Der eigene Flugsimulator-PC

Bild: Flightstick am Flugsimulator
Cockpit im Wohnzimmer: Der Flightstick eines privaten Flugsimulator-PCs. Foto: Weber

Wer sich für die Fliegerei interessiert, hat sich sicher schon einmal Gedanken über einen Flugsimulator gemacht. Immer mal wieder gibt es Angebote für den Besuch eines professionellen Flugsimulators, in dem auch Berufspiloten trainieren. Doch gibt es auch die Möglichkeit, zu Hause im Arbeitszimmer mal am Computer zu fliegen?

Die Antwort ist: Ja! Ein eigener Flugsimulator muss kein Wunschtraum bleiben. Mit einem leistungsstarken Computer, mindestens einem weiteren Monitor, der richtigen Soft- und Zusatz-Hardware können Sie auch von zu Hause aus am Computer zu einem virtuellen Rundflug starten. Ganz gleich ob mit der Cessna 172 um den Kirchturm oder mit dem Kampfjet von Wittmund aus über die Nordsee. Wir erklären, wie Sie einen Flugsimulator selber bauen.

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Grafik: Mobilgerät hochkant quer

Hinweis: Die Internetseite air2air.de ist voll responsive und macht damit auch auf verschiedenen Mobilgeräten eine gute Figur. Allerdings gibt es auf einigen Unterseiten umfangreichere Tabellen, die Sie auf Ihrem Mobilgerät (Handy oder Tablet) am besten im Querformat betrachten. Das gilt ebenso für Screenshots und Fotos. Deshalb empfehlen wir auch für unsere Luftbild-Galerien, das Mobilgerät um 90 Grad vom Hochformat ins Querformat zu drehen!


Grafik: Trennstrich

Flugsimulator Software

Es gibt aktuell auf dem Markt drei ernstzunehmende Flugsimulator-Programme für den Privatgebrauch. Sie alle laufen auf PC-Basis – ein Flugsimulator für Konsole wäre ein Exot. Der Dinosaurier unter den PC-Flugsimulatoren ist Microsofts »Flight Simulator X« (FSX). Eine Weiterentwicklung davon ist Lockheed Martins »Prepar3D®« (P3D), das auch offiziell für die Piloten-Ausbildung verwendet wird. Als drittes ist Laminar Researchs »X-Plane« (XP) erhältlich. Die jeweiligen Vor- und Nachteile in der Übersicht:

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Software Vorteile
Nachteile
Flight Simulator X
sehr realistische Flugdynamik
sehr viele Add-Ons verfügbar
hohe Systemtiefe
läuft auf älteren Rechnern flüssig
mit Saitek-Hardware erweiterbar
in die Jahre gekommen
läuft mit 32-Bit und max. 4 GB RAM
Grafikstandard nicht mehr aktuell
Prepar3D®
bessere Grafik als FSX
bessere Performance als FSX
sehr hohe Systemtiefe
sehr realistische Flugdynamik
viele FSX-Addons sind kompatibel
Add-Ons vergleichsweise teuer
zu viele Funktionen für Einsteiger
Probleme bei Saitek-Hardware
X-Plane unerreicht gute Grafik
sehr realistische Flugdynamik
sehr realistische Wetterdynamik
viele Add-Ons verfügbar
vergleichsw. geringe Systemtiefe
Probleme bei Saitek-Hardware

Hinweis: Mit Systemtiefe ist die realistische Simulation von technischen Abläufen im Cockpit gemeint. Saitek-Hardware (neu: Logitech) sind zum Beispiel Panels und mechanische Steuer-Elemente.


Microsoft Flight Simulator X

Der FSX ist bewährt und läuft nach wie vor auf etlichen Rechnern von Flugsimulator-Begeisterten. Er benötigt – gemessen an heutigen Computer-Leistungsstandards – wenig Ressourcen, hat dafür aber auch eine entsprechend eckige Grafik.

