Lufthansa Aviation Training stellt Piloten-Ausbildung in Bremen ein

Bild: European Flight Academy
Lufthansa Aviation Training hat bis zur Coronavirus-Krise unter der Marke European Flight Academy in Bremen Flugschüler zu Berufspiloten ausgebildet. Fotos/Montage: Weber

Dienstag 29. September 2020 – Bremen (we). Diese Nachricht trifft angehende Berufspiloten wie ein Schlag! Die Lufthansa Aviation Training (LAT) wird bis auf weiteres keine neuen Piloten mehr ausbilden und hat allen derzeitigen Anwärtern nahegelegt, sich »einen neuen Berufsweg zu suchen« und die Schule jetzt zu verlassen. Das geht aus Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa) hervor.

Damit hat sich nun bewahrheitet, was in Fachkreisen schon vor einiger Zeit befürchtet worden war. Zwar will das Unternehmen junge Pilotenanwärter bis zum Schluss ausbilden, wenn sie ausdrücklich darauf bestehen, allerdings ist den derzeit rund 700 Flugschülern am heutigen Dienstag per Webcast nahegelegt worden, jetzt die Reißleine zu ziehen und die Ausbildung abzubrechen. Ein Sprecher der LAT begründete das damit, dass es »auf Jahre hinaus« bei den Airlines des Lufthansa-Konzerns keinen Bedarf an Nachwuchspiloten geben werde.

Aus für LAT-Verkehrsfliegerschule Bremen?

Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Hallbergmoos ist Betreiber der LAT-Verkehrsfliegerschule Bremen (mit der Marke European Flight Academy), an der die Flugschüler traditionell große Teile ihrer Ausbildung durchlaufen – sowohl in der Theorie- als auch in der Praxisphase auf Cessna-Citation-Jets. Nachdem der Ausbildungsbetrieb offenbar bereits in den vergangenen Monaten nach Beginn der Coronavirus-Krise erheblich zurückgefahren worden war, trifft die aktuelle Botschaft die angehenden Piloten nun nochmals schwer.

Die ungewöhnlich deutliche Kommunikation in »Sucht Euch besser jetzt sofort einen anderen Job!«-Tonalität verdeutlicht den Ernst der Situation. Nach weiteren dpa-Informationen sollen jetzt in Bremen nur noch Flugschüler zu Ende ausgebildet werden, die kurz vor der Abschlussprüfung stehen – für alle anderen, die ihre Ausbildung bereits begonnen haben, will die LAT offenbar andere Flugschulen finden.

Zukunft entscheidet sich wohl im November

Ein Sprecher der Piloten-Gewerkschaft »Vereinigung Cockpit« forderte unterdessen die LAT auf, die Ausbildung aller 700 Flugschüler noch selbst zu leisten, nicht nur die der etwa 170, die aktuell kurz vor der Praxisprüfung stehen. »Wir wollen keine verlorene Generation«, heißt es von dort.

Die Entscheidung über die Zukunft der LAT-Verkehrsfliegerschule am Flughafen Bremen soll offenbar im November fallen. Spekulationen, nach denen sie davon abhängig sein könnten, ob die Bundeswehr einen Teil ihrer Piloten weiterhin in der Hansestadt ausbilden lassen will, hatte LAT bereits widersprochen. Es gebe in Sachen mögliche Umstrukturierung »keine Verknüpfung mit der Bundeswehr-Thematik«, hatte ein LTA-Sprecher am 26. September dem Weserkurier gegenüber gesagt.