Mitfliegen am Fallschirm – Kosten und Infos zu Tandemsprung, Skydiving & Co.

Bild: Fallschirmspringer
Ein Fallschirmspringer. Symbolfoto: Weber

Haben Sie sich schon mal mit Fallschirmspringen beschäftigt? Von allen infragekommenden Möglichkeiten von Sport, den Sie in der Luft ausüben können, ist das Fallschirmspringen sicherlich die mit dem meisten Nervenkitzel. Und: Auch als unerfahrener Anfänger können Sie sich den Adrenalin-Kick holen! Das Stichwort lautet Tandemsprung.

Was es beim Fallschirmspringen, Skydiving und einem solchen Tandemsprung (der übrigens als Extremsport gilt) beachtet werden sollte, erklären wir in diesem Artikel. Ebenfalls, aus welcher Höhe man abspringt und was ein Fallschirmsprung kosten kann.

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Allgemeines zum Fallschirmspringen

Die Wurzeln des Fallschirmspringens liegen mehrere hundert Jahre in der Vergangenheit. Leonardo da Vinci soll 1483 eine Zeichnung angefertigt haben, die eine Art Fallschirm aus Holz und Leinen zeigt. Ungefähr zu dieser Zeit hatte er auch Konstruktionsskizzen von Hubschraubern erstellt. Den ersten tatsächlichen Fallschirmflug soll Fausto Veranzio im Jahr 1617 erfolgreich unternommen haben. Historisch bewiesen werden konnte das allerdings nicht.

Fun Fact: Das Modell, das da Vinci seinerzeit zeichnete, wurde im Jahr 2000 von Wissenschaftlern gebaut und festgestellt, dass es nicht nur absolut flugfähig war, sondern auch sanfter fliegt als moderne Fallschirme. Einzig das Gewicht von 90 Kilogramm sei bei der Landung problematisch, heißt es.

Fallschirmspringen heute

Nichtsdestotrotz sind Fallschirme heutzutage bis ans Maximum optimierte Sportgeräte. Grundsätzlich kann zwischen zwei Arten von Fallschirmen unterschieden werden: Rundkappenfallschirme und Flächenfallschirme. Die erstgenannte Variante (komplett runde Fallschirmhülle) wird wegen vergleichsweise schlechteren Flugeigenschaften aktuell nur noch selten eingesetzt und kann im Prinzip als veraltet angesehen werden. State of the Art in Sachen Fallschirme sind hochmoderne Flächenfallschirme wie auf dem Bild oben. Das Querpfrofil eines solchen Fallschirms entspricht einer Flugzeugtragfläche.

Die Hülle eines Flächenfallschirms (Hauptkappe) ist aus Nylongewebe gefertigt und wiegt nur noch etwa 3 Kilogramm. Dazu kommt ein Reservefallschirm und spezielles Gurtzeug, sodass man letztlich auf 12 bis 15 Kilogramm Equipment kommt (bei Tandem-Equipment bis zu 20 Kilogramm).

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Bild: Fallschirmspringer tragen ihre Fallschirme
Ihr Equipment müssen Fallschirmspringer in der Regel selbst zur Base zurücktragen. Foto: Weber

Ablauf eines Fallschirmsprungs

Der Ablauf eines Fallschirmsprungs ist in der Regel seit jeher gleich. Zunächst bringt ein Absetzflugzeug den Springer auf eine bestimmte Höhe. Kurz nach dem Sprung aus dem Absetzflugzeug, nach einem kurzen freien Fall, wird der Fallschirm automatisch oder manuell über einen Auslösegriff geöffnet und der Springer gleitet zu Boden. Geübte Fallschirmspringer können gezielt in in einem vordefinierten Landekreis mit nur 10 Metern Durchmesser landen.

Fallschirmspringen als Sport

Angesichts dessen ist es wenig verwunderlich, dass das Streben nach einer immer besseren Präzision unter Fallschirmspringern für Ehrgeiz sorgen kann. Fallschirmspringen gilt als anerkannte Sportart. Es gibt eine Deutsche Meisterschaft im Fallschirmspringen. In verschiedenen Disziplinen müssen dabei im freien Fall beispielsweise Formationen gebildet oder Figuren vollführt werden.

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Fakten zum Fallschirmspringen

Wer einmal am Fallschirm mitfliegen möchte und bisher noch keinen Kontakt zu dieser Sportart hatte, wird zunächst sicher eine Menge Fragen haben. Außer der wenig aussagekräftigen Empfehlung »Das musst Du auch unbedingt mal machen!« irgendeines Bekannten, der auch schon mal am Tandem-Fallschirm hing, braucht man einfach die ein oder anderen Informationen vor dem Sprung.

