hatte das Virus erheblichen Einfluss.

Ein Großteil der Nachrichten stand im Zusammenhang mit der Situation, mit Lockdowns, Flugstreichungen und Hygieneregeln. Nachfolgend die wichtigsten, bedeutendsten Schlagzeilen, die in diesem Jahr auf air2air.de erschienen sind – mit teils noch nicht bekannten Update-Informationen.

Ereignisse in chronologischer Reihenfolge

Besonders kuriose Dinge, die keines weiteren Begleittextes bedürfen, lesen Sie am Ende dieses Artikels (Zum Inhalt springen).


Der Beginn des ersten Corona-Jahres

Bild: Lufthansa und Luftwaffe
Lufthansa und Luftwaffe in der Corona-Krise
Nachdem bereits Ende 2019 das Coronavirus aus Wuhan in den Medien gewesen war und seinerzeit noch wenig bedrohlich auf den Rest der Welt gewirkt hatte, gab es im Januar 2020 die ersten nachgewiesenen Fälle in Deutschland. Lufthansa und Luftwaffe reagierten Ende Januar mit bemerkenswerten Maßnahmen.

Während die Passagier-Airline ihre China-Flüge komplett eingestellt hatte, war die Bundeswehr zur Rückholung von Deutschen aus China ausgerückt. (►Zum Artikel). Beim Start der äußerst ungewöhnlichen Rückholaktion am 31. Januar waren weltweit rund 100 Menschen an dem Virus gestorben. Stand heute sind es offiziell mehr als 1,8 Millionen COVID-Todesfälle weltweit, davon gut 33.000 in Deutschland.


Die Flybe-Pleite

Eines der ersten wirtschaftlichen Opfer der Corona-Krise war die britische Regionalfluggesellschaft Flybe. Nachdem das Unternehmen offenbar bereits vorher angeschlagen war, wurde Anfang März der Flugbetrieb kurzerhand über Nacht eingestellt. Zuvor war Flybe an fünf deutschen Flughäfen aktiv gewesen, darunter am Flughafen Hannover. (►Zum Artikel).


Luftfahrt-Messen abgesagt

Schwerer Schock für die Luftfahrt-Branche: Mit Beginn des ersten Lockdowns Mitte März waren bedeutende Luftfahrt-Messen in Deutschland abgesagt worden. Darunter die weltweit bedeutende Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA 2020 und die Aero Friedrichshafen (►Zum Artikel). Angesichts des aktuellen zweiten Lockdowns und der dennoch rasant zunehmenden Fall- und Todeszahlen ist es unwahrscheinlich, ob die Alternativ-Termine in 2021 eingehalten werden können.


Flugplätze müssen schließen

Wegen der Schutzverordnungen gegen das Coronavirus hatten ebenfalls Ende März zahlreiche Flugplätze schließen müssen. In Zeiten des Föderalismus waren davon nicht alle Bundesländer gleichermaßen betroffen, allerdings ein Großteil – darunter Niedersachsen. Weil das Land Niedersachsen in seiner »Corona-Verordnung« den Betrieb von Sportstätten untersagt hatte, wurden insbesondere Segelflugplätze, die von Luftsportvereinen geführt werden, geschlossen gehalten. An anderen Flugplätzen war Flugbetrieb möglich, allerdings mit Einschränkungen wie PPR (►Zum Artikel).


Flughäfen ausgestorben

Bild: TUI-Flugzeuge Hannover
Eingemottete TUI-Flugzeuge
Ende März bietet sich ein trostloses Bild an nahezu allen deutschen Flughäfen. Airlines haben die Urlaubsflüge eingestellt, in den sonst so belebten Terminals ist oft keine Menschenseele, Flugzeuge werden reihenweise eingemottet. Auch am Flughafen Hannover bot sich dieses Bild.

Inmitten des ersten Corona-Lockdowns zeigten die Anzeigetafeln praktisch nichts mehr an, wurden Rolltreppen ausgeschaltet, Parkhäuser geschlossen. Vor allem Tuifly hatte Dutzende Flugzeuge am Flughafen Hannover abgestellt und eingemottet. Maschinen, die sonst um diese Zeit auf die Kanaren oder in andere Urlaubsgebiete geflogen wären, standen wochenlang nutzlos herum (►Zum Artikel).


Aus für Germanwings

Anfang April die nächste Hiobsbotschaft: Die Lufthansa-Group stampft ihre Tochtergesellschaft Germanwings ein. Im Rahmen eines Coronavirus-bedingten »Restrukturierungspakets« sollen außerdem zahlreiche Flugzeuge ausgeflottet oder stillgelegt werden. Mitarbeitern, die vom Germanwings-Aus oder der Flottenverkleinerung betroffen sind, hatte Lufthansa Arbeitsplätze anderswo im Konzern in Aussicht gestellt (►Zum Artikel).


