Nur zehn Eurofighter einsatzbereit? Verteidigungsministerium dementiert entschieden

Bild: Eurofighter am Hangar
Geheimniskrämerei: Wie viele Eurofighter müssen wirklich am Boden bleiben? Symbolfoto: Weber

Freitag 28. Februar 2020 – Berlin (we). Gesprächsstoff Eurofighter: Während dieser Tage zahlreiche Medien darüber spekulieren, dass derzeit nur zehn Eurofighter einsatzbereit sein könnten, dementiert das Bundesverteidigungsministerium das nun entschieden. Weit mehr der insgesamt 140 Eurofighter seien funktionstüchtig, heißt es.

Zuerst hatte offenbar das ARD-Format »Report Mainz« über das Thema berichtet und die Zahl 10 ins Spiel gebracht. Das Politik-Magazin beruft sich auf Aussagen des verteidigungspolitischen Sprechers der Linken im Bundestag Tobias Pflüger und hat damit eine neuerliche mediale Welle zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr losgetreten. Zunächst hatte sich das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) nicht dazu äußern wollen, nun aber offenbar dem öffentlichen Druck nachgegeben.

Anzeige


Ministerium verteidigt Eurofighter-Einsatzbereitschaft

In einer speziellen Mitteilung zur Einsatzbereitschaft deutscher Eurofighter heißt es wörtlich: »Die in Medienberichten behauptete Einsatzbereitschaft von nur zehn Luftfahrzeugen ist weit von der Realität entfernt und in keiner Weise nachvollziehbar«. Und weiter: »Der derzeitige Klarstand der Flotte ist tatsächlich um ein Mehrfaches höher und liegt auf einem Niveau, das mit den Luftwaffen unserer Verbündeten vergleichbar ist«. Konkrete Zahlen könnten aber »aus Gründen der Geheimhaltung« nicht genannt werden.

Welche Verbündeten genau gemeint sind, bleibt damit ebenso unklar wie die Zahl der einsatzbereiten Eurofighter in Deutschland. Oft nennt das Bundesverteidigungsministerium die bilaterale Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich als Beispiel. Die Militär-Kooperation zwischen Deutschland und den Niederlanden wird als Musterbeispiel bezeichnet. Allerdings verfügt weder die Armée de l’Air noch die Koninklijke Luchtmacht über Eurofighter. Von den derzeit 29 NATO-Mitgliedsstaaten setzen nur noch folgende weitere Staaten Eurofighter in ihren Kampfflugzeug-Flotten ein: Großbritannien, Italien und Spanien. Die Luftstreitkräfte des Österreichischen Bundesheers haben zwar Eurofighter, sind aber kein NATO-Mitglied. Über die Verfügbarkeit der Eurofighter bei den genannten Armeen ist allerdings ebenfalls nichts öffentlich bekannt.

Zustandsbericht Luftwaffe seit 2019 Geheimsache

Hintergrund: Die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr ist in unregelmäßigen Abständen ein heikles Thema in der öffentlichen Wahrnehmung. Dafür, dass immer wieder kritische Spekulationen aufkommen und anschließende Dementi von offizieller Seite erfolgen (müssen), ist das Bundesverteidigungsministerium allerdings ein Stück weit selbst verantwortlich. Nachdem er vorher über Jahrzehnte frei verfügbar war, ist der jährlich herausgegebene Zustandsbericht der Bundeswehr im vergangenen Jahr erstmals zur Verschlusssache erklärt worden. Der Grund damals: Desaströse Einsatzbereitschaften von Kampfflugzeugen und Hubschraubern der Bundeswehr. Das Papier war offensichtlich ein Armutszeugnis, das auch internationale Beachtung fand.

Insgesamt ist erkennbar, dass die offiziellen Stellen in den vergangenen Monaten energischer auf kritische Medienberichterstattung reagieren. Besonders deutlich wurde das nach dem Absturz zweier Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern, als sich der Inspekteur der Luftwaffe Generalleutnant Ingo Gerhartz zu teils absurden Spekulationen der Medien geäußert hatte.

Grafik: Trennstrich