Bild: D-BADA am Flughafen Hannover (FSX)
Realistisch: Ambulanzflugzeug des ADAC am Flughafen Hannover. Screenshot: FSX

Ungünstig, dass Microsoft dem FSX quasi eine technische Schranke eingebaut hat. Selbst auf leistungsstarken Gaming-Rechnern ist aus dem Programm nicht mehr rauszuholen. Der Grund: FSX läuft als 32-Bit-Anwendung und kann deshalb maximal 4 GB RAM nutzen. Rein technisch gesehen kann diese (veraltete) Software also nicht das Potential eines neuen Rechners ausschöpfen.

Was FSX-Fans trotzdem bei Laune hält, sind die schier unendlich vielen, teils kostenlosen Add-Ons. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Flugzeuge, Hubschrauber und Szenerien. Obwohl das Programm in Amerika entwickelt worden ist, gibt es auch in Deutschland einige fotorealistische Szenerien und Flugzeuge, die so tatsächlich auch an den Flughäfen anzutreffen sind. Leider besteht der Traffic, also die sonst noch umherfliegenden Maschinen, nur aus den Default-Flugzeugen und muss bei Bedarf (etwas aufwendig) händisch ersetzt werden. Dann kann auch mal eine Lufthansa-Maschine vor einem landen statt der langweiligen Orbit- oder Pacifica-Flugzeuge.

Preis: 15 Euro
Flight Simulator X – Professional Edition, z. B. bei Aerosoft

Empfohlene Addons für FSX: Landschaftsszenerien VFR Germany Nord / West (2010) / Ost / Süd, German Airports 2 (2012), World Of AI (kostenlos) oder Ultimate Traffic 2, Helipack X 2.0 (kostenlos)[Must-Have!]

Screenshots: Sehen Sie hier!

Wie Sie Ihren FSX optimieren können? – Hier klicken!

Update: Microsoft hat im Juni 2019 eine Neuauflage seines beliebten Flight Simulators angekündigt – Lesen Sie hier die ersten Informationen!

Lockheed Martin Prepar3D®

Mit P3D hat Lockheed Martin eine Weiterentwicklung des FSX hervorgebracht. Das Programm selbst hat im Vergleich zum FSX einige Vorteile, insbesondere was die Performance angeht. Die Grafikleistungen sind verbessert worden und: Viele FSX-Addons sind im P3D kompatibel! Hersteller Lockheed Martin betont, dass neben Privatpiloten und Berufspiloten auch das Militär das Flugsimulations-Programm benutzt. Je nach Einsatzzweck und gewünschten Programm-Features müssen verschiedene Lizenzen erworben werden, von der Academic License für 60 US-Dollar bis zur Professional Plus License für 2.300 US-Dollar. Die teuerste Variante sieht unter anderem militärische Combat-Missionen vor.

Preis: ab 60 US-Dollar
Prepar3D® V4, direkt beim Hersteller


Laminar Research X-Plane

Wer in erster Linie Wert auf ein fotorealistisches Grafikerlebnis legt, sollte sich für X-Plane entscheiden. Zwar ist die Systemtiefe, also die Realitätsnähe was die technischen Abläufe im Cockpit angeht, nicht so hoch (Anm. d. Red.: Für Laien aber immernoch sehr hoch!), die Abbildungsleistung ist dafür aber unerreicht. Mit verschiedenen Addons für X-Plane 11 wird dem Benutzer ein unerreichtes Realitätsgefühl ermöglicht, was den Sichtflug (VFR) angeht.

Bild: Screenshot X-Plane 11
Erstflug mit Default-Grafik- und Landschaftseinstellungen über Deutschland (Deister, Ith, Solling). Screenshot: X-Plane 11

Wer vom FSX auf X-Plane umsteigt, wird sich vor allem darüber freuen, dass für ein gutes VFR-Erlebnis nicht erst teure Addons notwendig sind. Die sehr gut erkennbare Landschaft im oben gezeigten Screenshot ist man mag es kaum glauben »default«, also im handelsüblichen Computerprogramm bereits so eingepflegt. Beim FSX hätte es hier eine automatisch generierte Landschaft gegeben, die mit der Realität so gar nichts zu tun gehabt hätte. Dafür kommt X-Plane 11 aber auch mit satten sieben DVDs daher, die nach schnell abrufbarem Festplattenspeicher verlangen. Eine SSD-Festplatte mit schneller Leserate ist da sehr empfehlenswert.