Lufthansa verliert 1 Million Euro pro Stunde

1.000.000 Euro pro Stunde: Diese erschreckende Zahl zeigt, welchen Einfluss der Umgang mit der Corona-Krise auf die Wirtschaft hat. Lufthansa hatte Anfang April ermittelt, wie viel Geld dem Unternehmen durch die staatlichen Restriktionen zum Schutz vor dem Virus verloren geht. Weil ein Großteil der Lufthansa-Flüge nicht mehr durchgeführt werden durfte, hatte die Airline im ersten Lockdown zeitweise 1 Million Euro Verlust pro Stunde eingefahren! (►Zum Artikel). In der Folge hatte der Staat ein milliardenschweres Rettungspaket für Lufthansa geschnürt.


Flüchtlingskinder landen in Hannover

Abseits der Corona-Thematik waren Mitte April die ersten Flüchtlingskinder aus Griechenland in Deutschland angekommen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte sich dafür eingesetzt, die unbegleiteten Minderjährigen schnellstmöglich aus den Flüchtlingslagern nach Deutschland zu holen. Unter großem Medieninteresse war schließlich der erste Flug aus Griechenland in Hannover gelandet. Pistorius hatte damit den Auftakt für zahlreiche weitere Flüge gesetzt, mit denen Flüchtlingskinder aus Griechenland ins sichere Deutschland geholt werden konnten (►Zum Artikel). Erst vor wenigen Tagen war erneut ein Flugzeug aus Athen in Hannover gelandet.


Niedersachsen plant Waldbrandbekämpfung aus der Luft

Niedersachsen bereitet sich besser auf mögliche Waldbrände vor. Ein Schwerpunkt dabei: Die Waldbrandbekämpfung aus der Luft. Nach Angaben des Innenministeriums sollen künftig nicht nur Polizeihubschrauber dafür ausgerüstet werden, sondern auch privatwirtschaftliche Hubschrauber-Unternehmen herangezogen werden, wenn nötig. Dazu sind weitreichendere Flugrouten zur präventiven Waldbrandbeobachtung geplant (►Zum Artikel). Ein insgesamt durchaus spannendes Thema, das inmitten der Corona-Krise etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten ist.


Was machen die vielen Soldaten am Flughafen?

In Zeiten wilder Verschwörungstheorien hatten Anfang Mai zahlreiche Soldaten am Hannover Airport Fragen insbesondere in sozialen Medien aufgeworfen. Rund um die Hotels am Flughafen Hannover konnten zeitweise dutzende Soldaten beobachtet werden. Eine Nachfrage von air2air.de bei der Streitkräftebasis in Bonn brachte schließlich Licht ins Dunkel: (►Zum Artikel).


Unfallursache für Absturz von Bundeswehrhubschrauber

Ebenfalls im Mai war bekannt geworden, dass der Absturz eines Bundeswehrhubschraubers bei Aerzen/Hameln (►Zum Artikel) auf das Fehlverhalten einer jungen Pilotin zurückzuführen war. Die 25-Jährige war offenbar in den Tagen vor dem Flugunfall von einem Social-Media-Team der Bundeswehr begleitet und dadurch zu einem riskanteren Verhalten verleitet worden (►Zum Artikel).


Belavia fliegt unbeirrt ab Hannover

Bild: Belavia-Flugzeug Hannover
Belavia-Flugzeug in Hannover
Während alle anderen Airlines am Flughafen Hannover ihre regulären Passagierflüge eingestellt haben, ist eine Fluggesellschaft noch immer zuverlässig da. Die weißrussische Belavia war die einzige, die trotz Lockdowns weiterhin jeden Sonntag die Verbindung Minsk-Hannover-Minsk aufrecht erhalten hatte.

Der Grund dafür war allerdings weniger anerkennenswert als man hätte vermuten können. Belavia hatte nur deshalb »die Fahne hochgehalten«, weil das Thema Coronavirus in Weißrussland unter Präsident Lukaschenko heruntergespielt worden war. Lukaschenko hatte seinem Volk offenbar allen Ernstes Wodka und Saunieren zur Abwehr des Virus empfohlen (►Zum Artikel).