Professionelle Anbieter für Tandemsprünge planen eine Briefing-Phase ein, um die Passagiere vorab für das Thema zu sensibilisieren und ihnen Informationen an die Hand zu geben, die sie einfach benötigen. Wenn Sie sich noch unsicher sind, ob Sie sich wirklich für einen Tandemsprung anmelden sollten, können Sie sich hier im Vorfeld über besondere Bedingungen, Abläufe und Kosten fürs Fallschirmspringen informieren.

Tandemsprung Voraussetzungen

Bild: Zwei Menschen an einem Fallschirm
Zwei Menschen an einem Fallschirm: Ein sogenannter Tandemsprung. Foto: Weber

Die erste Frage, die Sie für sich beantworten sollten, ist: »Bin ich überhaupt fürs Fallschirmspringen geeignet?«. Wer allein mit dem Fallschirm springen möchte, braucht dazu in Deutschland eine Lizenz. Unter anderem muss dafür die gesundheitliche Tauglichkeit vom Hausarzt bestätigt werden. Vor dem Erhalt der unbefristet gültigen Fallschirmspringer-Lizenz muss außerdem eine theroretische und eine pratktische Prüfung abgelegt werden. Bei Mitfliegern, also Tandempassagieren sind die Anforderungen etwas niedriger. Sie müssen gar nichts nachweisen. Wesentliche körperliche Grundvoraussetzungen für die Teilnahme an einem Tandemsprung sind:

  • durchschnittliche Fitness
  • Körpergröße ab 1,40 Meter
  • Gewicht bis 90 Kilogramm
  • keine chronischen Atemwegserkrankungen
  • keine bekannten Herzprobleme

Obwohl Sie selbst also über keine besonderen Voraussetzungen verfügen müssen, können Sie sich sicher sein, dass Sie – ähnlich wie beim Mitfliegen im Kleinflugzeug – beim Tandemsprung mit einem Profi unterwegs sind, der seine physische und geistige Eignung für das Fallschirmspringen irgendwann in seinem Leben einmal nachgewiesen hat. Neben persönlichen Voraussetzungen kommen natürlich noch Bedingungen wie das Wetter. Es sollte eine klare Sicht und eher wenig Wind herrschen. Die Fallschirmsaison ist ähnlich wie die Segelflug-Saison und konzentriert sich auf die Sommermonate.

Wie lange dauert ein Fallschirmsprung?

Wer einen Tandemsprung unternehmen möchte, dem wird meist empfohlen, eine Gesamtdauer von vier Stunden vor Ort einzuplanen. Dazu gehört im wesentlichen das Vorab-Briefing, also eine Art Unterrichtsstunde, bei der dem Passagier grundlegende Informationen an die Hand gegeben werden, die er für den Tandemsprung wissen sollte. Wie lange die konkrete Action in der Luft – also Flug und Sprung – dauert, zeigt folgende Gegenüberstellung:

PhaseDauer
Flug auf Absprunghöhe15 Minuten
Freier Fall40 bis 60 Sekunden
Gleiten zum Boden6 Minuten

Fallschirmsprung-Unternehmen würden diese Tabelle vermutlich noch um die Zeile »Erlebnis: für immer« ergänzen. Tatsächlich ist es wohl so, dass der erste Fallschirmsprung noch eine längere Zeit nachwirkt. Wer einmal am Landepunkt vor Ort war, wird sich an die Freudenschreie der Tandempassagiere erinnern können.

Aus welcher Höhe springen Fallschirmspringer ab?

Bild: Cessna 208 D-FALL
Diese Cessna 208 Grand Caravan ist ein typisches Absetzflugzeug für Fallschirmspringer. Foto: Weber

Meistens springen Fallschirmspringer (also auch Sie beim Tandemsprung) aus einer Höhe von 12.000 Fuß (4 Kilometer) ab. Der Grund: Bis zu dieser Höhe können Menschen sich bedenkenlos in der Luft aufhalten, ohne zusätzlichen Sauerstoff zu benötigen. Das Absetzflugzeug für Fallschirmspringer ist in den allermeisten Fällen eine speziell dafür ausgerüstete Cessna 208 Caravan. Nach dem Sprung erreichen Sie im freien Fall eine Geschwindigkeit von 180 bis 220 Kilometer pro Stunde, bevor in einer Höhe von 5.000 Fuß (1,5 Kilometer) der Fallschirm ausgelöst wird.