Preis: 70 Euro
X-Plane 11, z. B. bei Aerosoft

Empfohlene Addons für XP11: Szenerie Ortho4XP
Screenshots: 


Andere Flugsimulatoren

Über die drei oben genannten Varianten der Flugzeug-Simulation hinaus gibt es weitere Programme wie FlightGear (kostenlos) und in Teilen den Kriegs-Simulator DCS World (kostenlos), in dem Sie neben Panzern auch Militärhubschrauber und Kampfflugzeuge durch die Schlachtfeld-Szenerie steuern können.

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Flugsimulator Hardware

Ebenso wichtig wie die Wahl der (für jeden selbst) richtigen Software ist die Wahl der Hardware für den Flugsimulator.

Computer für Flugsimulation

Flugsimulationen erfordern zuallererst einen leistungsstarken Rechner, sonst wird der Spaß mit Sicherheit getrübt. Beginnen Sie neu mit dem Hobby, greifen Sie am Anfang etwas tiefer in die Geldbörse und kaufen Sie einen Rechner, der auch in zwei Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört. Unsere Empfehlung für eine Rechner-Konfiguration für einen privaten Flugsimulator (Stand: August 2018):

Komponente Preis
Mainboard: Asus ROG Strix Z270F Gaming 170 €
Prozessor: Intel Core i7 7700K (4x 4.20 GHz) 360 €
Grafikkarte: Asus GeForce GTX 1080Ti ROG Strix 11 GB 900 €
Speicher: 2x Corsair 16 Vengeance LPX DDR4-3000 150 €
Tower: Crystal Series 570X RGB 160 €
Netzteil: Corsair RM750i 130 €
Lüfter: Noctua NH-D15 85 €
Summe 1.955 €

Für die technische Grundlage werden also schon einmal knapp 2.000 Euro fällig. Die übrigen 45 Euro investieren Sie am besten in ein Betriebssystem. Sie haben dann einen Top-Rechner, auf dem Sie nicht nur den Flugsimulator betreiben können, sondern auch alle anderen aktuellen Gaming-Klassiker flüssig spielen können.

Für die Flugsimulation fehlen allerdings noch einige Komponenten. Wer Spaß an seiner Konfiguration haben möchte, sollte sie mit mindestens zwei Monitoren betreiben. Es empfiehlt sich sogar, drei Monitore zu nutzen: Zwei größere für den Sichtbereich und einen kleineren für die Instrumentierung oder die GPS-Movingmap. Letzterer kann auch ein Touchscreen-Monitor sein, damit Sie das GPS-Modul in der Software auch per Fingertipp bedienen können.

Monitore Preis
Sichtbereich: 2x Samsung U28E590D / 28″ (4K/UHD) 640 €
Instrumente: Beetronics 15TS5 / 15″ (Touchscreen)
390 €
Summe 1.030 €

Die Summe für die grundlegende Hardware beträgt bis hierhin also rund 3.000 Euro. Diesen Betrag müssen Sie tatsächlich mindestens investieren, wenn Sie auf Dauer Freude an der Flugsimulation haben möchten.

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Home Cockpit für mehr Spaß

Wer nun mit einem solchen Super-Rechner und einem der aktuellen Simulatoren (P3D, X-Plane) in seinem Arbeitszimmer sitzt und losfliegen möchte, wird schnell feststellen, dass irgendwie noch immer etwas fehlt. Zwar läuft alles flüssig und macht schon viel Spaß, aber irgendwie ist die »Experience« nicht wie erwartet. Und fest steht: Das schlimmste ist, das Luftfahrzeug über eine Computer-Maus zu steuern.