Flugplatz Lüneburg gerettet

In einem beispiellosen Bürgerentscheid haben Mitte Juni die Bürger in Lüneburg für den Erhalt ihres Flugplatzes gestimmt. 82 Prozent der Stimmen waren zugunsten des Erhalts ausgefallen, nachdem sich die beiden Parten zuvor praktisch jahrelang im Zwist befunden hatten. Bis zuletzt hatten sich sowohl Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) als auch Flugplatzbetreiber Richard Meier (Vorsitzender des Luftsportvereins Lüneburg, LVL) siegessicher gezeigt (►Zum Artikel).


Neuer Flugsimulator von Microsoft

Im August 2020 hat Microsoft seine mit Spannung erwartete neue Flugsimulations-Software »Microsoft Flight Simulator 2020« (MSFS2020) herausgebracht. Das Programm sollte ganz neue Maßstäbe in Sachen Flugsimulation setzen, indem es zu großen Teilen gemeinsam mit der Community entwickelt wurde. Zudem setzt der MSFS2020 auf fotorealistische Grafik und darauf, dass der User weniger hohe Rechenleistungen benötigt, sondern eher einen Internetanschluss mit sehr hoher Bandbreite (►Zum Artikel).

Wenige Monate nach dem Release ist die Stimmung in der Community ernüchternd. Speziell die Erwartungen an die realistische Flugphysik konnte der Simulator offenbar nicht erfüllen. Einige Flugsimulations-Enthusiasten haben inzwischen dem MSFS2020 bereits zugunsten des deutlich älteren P3D wieder den Rücken gekehrt.


Airbus-Flugzeuge in Braunschweig?

Mitte Juli hatte die Nachricht für Aufsehen gesorgt, dass Airbus einen Teil seiner neuen Flugzeuge aus dem Werk Hamburg-Finkenwerder am Flughafen Braunschweig zwischenparken will. Grund dafür war ein Coronavirus-bedingter Auslieferungsstopp bereits fertig produzierter Maschinen. Bis zu 15 Maschinen hätten am BWE-Airport geparkt werden sollen, Flughafenchef Michael Schwarz hatte bereits versprochen, eine Maschine direkt vor der Besucherterrasse parken zu wollen (►Zum Artikel). Letztlich war die geplante Aktion jedoch ein Satz mit X. Bis heute sind am Flughafen Braunschweig keine Airbus-Flugzeuge abgestellt worden.


Blauer Rettungshubschrauber

Bild: Blauer Rettungshubschrauber
Blauer Rettungshubschrauber
Auch ein blauer Polizeihubschrauber hat dieses Jahr für Zündstoff in den sozialen Medien gesorgt. Wegen eines Maschinentauschs war Rettunghubschrauber Christoph 4 aus Hannover mehrere Monate lang nicht im gewohnten orangenen Farbkleid unterwegs gewesen, sondern in Form einer dunkelblauen Maschine mit der Aufschrift Bundespolizei.

In der Folge waren bei regulären Rettungseinsätzen immer wieder Gerüchte aufgeflammt – oft auch im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Dass es sich um einen nicht allzu ungewöhnlichen Hubschrauber-Tausch gehandelt hat, haben wir in einem entsprechenden Artikel deutlich gemacht: ►Zum Artikel.


Mooney ist wieder am Start

Eine positive Nachricht: Flugzeughersteller Mooney will wieder durchstarten. Im September war bekannt geworden, dass der zuvor insolvente amerikanische Flugzeugbauer mit neuem Management einen Neuanfang wagen möchte. Im November 2019 hatte Mooney die Produktion eingestellt und Mitarbeiter entlassen (►Zum Artikel). Nun ist klar: Es geht weiter. Mooney-Boss Jonny Pollack will das Unternehmen wieder nach vorne bringen und die Mooney-Community stärker mit seiner Firma vernetzen (►Zum Artikel).


Tante Ju kommt nach Paderborn

Die Ungewissheit der ehemaligen Lufthansa-Junkers-Ju52 »Tante Ju« hat ein Ende. Der Flugzeug-Oldtimer bekommt einen Platz im Quax-Hangar am Flughafen Paderborn. Während bisherige Pläne immer wieder geändert worden waren und das 84 Jahre alte Flugzeug zunächst in Hamburg gestanden hatte und anschließend in einer Lagerhalle im Bremer Hafen (nicht Bremerhaven), steht es nun bereits bei den Quax-Freunden. Der Plan kann dementsprechend nicht mehr verworfen werden und ist bereits umgesetzt – und die »Tante Ju« damit sicher vor weiteren Odysseen. (►Zum Artikel).


