Notlandung in Baumkrone: Verein bittet um Spenden für Bergung von Segelflugzeug

Luftbild Porta Westfalica
In der Nähe des Fernsehturms Porta (oben rechts) ist das Flugzeug hängengeblieben. Archivfoto: Weber

Donnerstag 17. Oktober 2019 – Porta Westfalica / Lüchow-Dannenberg (we). Nach der Notlandung eines Segelflugzeugs in einer Baumkrone bei Porta Westfalica am vergangenen Samstag bittet jetzt der LSV Kreis Lüchow-Dannenberg e. V., dem das Flugzeug gehört, die Öffentlichkeit um finanzielle Unterstützung.

Zwar konnten die beiden Insassen während einer stundenlangen spektakulären Rettungsaktion unverletzt gerettet werden, das Problem nun jedoch: Das verunglückte Segelflugzeug hängt nach wie vor in 35 Meter Höhe in der Baumkrone fest. Weil der Verein nach eigenen Angaben für das Flugzeug keine Vollkaskoversicherung abgeschlossen hatte, muss er selbst für die Bergungskosten aufkommen. Und die betragen Schätzungen zufolge zwischen 8.000 und 15.000 Euro.

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Segelflugzeug hängt in Baumkrone

Rückblick: Der 21 Jahre alte Pilot und seine 17-jährige Begleiterin waren am Samstagnachmittag gegen 13.30 Uhr mit ihrem Schleicher ASK-21 Doppelsitzer vom Flugplatz Porta Westfalica-Vennebeck gestartet. Eine Stunde später hatte ein Spaziergänger das Flugzeug unweit des Fernsehturms entdeckt und die Rettungskräfte alarmiert. Was sich in der Zwischenzeit zugetragen hat, ist Gegenstand der Ermittlungen. Der Luftsportverein spricht von einer »Notlandung« bzw. »außerplanmäßigen Landung«.

Fakt ist: Nachdem die ersten Einsatzkräfte vor Ort angekommen waren, stellte sich offenbar schnell heraus, dass dies kein alltäglicher Einsatz werden würde. Die Polizei hatte in zwei Berichten eine Höhe des feststeckenden Flugzeugs von 15 Metern kommuniziert, diese Zahl wurde jedoch später vom Verein auf 35 Meter deutlich nach oben korrigiert und entspricht sehr wahrscheinlich eher der Realität. Weil an eine Rettung per Leiter oder sonst in gewöhnlichen Feuerwehrfahrzeugen vorhandenem Equipment nicht zu denken war, wurden von den Einsatzkräften Spezialisten der Feuerwehr Espelkamp (Höhenretter) zu Rate gezogen. Mit der Erkenntnis: Die Rettung der beiden Flugzeuginsassen ist wohl nur per Kran oder Hubschrauber möglich.

Rettungsaktion mit Bundeswehrhubschrauber

Während sich anschließend der Rettungshubschrauber SAR-41 der Bundeswehr aus dem nordrhein-westfälischen Nörvenich auf den Weg nach Porta machte, betreute ein Notfallseelsorger die beiden zum Abwarten verdammten Flugzeuginsassen am Telefon. Am Ende der insgesamt mehr als vier Stunden langen Rettungsaktion konnten die beiden mittels Hubschrauber-Seilwinde gerettet und unverletzt am Boden abgesetzt werden. Trotzdem kamen sie vorsorglich mit dem Rettungswagen in eine Klinik nach Minden.

Bild: SAR-Hubschrauber
Mit einem solchen SAR-Hubschrauber wurden die Insassen gerettet. Symbolfoto: Weber

Verein bittet um Spenden für die Bergung

Dass das Segelflugzeug nicht zeitnah geborgen werden kann, war offenbar schon am Samstagabend klar. Im Polizeibericht war von einem »späteren, noch nicht genau bekannten Zeitpunkt« die Rede. Bis dahin sei der Bereich durch das Ordnungsamt Porta Westfalica abgesperrt und mit Warnschildern versehen worden, hieß es. Wann nun tatsächlich die Bergung erfolgen kann, ist abhängig davon, wann das nötige Geld verfügbar ist. Für den Einsatz sind mehrere tausend Euro vom Verein aufzubringen, weil bei der Anschaffung des verunglückten Segelflugzeugs keine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen worden war.