Die erste Anschaffung nach der Grundausstattung sollte deshalb ein »Joystick« sein. Es gibt günstige Modelle, die sogar eine Leistungskontrolle und ein Seitenruder integriert haben. Wer nicht gleich nochmal mehrere hundert Euro in Einzelkomponenten investieren will, kann für den Anfang zum Beispiel den Speedlink Black Widow XE Flightstick für 60 Euro nutzen.

Bild: privater Flugsimulator in Basis-Konfiguration
Privater Flugzeug-Simulator auf FSX-Basis mit Saitek-Hardwarekomponenten. Foto: Weber

Hat sich der Kontostand von der Anschaffung des Rechners erholt, empfiehlt es sich aber schon, einzelne Hardware-Komponenten anzuschaffen, um dem Realitätsgefühl Sorge zu tragen und schlicht mehr Freude an dem neuen Flugsimulator zu haben. Empfehlenswert sind insbesondere die Saitek-Panels. Saitek hat sie ursprünglich für den FSX hergestellt, mit dem sie auch via Plug&Play hervorragend harmonieren. Inzwischen hat Logitech den Vertrieb übernommen.

Als erstes benötigt man eine gute Steuerungseinheit. Weil Sie in der Regel verschiedene Flugzeugmuster fliegen möchten, brauchen Sie im Grunde beide Steuerungsmöglichkeiten: Einen sogenannten Yoke und einen (Side-)Stick.e Mit einem Yoke, also einem Steuerhorn, sind beispielsweise die Boeing 737 und die Cessna 172 ausgestattet. Beim Airbus A320 und verschiedenen kleineren Flugzeugen (wie Aquila A210) wird aber über einen Stick gesteuert. Auch wer virtuell im Hubschrauber fliegen möchte, wird mit einem Yoke garantiert nicht glücklich. Im Grunde benötigen Sie beides. Der geringste Nenner für alles wäre aber ein Stick.

Hardware von Saitek

Der chinesisch/schweizerische Hersteller Saitek hat speziell für den FSX eine Reihe an Hardware-Komponenten entwickelt. Sie ermöglichen die haptisch verbesserte Bedienung des Flugsimulators.

Komponente Zweck
Saitek ProFlight Switch Panel verschiedene Schalter für Triebwerksstart, Beleuchtungs-Einrichtungen am Flugzeug und Fahrwerk (wenn vorhanden)
Saitek ProFlight Multi Panel [Empfehlung] Autopilot-Modul unter anderem mit Einstellmöglichkeiten für Kurs, Höhe, Geschwindigkeit; zusätzlich Trimmrad und Landeklappen-Wahlhebel
Saitek ProFlight Radio Panel
Flugfunk-Modul, für die AI-Kommunikation mit den Flughäfen oder zum Peilen von VOR/NDB/ILS-Localizern (für Fortgeschrittene)
Saitek ProFlight Instrument Panel Mini-LCD-Monitor zur Darstellung der Cockpit-Instrumentierung eines Kleinflugzeugs, individuell wählbare Avionic-Anzeige (mindestens drei oder sechs benötigt, um Spaß zu machen)
Saitek ProFlight Backlit Panel hintergrund-beleuchtetes Info-Panel für die Anzeige verschiedener Systemmeldungen wie Master Caution, Fuel Low usw. (nicht mehr vom Hersteller erhältlich)
Saitek X52 Pro Flight stabiler Flight Stick für Rechtshänder; mit zusätzlichem externen Schubregler für die Steuerung der Triebwerkleistung
Saitek ProFlight Yoke massives Steuerhorn mit Timer und zusätzlicher externer Throttle-Einheit (Steuerung der Triebwerkleistung per Hebel)
Saitek ProFlight Rudder Pedals Steuer-Einheit für das Seitenruder (Pedale zur Fuß-Bedienung)

Möchten Sie über alle oben genannten Komponenten verfügen, müssen Sie nochmals tief in den Geldbeutel greifen.

