Im Hubschrauber mitfliegen – Preise, Tipps & Tricks

Bild: Bell 407 D-HHBB
Flugplatzunabhängig: Ein Hubschrauber könnte theoretisch auch in Ihrem Vorgarten landen. Foto: Weber

Fliegen Sie doch mal in einem Hubschrauber mit! Rundflug ist nicht gleich Rundflug. Im Hubschrauber fühlt es sich nicht nur etwas anders an als im Kleinflugzeug, es sind auch ganz andere Flugbewegungen möglich.

Informieren Sie sich über den Mitflug im Hubschrauber, über die Kosten, die Vor- und Nachteile und einige Besonderheiten.

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Allgemeines zu Hubschraubern

Hubschrauber – auch Helikopter genannt – sind senkrecht startende Luftfahrzeuge. Sie verfügen nicht über Tragflächen und einen Propeller, sondern über einen angetriebenen Rotor mit zwei bis sechs Rotorblättern. Dadurch ist für das Fliegen keine Vorwärtsgeschwindigkeit nötig, der Rotor zieht die Kabine gewissermaßen hoch in die Luft.

Schon Leonardo da Vinci soll im 15. Jahrhundert Skizzen eines Hubschraubers gezeichnet haben. Bis zum ersten Flug eines sogenannten Drehflüglers dauerte es dann aber noch einige Jahrhunderte. Erst um 1901 gelang der Erstflug mit einer Konstruktion, die noch immer Grundlage aller Hubschrauber ist. Mit dem Unterschied, dass sich in den vergangenen 100 Jahren extrem viel in Sachen Sicherheit, Technik und Antrieb getan hat. Hubschrauber sind heute höchst moderne Fluggeräte. Sie werden nicht nur zum allgemeinen Transport, sondern auch als fliegende Intensivstation, als Einsatzmittel der Polizei oder für den VIP-Transfer der Bundesregierung eingesetzt.

Zulassungszahlen

Aktuell sind in Deutschland etwa 700 Hubschrauber zugelassen (Stand: 2017). Gemessen an den bundesweit insgesamt knapp 24.000 registrierten Luftfahrzeugen macht das einen Anteil von 3 Prozent aus. Im Schnitt sind also drei von hundert Luftfahrzeugen, denen Sie in Deutschland begegnen könnten, Hubschrauber. So selten wie der Luftfahrzeugtyp selbst sind leider auch die Gelegenheiten, die sich für Mitflüge bieten. Von den drei Prozent ist nämlich nochmal ein beachtlicher Teil von nicht-zivilen Nutzern registriert – also Polizei, Bundeswehr, Bundespolizei und privaten Hilfsorganisationen (ADAC, DRF). Ein Just-For-Fun-Mitflug dort: Unmöglich!

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Die gängigsten Hubschrauber-Modelle

Die Typen von Hubschraubern sind so vielfältig wie die von anderen Luftfahrzeug-Gattungen.

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Bild: Hubschrauber D-HHEX
Hughes 300C: Die minimalistische Bauweise erinnert an die Basics und kommt ohne viel Verkleidung aus. Foto: Weber

Es gibt kleine zweisitzige Maschinen wie den Hughes 300C (auch: Schweizer 300C), es gibt aber auch Transporthubschrauber der Bundeswehr, die bis zu 36 Soldaten oder auch schwere Lasten wie »Mungo«-Lastkraftwagen oder Luftlandepanzer vom Typ »Wiesel« befördern können – etwa den Sikorsky CH-53.

Bild: Sikorsky CH-53 seitlich
Mächtig: Der Bundeswehr-Hubschrauber Sikorsky CH-53 gehört zu den größten Transporthubschraubern. Foto: Weber

Zu den beiden in Deutschland am weitesten verbreiteten Hubschrauber-Modellen zählen der Eurocopter EC-135 (auch: Airbus Helicopters H135), der meist als Rettungs-, Polizei- oder Bundeswehrhubschrauber eingesetzt wird, sowie auf privater Ebene der Robinson R44.

