Eigenen Flight Tracker einrichten (Teil 1: Hardware)

Bild: NooElec DVB-T-Stick
Ein besonderer USB-Stick und eine Antenne: Das Minimal-Setup für den eigenen Flight Tracker. Foto: Weber

Wenn Sie sich mit Flight Tracking beschäftigen, haben Sie sich bestimmt schon einmal gefragt, woher die Daten in den Plattformen stammen. Tatsächlich gibt es ein großes und sehr dichtes Empfänger-Netzwerk, dessen einzelne Stationen meist von Privatleuten und Luftfahrtbegeisterten betrieben werden.

Wenn auch Sie Ihren eigenen Flight Tracker bauen und mit einem ADSB-Empfänger zu Hause im Wohnzimmer Flugzeuge digital sichtbar machen möchten, geht das viel einfacher als Sie vielleicht denken. Nur so viel zu Beginn: Ihre Investition für einen minimalistischen (aber funktionierenden) Flight Tracker bewegt sich bei etwa 30 Euro und drei Stunden Zeit. Welche Voraussetzungen im Detail nötig sind, welche ADSB-Hardware Sie mindestens brauchen und was Sie sonst beachten sollten? Erfahren Sie es hier auf air2air.de!

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Allgemeine Informationen zu SDR und ADSB

Viele andere Internetseiten erklären zwar, wie Sie selbst Flugdaten auffangen und auswerten können, machen aber eine solche Wissenschaft daraus, dass Laien kaum noch den Durchblick behalten. Meist gibt es hinterher mehr Unklarheiten als zuvor. Oft sind auch Englisch-Sprachkenntnisse und vertiefte Fähigkeiten im Umgang mit Computern notwendig, um alles perfekt ans Laufen zu bekommen. Deshalb versuchen wir den Ratgeber schlank und einfach zu halten und erläutern Ihnen in den folgenden Abschnitten genau, was Sie brauchen und worauf Sie bei Ihrer privaten ADSB-Station achten sollten.

Rechtliches zum ADSB-Empfang

Achtung! – Die folgenden Informationen stellen keine Rechtsberatung dar und geben einen Stand wieder, der unter Umständen nicht mehr aktuell ist.

Insbesondere nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf europäischer Ebene mag der ein oder andere den Betrieb von ADSB-Empfängern kritisch sehen. Fakt ist jedoch: Die benötigte Hardware ist nach wie vor frei verkäuflich und die Daten frei nutzbar (Stand: März 2019). Wer Signale auf der Frequenz 1090 MHz auffängt, macht sich gemäß aktueller Rechtsprechung nicht strafbar. Das gleiche gilt – es existiert jedenfalls kein gegenteiliges Urteil – für den, der die empfangenen Rohdaten demoduliert und dadurch eindeutige Zuordnungen treffen kann (z. B. von dem jeweiligen ICAO-Hex-Code des Transponders zu einem bestimmten Luftfahrzeugkennzeichen).

Zunächst ein Kurzüberblick: In der Welt der Luftfahrt geschieht ein Großteil der Kommunikation über Funk. Zwar ist es möglich, mit handelsüblichen Geräten oder Weltempfängern einen Großteil derer abzuhören, oft ist das aber verboten. So fällt beispielsweise der Sprechfunk unter das Telekommunikationsgesetz (TKG) § 89 und darf nicht von unberechtigten Personen abgehört werden. Wer es trotzdem tut, macht sich definitiv strafbar.

Anders jedoch bei der nicht-menschlichen Kommunikation. ADSB-Daten, um die es in diesem Artikel geht, werden automatisch von Computern generiert und gesendet. Bis zu einer Änderung des entsprechenden Paragraphen im TKG zum 31. Dezember 2016 hatte ein Urteil (Az. 1 L1048/08) des Kölner Landgerichts aus dem Jahr 2008 Bestand, wonach der Empfang erlaubt war, da es sich eben nicht um das Abhören von Sprache handelte.

Seit der Änderung ist der zugrundeliegende Passus aber schwammiger formuliert, sodass Interpretationsspielraum in beide Richtungen besteht und zur eindeutigen Klärung eine konkrete Gerichtsentscheidung aussteht. Da die großen Flight-Tracking-Anbieter noch immer die Daten bereitstellen, ist davon auszugehen, dass deren Rechtsabteilungen bzw. Anwälte sich mit dem Thema auseinandergesetzt und das Risiko, für das Auffangen von ADSB-Daten belangt zu werden, als minimal eingeschätzt haben. Auch für das Hobby-Flight-Tracking bedeutet das ein minimales Risiko.

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Fachbegriffe fürs Flight Tracking

Bevor Sie mit der Einrichtung der eigenen Flight-Tracking-Station beginnen, zunächst etwas hilfreiches Basiswissen: Das System, aus dem Sie Daten auffangen, ist ein Automatic-Dependent-Surveillance-Broadcast (ADSB). Wenn im Luftfahrzeug ein Mode-S-Transponder aktiv ist, werden über dieses System automatisch im Sekundentakt verschiedenste Daten zum aktuellen Flug übermittelt. Sender können Verkehrsflugzeuge wie Privatjets, aber auch Kleinflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge, Hubschrauber oder Tragschrauber sein. Selbst bestimmte (wenn auch wenige) Segelflugzeuge lassen sich tracken. Wer solche Daten über ADSB empfangen möchte, benötigt eine Empfangsstation.