Komponenten Preis
Stick 180 €
Yoke
150 €
Switch Panel
70 €
Multi Panel
90 €
Radio Panel
100 €
Backlit Panel
150 €
3x Instrument Panel 390 €
Rudder Pedals
140 €
Summe 1.270 €

Aber Achtung: Bei der Verwendung der Saitek-Panels in Kombination mit P3D und insbesondere X-Plane kann es zu Problemen kommen. Zwar gibt es von Seiten des Herstellers neue Installer für diese beiden Simulatoren, jedoch wird in Internetforen immer wieder von Kompatibilitätsschwierigkeiten berichtet.

Darüberhinaus könnte für Sie ein sogenannter Head Tracker interessant sein. Wir werden in Kürze näher darüber informieren.

Hülle Marke Eigenbau

Nun haben Sie möglicherweise alle Hardware-Komponenten eingekauft, müssen Sie aber noch irgendwo unterbringen. Es gibt Fertig-Lösungen wie das XTOP Pro Flight Panel, Sie können mit ein wenig handwerklichem Geschick aber auch selbst tätig werden und so Kosten sparen. Für ein aus Pressspanplatten selbst zurechtgeschnittenes Flugsimulator-Case kommen folgende Aufwendungen auf Sie zu (Vorhandensein von nötigem Werkzeug vorausgesetzt):

Komponente Preis
Material
(Holzplatten, Schrauben, Schleifpapier, Deckfarbe, Verkabelung)
200 €
Arbeitszeit
(fürs Ausmessen, Zuschneiden und Zusammenbauen)
12 Stunden

Allround-Simulator vs. High-Class-Nachbau

Der Vorteil eines Selbstbau-Home-Cockpits: Sie allein entscheiden, wie Sie es umsetzen! Wenn klar ist, dass Sie immer wieder mit anderen Luftfahrzeugen unterwegs sein wollen, können Sie die Anlage ganz auf ihre speziellen Bedürfnisse zuschneiden. Denn was nützt Ihnen ein originalgetreuer Boeing-737-Simulator, wenn Sie mal Lust auf einen Hubschrauberflug haben?

Es ist also immer eine Gratwanderung zwischen Realismus und Vielseitigkeit. Wer das eine will, kann nicht das andere haben.

Realismus Vielseitigkeit
Bis ins letzte Detail originalgetreu nachgebauter Boeing-737-Simulator:
Höchst realistisch, aber auf dieses eine Luftfahrzeugmuster begrenzt
Der selbst gebaute Allround-Simulator:
Höchst unrealistisch, aber man kann alle Luftfahrzeuge gut steuern und kontrollieren

Eigenbau-Cockpits, die sich nicht an einem bestimmten Original orientieren und beispielsweise ein Hybrid aus Kleinflugzeug-, Kampfjet- und Hubschrauber-Simulator sind, werden in der Szene oft belächelt. Klar: Was Instrumenten-Aufteilung (Aviatik) und Steuerelemente (Stick/Yoke, Rudder Pedals) angeht, gibt es kein einziges Luftfahrzeug auf der Welt, das tatsächlich so herumfliegt.

Gleichzeitig werden bis ins Detail nachgebaute Cockpits von Boeing- oder Airbus-Maschinen buchstäblich in den Himmel gelobt. Dabei ist es vermutlich sogar weniger schwer, die Konstruktion nach Daten aus den Original-Plänen nachzubauen und anschließend industriell gefertigte Module einzusetzen, als sich selbst mit Maßband und Zeichenbrett ans Werk zu machen, um die für sich perfekte Lösung zu finden.

So oder so: Es bleibt vermutlich immer ein Glaubenskrieg wie »Köln oder Düsseldorf«, »Canon oder Nikon«, »Bier oder Wein« oder – um in der Luftfahrt zu bleiben – »Airbus oder Boeing«. Wir nehmen aber mal an, dass wir uns in diesem Artikel für einen Allround-Simulator interessieren, weil wir erst in die Welt der Flugsimulation einsteigen. Ein 100 Prozent »originalgetreuer Nachbau« ist vielleicht in Zukunft ein Thema und sollte an dieser Stelle eher der Vollständigkeit halber erwähnt worden sein.