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Was kostet ein Hubschrauber-Rundflug?

Bild: Cockpit-Ansicht aus dem Hubschrauber auf Hameln
Rundflug im Hubschrauber. Foto: Weber

Mitflüge in kleineren, nicht behördlich zugelassenen, Hubschraubern sind prinzipiell erschwinglich, aber schon deutlich teurer als eine Tour im Kleinflugzeug. Unter (militanten) Verfechtern der Flächenfliegerei hält sich die Aussage »doppelt so teuer, halb so schnell« im Hinblick auf Hubschrauber – und tatsächlich: Im wesentlichen ist das auch so. Man kann sogar sagen: Für den Mitflug im Hubschrauber wird eine mindestens doppelt so hohe Beteiligung fällig. Grund sind vor allem die vergleichsweise hohen Betriebskosten.

Ungünstig für den Geldbeutel ist zudem die Tatsache, dass es deutlich schwerer ist, an eine Mitfluggelegenheit im Hubschrauber zu kommen als im Kleinflugzeug. Es gibt nämlich weit weniger Hubschrauber-Piloten, die Mitflüge auf privater Ebene anbieten. Meist werden Hubschrauber von Unternehmen betrieben, bei denen die Maschine in erster Linie als Arbeitsgerät betrachtet wird und Geld verdienen soll.

Wem es trotzdem gelingt, sich eine private Mitfluggelegenheit in einem Hubschrauber zu sichern, wird sich fragen: Was darf ein Hubschrauber-Rundflug kosten? Die Antwort ist: Man kann davon ausgehen, dass folgende Preise angemessen und fair sind:

Hubschrauber Sitzplätze
Charter-Kosten pro Stunde Mitflug pro Stunde*
Robinson R22 2 400 €
 400 €
Robinson R44 4 750 € 250 €
Eurocopter EC-120 5 900 € 225 €

*) Pilot von Kostenbeteiligung ausgenommen

Es ist selbstverständlich auch möglich, im Rahmen von lokalen Events im Hubschrauber mitzufliegen. Größere Unternehmen buchen manchmal einen Hubschrauber für Rundflug-Möglichkeiten über das Firmengelände und die nähere Umgebung oder nächsten Ort. Fakt ist aber: In diesem Fall geht es ganz klar um Gewinnabsichten. Das Ticket kostet dann zwischen 35 und 40 Euro für etwa 8 Minuten reine Flugzeit. Und: Man kann dann die Route natürlich nicht mehr selbst bestimmen. Im besten Fall gelingt es Ihnen, Ihre Mitflieger von Ihrer Routen-Idee zu überzeugen.

Fakt ist jedenfalls: Wenn Sie einen Privatpiloten finden, der Sie in seinem zweisitzigen Hubschrauber mitnimmt, zahlen Sie etwa 400 Euro pro Stunde. Finden Sie zwei weitere Mitflieger und nehmen eine viersitzige Maschine, zahlen alle Mitflieger nur etwa 250 Euro pro Stunde. Vielleicht schauen Sie auch mal in einer der gängigen Mitflugzentralen im Internet nach einem passenden Angebot.

Übrigens: Wenn Sie kein konkretes Ziel haben, sondern einfach nur mal mitfliegen wollen, können auch sogenannte Empty Legs oder Leerflüge für Sie interessant sein. Sie bieten nämlich nicht nur Fluggästen im Privatjet eine günstige Mitfluggelegenheit, sondern eben auch Helikopter-Freunden.