Spezialfall: HALO Jump

Beim sogenannten HALO Jump (HALO = high altitude, low opening) wird aus etwa 24.000 Fuß (8 Kilometer) Höhe gesprungen. Dazu muss dann entsprechend Sauerstoff mitgeführt werden. Der wesentliche Unterschied: Es sind zwei Minuten freier Fall möglich statt etwas weniger als eine Minute. Dieses Verfahren ist bzw. war Teil der Freifallausbildung der Bundeswehr.

Wie sicher ist Fallschirmspringen?

Fallschirmspringen gilt als sehr sicherer Sport. Absetzflugzeuge sind so konstruiert, dass sich Leinen nicht irgendwo verfangen können. Redundanz innerhalb des Fallschirmsystems garantiert, dass Springer selbst bei einem seltenen Totalausfall des Hauptschirms (zum Beispiel durch Packfehler oder Materialversagen) immernoch am Reserveschirm sicher zu Boden kommen. Die potentiell gefährlichsten Phasen sind die Öffnung des Fallschirms und die Landung.

Der Deutsche Fallschirmsportverband e. V. hat im Jahr 2017 insgesamt mehr als 400.000 Sprünge registriert. Davon endeten drei tödlich (0,001 Prozent). 83 Sprünge (0,02 Prozent) fielen in die Kategorie schwerer Unfall (meldepflichtig). In 358 Fällen (0,09 Prozent) musste der Reserveschirm gezogen werden. Interessant: Von den exakt 400.740 Fallschirmsprüngen waren rund 58.600 Tandemsprünge (15 Prozent). (Quelle jeweils: DFV INSiTA 2018)

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Kosten

Was ein Tandemsprung kosten kann, ist von Anbieter zu Anbieter unterschied, die Summen bewegen sich aber auf einem Niveau. Bei der beispielhaften Preisrecherche bei fünf Anbietern ergab sich eine nur sehr kleine Preisspanne von 195 bis 209 Euro.

OrteKosten
Münster195 Euro
Hildesheim, Ganderkesee, Uetersen199 Euro
Gransee bei Berlin, Dahlemer Binz209 Euro

(Stand: Juni 2019; Anbieter anonymisiert)

Es lässt sich also festhalten: Die Kosten für einen Tandemsprung liegen bei rund 200 Euro. Der Preis beinhaltet die Basis-Variante. Einige Anbieter bieten Zusatz-Pakete an, zum Beispiel für Foto- oder Videoaufnahmen des Sprungs.

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Fazit und Empfehlung

Trauen Sie sich! Sicher haben Sie jemanden in Ihrem Bekanntenkreis, der schon einmal einen Tandemsprung erlebt und Ihnen empfohlen hat, es ihm gleichzutun. Die gute Nachricht: Es gibt keinen sinnvollen Grund, das nicht zu tun. Die Kosten von 200 Euro sind überschaubar und die Sicherheit ist ebenfalls gegeben. Im Schnitt endet einer von 130.000 Fallschirmsprüngen tödlich (Jahresstatistik 2017). Vermutlich scheitert es in den meisten Fällen eher an der eigenen Angst.

Diese Überwindung ist sicher das wichtigste. Aber: Sie springen nicht allein und bestimmen damit den Moment des Ausstiegs auch nicht selbst. Das wird – nach vorheriger Rücksprache und wenn Sie sich nicht vehement sträuben – der Tandemmaster im Flugzeug für Sie übernehmen. Er wird sich mit Ihnen und an die Ausstiegskante setzen, sich mit Ihnen abstoßen und dann beginnt für Sie ein einmaliges, nachklingendes Erlebnis mit Adrenalin-Garantie.

Wenn Sie noch immer Bedenken haben und noch nie abseits von Linienflugzeugen in der Luft unterwegs waren, fangen Sie gern auch mit einem anderen Mitflug an. Wenn Sie sensibel auf Höhe reagieren und sich daran gewöhnen möchten dass Ihnen der Wind um die Nase weht, könnte eine Heißluftballonfahrt eine Möglichkeit sein.

Entscheiden Sie selbst!

Ihr Weg zum ersten Tandemsprung

Schritt 1: Finden Sie einen Anbieter bei Ihnen in der Nähe! Geben Sie dazu den Begriff Tandemsprung und ihren Wohnort in eine Internetsuchmaschine ein!

Schritt 2: Fragen Sie bei diesem Anbieter einen Tandemsprung an! Man wird Sie bei der Terminfindung unterstützen.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.

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