Höhenflug für Jedermann: Wie hoch kommen Hobby-Mitflieger in die Luft?

Cessna 172 Altimeter
Kleinflugzeuge fliegen vergleichsweise tief. Bei 2.265 Fuß ist noch deutlich Luft nach oben. Foto: Weber

Wer hoch hinaus will, kann bei unzähligen Anbietern Flüge buchen und sich die Welt von oben anschauen. Oft genügt dafür ein einfaches Mittelstrecken-Ticket. Doch wo ist die Grenze, wie hoch geht es maximal in den Himmel? Ein Überblick.

Fest steht: Höhenrekorde werden nicht am Flugplatz um die Ecke geknackt. Kleinflugzeug-Klassiker wie die Cessna 172 kommen auf eine maximale Höhe von rund vier Kilometern (13.000 Fuß), dann ist Schluss. Mit druckertüchtigten Turboprop-Maschinen wie der Bombardier Dash-8 geht es immerhin bis auf acht Kilometer (26.000 Fuß), mit der Socata TBM 850 auf gut neun Kilometer (31.000 Fuß). Doch auch das sind vergleichsweise wenig außergewöhnliche Höhen.

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Wie hoch fliegt ein Flugzeug?

Deutlich interessanter wird es bei den Jets. Fakt ist: Mitflieger, die es in ungewöhnlich hohe Sphären zieht, müssen zumindest mit einem Strahlflugzeug reisen, also einem, das von Turbinen angetrieben wird. Die typischen Mittelstrecken-Reiseflugzeuge von Airbus und Boeing sind auf gut zwölf Kilometer (40.000 Fuß) ausgelegt und genau dort liegt in der Regel auch die Grenze einer ökonomisch und ökologisch sinnvollen Flughöhe. Alles darüber hinaus lässt sich deshalb schon als außergewöhnlich betrachten. Immerhin: In einer Boeing 747 (der klassische Jumbojet) kann man theoretisch an der 14-Kilometer-Marke (45.000 Fuß) kratzen. Zwar wird dieses Maximum selbst auf Transatlantik-Flügen selten ausgeflogen, doch sind die Ticketpreise vergleichsweise erschwinglich.

51.000 Fuß mit Dassault Falcon oder Gulfstream Global

Noch höher geht es etwa in einer Dassault Falcon hinaus. Die Modelle 7X und 8X kommen  ebenso wie verschiedene Modelle der Gulfstream-Global-Reihe  auf eine Maximal-Flughöhe von 15,5 Kilometern (51.000 Fuß). Mehr als das ist mit herkömmlichen Flugzeugen nicht möglich. Allerdings beginnen die Charter-Preise solcher Business-Jets bei rund 6.000 Euro pro Stunde.

Dassault Falcon 7X
Mit einer solchen Dassault Falcon können Sie auf 51.000 Fuß steigen. Foto: Weber

Stichwort Weltraumtourismus

Jetzt wird es etwas abgehoben! Wer Kosten in solchen Dimensionen mit eventuell noch einigen Nullen mehr dahinter nicht scheut und wem 51.000 Fuß noch immer zu nah an der Erde sind, der sollte sich einmal mit dem Thema »Weltraumtourismus« beschäftigen. Aber Achtung: Die Situation in diesem Bereich ist unübersichtlich und wenig belastbar: Termine werden immer wieder verschoben, nichts ist konkret und ob es in den kommenden zehn Jahren tatsächlich solche großspurig angekündigten Flüge geben wird, ist durchaus fraglich.

Fakt ist: Aktuell gibt es keine verlässliche Möglichkeit, als Tourist in den Weltraum zu reisen. Die wenigen Weltraum-Touranbieter haben sich zwar immer wieder medial in ihrer Euphorie überschlagen, sind letztlich aber traurige Bruchpiloten geblieben. Einzig das Unternehmen »Space Adventures, Inc.« aus den USA reklamiert für sich, zwischen 2001 und 2009 tatsächlich eine Handvoll nicht speziell ausgebildete Menschen als Touristen ins All geschickt zu haben. Sie waren offenbar in russischen »Sojus«-Kapseln zur Raumstation »ISS« mitgeflogen.