Christoph Niedersachsen feiert Jubiläum

Relativ still und leise hat die Crew von Christoph Niedersachsen am 1. Oktober das 25-jährige Jubiläum des Rettungshubschraubers bzw. Intensivtransporthubschraubers gefeiert. Was die DRF Luftrettung ursprünglich als größeres Event an der Station am Flughafen Hannover geplant hatte, musste Coronavirus-bedingt abgesagt werden. (►Zum Artikel).


Piloten-Training in Bremen eingestellt

Schock-Nachricht für angehende Berufspiloten: Lufthansa Aviation Training (LAT) bildet am Standort Bremen keine Piloten mehr aus! Gleichzeitig legt sie den Anwärtern knallhart einen Berufswechsel nahe. Zwar sollen an der LAT-Verkehrsfliegerschule in Bremen Piloten noch bis zum Ende ausgebildet werden, sofern sie dies wünschen und die praktische Ausbildung bereits begonnen haben, danach soll aber Schluss sein. (►Zum Artikel). Die LAT gilt als der bedeutendste zivile Berufspiloten-Ausbildungsbetrieb in Deutschland. Über die Zukunft der LAT-Verkehrsfliegerschule, die im November hätte entschieden werden sollen, gibt es derzeit keine weiteren belastbaren Informationen. Lediglich ist bekannt geworden, dass das Flugtaxi-Unternehmen Lilium aus Bayern künftig mit LAT zusammenarbeiten will.


Vorerst letzter Print-Flugplan in Hannover

Bild: Winterflugplan Hannover
Winterflugplan Hannover 2020
Meilenstein am Flughafen Hannover: Weil sich die Situation in der Coronavirus-Krise gewissermaßen wöchentlich ändern kann und schon jetzt absehbar ist, dass die Verbindlichkeit des neuen Winterflugplan 2020/2021 bei nahezu Null liegt, hat die Flughafengesellschaft beschlossen, künftig keine Print-Flugpläne mehr herauszugeben.

Damit ist die Zeit der Taschenflugpläne möglicherweise für immer – aber ganz sicher vorerst – vorbei. Zumindest den kommenden Sommerflugplan 2020, der traditionell von April bis Oktober gilt, wird es deshalb nur online geben, nicht mehr gedruckt. (►Zum Artikel).


Bürgschaften für den Flughafen Hannover?

Wie steht es um die Finanzen am Flughafen Hannover? Nachdem die Passagierzahlen heftig eingebrochen sind, sieht sich die Flughafengesellschaft offenbar einem großen Schuldenberg gegenüber. Stadt Hannover, Land Niedersachsen und ein privater Investor sollen mit Bürgschaften für einen 60-Millionen-Euro-Kredit einspringen (►Zum Artikel). Die Diskussionen um eine Zustimmung waren zuletzt jedoch ziemlich zäh gewesen und sind offenbar noch nicht final entschieden worden. Zumindest haben Stadt Hannover und Land Niedersachsen dies bis heute noch nicht offiziell kommuniziert.


Wiederzulassung für Boeing 737 Max 8

Mitte November hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA die Wiederzulassung für die Boeing 737 Max 8 erteilt. Damit darf der medial als »Todesflieger« verschriene Flugzeugtyp zumindest in den USA grundsätzlich wieder fliegen. Bevor die Max-8 auch in Deutschland regulär mit Passagieren fliegen darf, dürfte noch einige Zeit vergehen. Sowohl die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) als auch das Bundesverkehrsministerium haben ihre entsprechenden Flugverbote bis jetzt noch nicht wieder aufgehoben (►Zum Artikel).


Vorübergehende AutoGyro-Insolvenz

Ein weiterer kurzfristiger Verlierer der Coronavirus-Krise ist der Tragschrauber-Hersteller AutoGyro aus Hildesheim. Anfang Dezember hat das renommierte Unternehmen vorläufige Insolvenz angemeldet – unter anderem weil internationale Märkte weggebrochen waren. Ein Sprecher zeigte sich aber zuversichtlich, dass das Unternehmen bald wieder in den Aufwind kommen könnte. Die Tragschrauber-Produktion solle vorerst weiterlaufen und weitere strategische Schritte seien bereits in Planung, hieß es (►Zum Artikel).


Kurioses im Kurzüberblick

Neben besonders wichtigen und sachlichen Nachrichtenmeldungen aus der Luftfahrt gab es auch im vergangenen Jahr den ein oder anderen Schmunzler. Anbei eine Kurzübersicht:


air2air.de wünscht allen Lesern einen angenehmen Jahreswechsel und ein erfolgreiches neues Jahr 2021. Schauen Sie mal wieder rein!