Der Vereinsverantwortlichen rechnen mit Bergungskosten zwischen 8.000 und 15.000 Euro, abhängig von der Wahl der Optionen Kran oder Hubschrauber. Dazu kommen Reparaturkosten in noch unbekannter Höhe. »Wir freuen uns über jeden Beitrag an die unten aufgeführten Konten und bedanken und für Eure Solidarität und Hilfsbereitschaft«, heißt es im Spendenaufruf. Nachfolgend die Bankverbindung des gemeinnützigen Vereins:

Empfänger: LSV Luechow-Dannenberg e. V.
IBAN: DE67258501100044036085
BLC: NOLADE21UEL
Institut: Sparkasse Uelzen Luechow-DBG
Verwendungszweck: »Spende« und ggf. Anschrift für die Spendenquittung

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Alternativ können Zahlungen via PayPal entgegengenommen werden.

PayPal-Adresse: info@lsv-luechow.de

Der LSV Kreis Lüchow-Dannenberg will die Öffentlichkeit über den Verlauf der Spendenaktion informieren. Auch air2air.de berichtet weiter, sobald neue Informationen hinsichtlich Spendensumme und Bergungsbeginn verfügbar sind. In der Zwischenzeit hatte ein Social-Media-Nutzer vorgeschlagen, beim Technischen Hilfswerk (THW) anzufragen, ob die Bergung des Segelflugzeugs nicht vielleicht als willkommenes Übungsszenario dienen könnte. Inwieweit dieser potentiell kostensparende »Trick« sinnvoll ist und tatsächlich angewendet werden kann, bleibt abzuwarten.

Update vom 19. Oktober: Wie der Verein am Samstagmittag mitgeteilt hat, erfolgt die Bergung sehr wahrscheinlich mit Hilfe von zwei Kränen. Die Aktion soll am Dienstag, 22. Oktober um 8 Uhr beginnen, nachdem am Montag eine Fahrstraße verlegt wird, auf der ein Kran möglichst nah an das havarierte Segelflugzeug herankommen kann. Der andere kann offenbar von einer öffentlichen Straße aus unterstützen. Die Kosten für den gesamten Einsatz belaufen sich nach aktuellen Berechnungen auf gut 10.000 Euro. Die Spendenaktion läuft derweil weiter, über den aktuellen Spendenstand soll am Montag weiter informiert werden. In einer Mitteilung des Vereins heißt es: »Schon jetzt erfahren wir sehr viel Solidarität aus allen Ecken der Gesellschaft. Wir sind sehr gerührt von eurer Hilfe!«

Update vom 21. Oktober (1): Bergungstermin auf unbestimmte Zeit verschoben: Wie der Luechow-Dannenberg e. V. mitteilt, kann einer der beiden eingeplanten Kräne aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht zum Einsatz kommen. Für den Bau der Fahrstraße sind offenbar mehr Vorarbeiten nötig als zunächst angenommen. Das hatte eine erste Begehung am Montagvormittag ergeben. Ursprünglich war geplant, am Dienstagmorgen mit der Bergung des Segelflugzeugs zu beginnen. Stattdessen soll nun ein weiterer Vor-Ort-Termin für die Fahrstraßen-Verlegung stattfinden. Fakt ist: Ein Ausweichtermin steht bislang nicht fest.

Update vom 21. Oktober (2): Die Spendensumme beträgt am Montagabend 2.469,40 Euro, also knapp ein Viertel der Bergungskosten. »Von allen Seiten haben wir große Hilfsbereitschaft erfahren dürfen: Viele Privatleute, die eine Verbindung zur Fliegerei haben oder auch nicht, andere Vereine, Unternehmen und sogar aus dem Ausland erhielten wir Spenden«, heißt es in einer neuerlichen Mitteilung des LSV, und weiter: »Diese Welle der Solidarität haben wir so nicht erwartet und umso mehr rührt uns eure Anteilnahme! Zusammen ist man eben immer noch am stärksten!«

Update vom 22. Oktober: Nachdem heute (Dienstag) die Unfallstelle erneut untersucht worden ist, soll in Absprache mit den Verantwortlichen die Bergung des Flugzeugs am kommenden Dienstag, 29. Oktober um 8 Uhr beginnen. Die Spendenaktion dauert an.

Update vom 29. Oktober: Bergung geglückt! Nach einer fünfstündigen Kran-Aktion ist das Segelflugzeug aus den Baumkronen am Hausberge in Porta Westfalica geborgen und auf der Straße zurück zum Flugplatz Lüchow-Rehbeck gebracht worden. Zum Update-Nachrichtenartikel hier klicken!

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