Davon abgesehen gibt es drei superreiche Weltraum-Visionäre, die verschiedene Projekte für den Raumfahrt-Tourismus gestartet haben. Die Planungen reichen von Flügen in die Strato- und Mesosphäre bis in eine Mond-Umlaufbahn hinein. Langfristig sollen auch der Mond selbst und sogar der Mars angeflogen werden können.

Mond (Symbolfoto)
Der Mond ist 384.000 Kilometer (1,26 Milliarden Fuß) von der Erde entfernt. Heute geht es maximal 400 Kilometer hoch. Foto: Weber

Ein Überblick:

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  • Virgin Galactic: Für 250.000 US-Dollar auf 262.000 Fuß 

    Multimiliardär Richard Branson hatte bereits vor 14 Jahren angekündigt, ab 2007 kommerzielle Weltraumflüge anbieten zu wollen. Ab 2005 konnten Interessenten für je 20.000 US-Dollar Plätze reservieren. Hätte der Trip tatsächlich stattgefunden, wären nochmal 180.000 Euro extra fällig gewesen. Bis heute hat Branson niemanden ins All befördert. Außerdem hat er einige Mitarbeiter durch Unfälle verloren. Ein weiterer Rückschlag: Beim Absturz des Raumflugzeugs »VSS Enterprise« (Bauart »SpaceShipTwo«) Ende 2014 war nicht nur der Co-Pilot ums Leben gekommen, sondern auch die millionen-teure Maschine zerstört worden. Bis dahin hatte sie bei einem von zahlreichen Testflügen eine maximale Höhe von 22 Kilometern (72.000 Fuß) erreicht.

    Übrig blieb letztlich das Trägerflugzeug »VMS Eve« (Bauart »WhiteKnightTwo«). Als Ersatz für das abgestürzte Raumflugzeug wurde 2016 die »VSS Unity« vorgestellt, die erst vor wenigen Wochen (Stand: Mitte 2018) ihren ersten motorisierten Testflug absolviert hat. Wann nun allerdings die ersten Touristen ins All starten können, ist noch immer unklar. Fakt ist: Der Preis pro Sitzplatz hat sich inzwischen auf 250.000 US-Dollar erhöht und Virgin Galactic garantiert in seinen Verträgen gerade einmal eine Höhe von 80 Kilometern (262.000 Fuß). Zur Information: Die gedachte Grenze zum Weltall, die sogenannte Kármán-Linie, verläuft in einer Höhe von 100 Kilometern (330.000 Fuß).

    Bransons Idee für die Umsetzung: Ein Trägerflugzeug soll das Raumflugzeug auf eine Höhe von 15 Kilometern (knapp 50.000 Fuß) bringen. Dort wird es dann abgekoppelt und fliegt mit seinem Raketenantrieb in suborbitale Höhen.

    Internetseite: virgingalactic.com


  • Space X: Für 100 Millionen US-Dollar auf 1.300.000 Fuß

    Auch Multimiliardär Elon Musk (PayPal, Tesla) hat sich einiges vorgenommen. Mit seinem Projekt »Space X« will er einen Markt aufmischen, in dem auch er bis jetzt noch keinen einzigen Menschen ins All befördert hat. Musk plant zudem in etwas anderen Dimensionen. Schon Ende 2018 will er zwei Raumfahrttouristen in seiner »Dragon«-Kapsel in einer Höhe von rund 400 Kilometern (1.300.000) um den Mond kreisen lassen ungefähr auf Augenhöhe mit der Raumstation »ISS«. Medienberichten zufolge sollen sich zwei Mitflieger gefunden und auch schon das nötige Geld auf den Tisch gelegt haben. Nach Expertenschätzungen jeweils knapp 100 Millionen US-Dollar.