Grafik: Trennstrich

Das kostet ein Flugsimulator

Prinzipiell gibt es, wie es so schön heißt, keine Grenze nach oben was den Preis für einen Flugsimulator angeht. Professionelle Simulatoren für die Ausbildung von Berufspiloten können schon mal mehrere hunderttausend Euro kosten. Dagegen ist der Preis für den Hausgebrauch-Simulator moderat. Für die Basis-Konfiguration des Hobby-Simulators sollten knapp 5.000 Euro eingeplant werden.

Komponente Preis
Flugsimulator-Software 100 €
Add-Ons* 100 €
Rechner (Konfiguration siehe oben) 2.000 €
Monitore 1.000 €
externe Hardware (Saitek-Komponenten, siehe oben) 1.300 €
Home Cockpit 200 €
Sonstiges (irgendwas ist ja immer) 100 €
Summe 4.800 €

*) Mindestinvestition für die realistische Darstellung des Heimatflughafens, der Landschaft in Deutschland und des Traffics

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Unsere Empfehlung

Die Entscheidung für einen bestimmten Simulator muss letztlich natürlich jeder selbst fällen. In erster Linie ist wichtig, sich darüber klar zu werden, was man möchte. Wer noch einen älteren Rechner mit mindestens Pentium-i3-Chip, einer Grafikkarte mit 512 MB aktivem Speicher und 4 GB RAM zu Hause hat und nur erste Erfahrungen mit der Flugsimulation sammeln möchte, dem sei der geringen Investitionskosten wegen (Rechner vorhanden, Programm kostet 15 Euro) definitiv der FSX empfohlen. Zum Reinschnuppern reicht der allemal. Erweitern kann man immer noch.

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Wer von vornherein weiß, dass er in der Welt der Flugsimulation richtig durchstarten möchte, hat im Grunde nur die Wahl zwischen P3D und X-Plane. In der Regel ist keine dafür perfekt geeignete Hardware (Computer, Monitore, zusätzliche luftfahrtspezifische Hardware) vorhanden, sodass sie erst für mehrere tausend Euro angeschafft werden muss. Dabei ist es dann eher unerheblich, ob die Wahl auf P3D oder X-Plane fällt. X-Plane ist zwar etwas ressourcen-intensiver, aber beide Simulationen sind verglichen mit dem FSX ungefähr auf einem Level.

Legen Sie weniger Wert auf technische Abläufe im Flugzeug, dafür aber auf fotorealistische Grafik, entscheiden Sie sich unbedingt für X-Plane! Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, in naher Zukunft eine Privatpiloten-Lizenz (PPL-A) zu erwerben und Verfahren im virtuellen Flugzeug zu trainieren, greifen Sie lieber zum P3D. Doch keine Angst: Auch in X-Plane können Sie Ihre Maschine wie in der Realität starten (Master Switch on, Beacon on, Fuel Pump, Ignition/Start usw.). Für Einsteiger bietet X-Plane definitiv genug Systemtiefe. Das Gros der Knöpfe und Schalter sind bedienbar. Nur wenn Sie sehr kleinteiliges technisches Wissen in der virtuellen Maschine anwenden wollen und es ihnen mehr darauf als auf die Grafik ankommt, nutzen Sie P3D.

Und letztendlich bleibt die Überlegung, welches Home Cockpit Sie für Ihren Simulator verwenden wollen. Zum Einstieg ist ein Basis-Modell mit einigen Instrumenten und Steuer-Elementen ausreichend und sinnvoll, auch wenn es kein realistisches Vorbild für ein Allround-Home-Cockpit gibt. Sie können mit ihm aber alle Luftfahrzeug-Muster einmal ausprobieren, ohne sich auf eine bestimmte Maschine beschränken zu müssen.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.

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