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Vorteile und Nachteile

Wie bei allen anderen Luftfahrzeugtypen gibt es auch bei Hubschraubern Vorteile und Nachteile. Einzigartig ist die enorme Flexibilität was Flugbahn und Landeplätze angeht. Ein Hubschrauber kann senkrecht starten und landen und in der Luft gewissermaßen auf der Stelle schweben, also eine konkrete Position über einen langen Zeitraum halten – was dieses Luftfahrzeugmuster zur ersten Wahl von Luftbildfotografen macht (wenn es nicht auf die Betriebskosten ankommt). In der folgenden Tabelle finden Sie eine kompakte Übersicht der Vorteile und Nachteile des Hubschrauber-Mitflugs:

Vorteile Nachteile
unerreichte Wendigkeit  hohe Betriebskosten
kann auf der Stelle schweben geringe Reiseflug-Geschwindigkeit
weitgehend windunempfindlich
keine Landebahn nötig
optimal für Luftbildaufnahmen

Ausschlaggebend für eine Entscheidung ist letztlich der Zweck des Flugs und die persönlichen Präferenzen. Wer es lieber langsamer mag und schnell die Richtung ändern möchte, ohne allzu sehr in den Sitz gepresst zu werden, ist im Hubschrauber gut aufgehoben. Dafür muss er aber auch etwas tiefer in den Geldbeutel greifen.

Bild: EC120 Colibri D-HCLC
Eurocopter EC-120 Colibri. Foto: Weber

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Sicherheit im Vergleich

Wie sicher ein Hubschrauberflug im Vergleich zu anderen Luftfahrzeugtypen ist, lässt sich schwer beurteilen. Der Anteil der Unfälle an allen Zwischenfällen in der Luftfahrt entspricht ungefähr dem Anteil der zugelassenen Luftfahrzeuge, ist also weder besonders hoch noch besonders niedrig.

Grundsätzlich gilt: Gibt es keine Kollision in der Luft und bleiben alle wichtigen Bauteile intakt, wird ein Hubschrauber in der Regel nicht wie ein Stein vom Himmel fallen. Grund ist, dass sich der Rotor auch im Falle eines Triebwerk-Ausfalls weiter dreht und eine sogenannte Autorotation möglich ist, um den Hubschrauber noch immer einigermaßen sanft auf dem Boden aufzusetzen. Passieren kann immer etwas, aber: Sorgen Sie sich nicht, die Luftfahrt in Deutschland ist eine sehr sichere Sache!

Schon gewusst? – Hubschrauber wie der EC-135 fliegen bis zu 6.000 Meter (20.000 Fuß) hoch und 260 km/h schnell.

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Besonderheiten beim Hubschrauberflug

Einige Besonderheiten sind oben bereits erwähnt worden. Wichtig für Mitflieger in Hubschraubern ist außerdem:

  • Anweisungen befolgen! Wenn Sie in einen Hubschrauber mit laufenden Triebwerken einsteigen wollen, achten Sie unbedingt auf die Anweisungen des Boden- oder Bordpersonals.
  • Weg vom Heckrotor! Kommen Sie unter gar keinen Umständen dem Heckrotor zu nahe! Der Kontakt mit einem laufenden Heckrotor endet meist tödlich.
  • Nur von vorne! Nähern Sie sich dem Hubschrauber stets von vorn, wo Sie der Pilot im Blick hat.
  • Ducken Sie sich ruhig. Drehen sich die Rotorblätter über ihnen, während Sie auf die Hubschrauberkabine zugehen, ducken Sie sich ruhig leicht weg. Nötig ist es nicht unbedingt, aber wenn Sie sich dadurch sicherer fühlen, ist es durchaus legitim.

Wenn Sie schon erfahrenerer Mitflieger sind, beachten Sie trotzdem auch, dass Ihr Aviation Headset, mit dem Sie schon öfter im Kleinflugzeug mitgeflogen sind, in einem Hubschrauber ohne Adapter nicht ins Intercom-System eingestöpselt werden kann.

Schon gewusst? Eine Alternative zum Hubschrauberflug kann auch sein, dass Sie einmal in einem Tragschrauber mitfliegen.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.

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