    Die Aussichten, dass es einen solchen Flug irgendwann geben wird, stehen vergleichsweise gut. Immerhin hat Musk bewiesen, dass er Dinge ins Weltall schicken und auch die Kármán-Linie deutlich überwinden kann: »Space X« unternimmt derzeit die Versorgungsflüge zur »ISS«. Eine Weiterentwicklung der bislang für den Materialtransport ausgelegten Weltraum-Kapsel soll die etwa einwöchige Reise für die beiden Reisenden einigermaßen bequem machen. Insgesamt soll die »Dragon V2« sieben Weltraumtouristen Platz bieten.

    Der geplante Ablauf: Eine Trägerrakete die »Falcon Heavy« – bringt die »Dragon«-Raumkapsel auf eine Mondumlaufbahn. Die Kapsel umkreist den Mond und wird anschließend zur Erde zurückgesteuert. Musks langfristiges Ziel ist übrigens die Besiedelung des Mars‘.

    Internetseite: spacex.com


  • Blue Origin: In einer Rakete auf den Mond irgendwann

    Der – so heißt es – reichste Unternehmer der Welt, Jeff Bezos (Amazon), hat ebenfalls ein Weltraum-Projekt gestartet. Er ist zuversichtlich, dass in spätestens 100 Jahren Industrieanlagen im Weltall aufgebaut werden können. Außerdem sollen Low-Cost-Reisen zum Mond möglich sein. Bezos‘ mittelfristiges Ziel: Raumfahrttourismus auf Höhe der Kármán-Linie, dem »Tor zum Weltraum«.

    Bezos‘ Unternehmen »Blue Origin« geht die Sache aber nicht überhastet an und nennt auch keine (unrealistischen) Termine. Über Kosten oder mögliche Platzreservierungen ist ebenfalls nichts bekannt. Aktuell wird für das Touristen-Programm die »New Shepard 3« getestet eine Rakete, die komplett zur Erde zurückkehrt und dann wiederverwendet werden kann. Medienberichten zufolge hat es bereits einige Testflüge in einer Höhe von etwa 100 Kilometern (330.000 Fuß) gegeben

    Die Idee: Die Rakete samt Touristen-Kapsel startet von der Erde und tritt in etwa 100 Kilometern Höhe in den Weltraum ein. Nach einigen Minuten geht es dann zurück in die Erdatmosphäre. Anschließend landet die Rakete genau so auf dem Boden, wie sie gestartet ist: Senkrecht mit den Triebwerken nach unten.

    Internetseite: blueorigin.com


Infografik maximale Flughöhen
Maximal erreichbare Höhen von Passagierflugzeugen und aktuellen Raumschiffen. Infografik: Weber

Gut gemeint, aber…

Weltraum-Tourismus steckt trotz allem noch nicht einmal in den Kinderschuhen. In Sachen Raumfahrt muss die Menschheit offensichtlich noch einiges anschieben, um nicht nur Gegenstände wie Satelliten oder Rover ins Weltall befördern zu können. Menschen kommen derzeit grundsätzlich nur bis zur »ISS« auf etwa 400 Kilometer Höhe. Und das in der Regel nur dann, wenn sie eine jahrelange Astronauten-Ausbildung absolviert haben. Ob eine solche Reise jetzt oder in einigen Jahren auch für normalsterbliche Weltraumtouristen möglich ist: Fraglich. Klar ist aber: Es ist noch ein sehr weiter Weg.

Fazit und Empfehlung

Wer nicht bis zur Massentauglichkeit des Weltraumtourismus warten möchte und schon jetzt möglichst hoch hinaus will, kann sich entweder ein Ticket für einen Transatlantik-Flug in einer Boeing 747 (maximal 45.000 Fuß) kaufen oder einen Privatjet chartern. Mit einem Dassault-Falcon-Flugzeug kommen Sie auf maximal 51.000 Fuß. Allerdings kostet der Vollcharter einer Falcon 7X auch mehr als 6.000 Euro pro Stunde.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.

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