Sender Empfänger
Mode-S-Transponder im Luftfahrzeug Ihre ADS-B-Station

Transponder im Flugzeug

Transponder, die in kleineren Flugzeugen eingebaut sind – zum Beispiel der TRIG TT31 –, übermitteln in der Basisversion nur Daten wie Kennzeichen des Luftfahrzeugs, Squawk und die aktuelle Höhe. Die Position des Flugzeugs wird erst dann mitgesendet, wenn der Transponder mit einem kompatiblen GPS-System gekoppelt ist. Ist das nicht der Fall, können Sie die Daten mit Ihrem Flight Tracker zwar empfangen, das Luftfahrzeug aber leider nicht orten.

Bild: Mode-S-Transponder Trig TT31
Transponder: Ein solches im Flugzeug installiertes Gerät sendet die interessanten Daten. Foto: Weber

»Woher weiß denn dann die Flugüberwachung, wo sich das Flugzeug befindet?« möchte man sich nun fragen. Die Erklärung ist einfach: Die Flugsicherung sieht die Position des Luftfahrzeugs auf ihrem Primärradar (Erläuterung siehe auch hier, Punkt Technik). Dabei werden aktiv von der Flugsicherung ausgestrahlte Pings vom Flugzeug reflektiert, sodass die Position bestimmbar wird. Im ADSB-Modus wird jedoch mit dem Sekundärradar gearbeitet, bei dem der Transponder aktiv eine Antwort sendet. Mit Ihrem Flight Tracker können Sie nur Daten empfangen, die vom Sekundärradar erfasst werden.

Eine Möglichkeit, auch ohne Primärradar Höhenangaben zu erfassen, bietet das System MLAT. Es ist jedoch vergleichsweise sehr ungenau und die Positionsdaten basieren auf theoretischen (berechneten) Annahmen.

Bestandteile einer ADSB-Station

Eine solche Station besteht mindestens aus einem Computer, einem Software-Programm, einer Antenne und einem Empfänger mit Demodulator und Tuner (USB-Dongle). Bei dem Empfänger handelt es sich grundsätzlich um ein Gerät aus dem Bereich Software Defined Radio (SDR). Wenn Sie später Komponenten dazukaufen, sollten die Produktbeschreibungen immer diesen Begriff (SDR) beinhalten.

Ebenso wichtige Begriffe und Kennzahlen im Zusammenhang mit Ihrem privaten Flight Tracker sind 1090 MHz oder 1,09 GHz (der Frequenzbereich, auf dem die Flugdaten übermittelt werden), RTL2832 oder RTL2832U (Chipsatz von Realtek im USB-Dongle, der die aufgefangenen Daten demoduliert), R820T oder R820T2 (Chipsatz im USB-Dongle, der als Tuner funktioniert). Bei dem USB-Dongle (der ein SDR-Gerät ist) handelt es sich im wesentlichen um eine Art DVB-T-Stick. In aller Regel können Sie mit damit auch TV-Signale empfangen.

Eine weitere nicht zu vernachlässigende Komponente ist die Antenne. Die Kommunikation zwischen ihr und dem USB-Dongle erfolgt über ein Koaxialkabel des Standardtyps MCX (Stecker an der Antenne, Buchse am Dongle). Aber: Nicht alle Antennen, die über den benötigten Anschluss verfügen, sind für den Empfang von ADSB-Daten über 1090 MHz geeignet. DVB-T-Antennen beispielsweise sind speziell für den Empfang des TV-Programms auf einer ganz anderen Frequenz (bis maximal 786 MHz) entwickelt worden. Grundsätzlich gilt für die Ausrichtung der Antenne: Bringen Sie sie so hoch wie möglich und an und gewährleisten Sie freie Rundumsicht – also idealerweise draußen, nicht im Wohnzimmer.

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Flight-Tracking-Hardware – Flight Tracker selber bauen

Wie bereits erwähnt benötigen Sie neben einem Computer zunächst eine Art USB-Stick, der mit einer Antenne verbunden wird. Wir empfehlen als Einstiegsmodell zu einem günstigen Preis den NESDR Mini 2+ 0,5 PPM TCXO RTL-SDR- und ADS-B-USB-Empfängersatz mit Antenne, Saughalterung, SMA-Buchse und Fernbedienung, RTL 2832 U & R 820 T 2-Tuner.

Wir haben’s ausprobiert! – Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung spart Ihnen mindestens zwei Stunden Zeit und Nerven (oder mehr), wenn Sie Ihren eigenen Flight Tracker einrichten wollen.
  1. Kaufen Sie den oben verlinkten empfohlenen NooElec-Stick bei Amazon. (Sie können auch einen anderen Stick kaufen, aber dann ist es wahrscheinlicher, dass die folgende Installationsanleitung nicht mehr funktioniert!)
  2. Wenn Sie das Päckchen bzw. den Umschlag bekommen, legen Sie einen Teil des Inhalts zur Seite: Die Fernbedienung und den goldfarbenen Adapter benötigen Sie für Ihre Zwecke zunächst nicht.
  3. Verbinden Sie (wenn nötig mit sanfter Gewalt) das Antennenkabel mit dem USB-Dongle.
  4. Positionieren Sie die Antenne möglichst nicht im Wohnzimmer, sondern auf dem Dach und mit freier Rundum-Sicht (Keine Angst: Zur Not empfangen Sie auch im Wohnzimmer noch Signale, aber eben weniger als bei einer optimalen Antennenausrichtung!)
  5. Stecken Sie den USB-Dongle in einen USB-Anschluss Ihres Computers.

Glückwunsch! Sie haben die Hardware-Konfiguration Ihres eigenen Flight Trackers erfolgreich abgeschlossen. Nehmen Sie nun die Einrichtung und Software-Konfiguration wie im zweiten Teil der Artikelreihe beschrieben vor.

Wie Sie Ihre Flight Tracking Software einrichten? – ► Lesen Sie hier in Kürze.