Im Kampfjet mitfliegen – Möglichkeiten, Preise, Tipps

Bild: Aero L39 LX-SJW
Düsenjet zum Mitfliegen: Aero L39 Albatros LX-SJW in Paderborn. Foto: Weber

Ein Mal in einem Kampfjet mitfliegen? Diesen Traum können Sie sich erfüllen! Auch als Zivilist haben Sie die Gelegenheit, die Schallmauer zu durchbrechen oder bis an die Grenze des Weltraums zu fliegen.

Tatsächlich bedarf es aber einiger Recherche, um an eine solch exklusive Mitfluggelegenheit zu kommen. Wir geben einen Marktüberblick, nennen konkrete Preise für den Jetflug und erklären, warum sie derzeit nur in Russland in einem echten Kampfjet mitfliegen können.

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Ihre Möglichkeiten

Die Möglichkeiten fürs Mitfliegen im Kampfjet sind rar. Die Gründe dafür: Militär-Kampfflugzeuge wie der Eurofighter Typhoon sind als »Waffensystem« eingestuft und daher einem militärischen Nutzerkreis vorbehalten. Außerdem kostet ein Exemplar ungefähr 50 Millionen Euro.

Wenn Sie also mal im Düsenjäger mitfliegen möchten, kommen deshalb nur ältere, ausrangierte und abgerüstete Maschinen in Frage – meist Modelle aus sowjetischer Produktion. Es gibt es aktuell nur ein Unternehmen, das ein solches Mitflug-Erlebnis überhaupt ermöglicht. Einmal in Russland mit allem drum und dran und einmal in einer abgespeckten Version auch in Deutschland.

Aero L-39 Albatros ab Paderborn

Die »MiGFlug GmbH« bietet Mitflüge im Jagdflugzeug ab Paderborn an. Am Flughafen Paderborn-Lippstadt steht eine Aero L-39 Albatros (Foto exakt dieser Maschine siehe oben) bereit, die seit den 1970er Jahren in der Tschechoslowakei hergestellt wurde und verschiedenen Luftstreitkräften des Warschauer Pakts als Trainingsflugzeug diente. Ein 20-minütiger Flug schlägt nach Angaben des Veranstalters mit 2.600 Euro zu Buche, 30 Minuten im Kampfjet kosten 3.800 Euro (Stand: Januar 2019). Interessant: Der Pilot kann mit seinem Fluggast verschiedene Kunstflugfiguren absolvieren, zum Beispiel Loopings. Außerdem dürfen Sie den Düsenjäger in ausreichender Höhe auch mal kurzzeitig selbst steuern – so verspricht es der Anbieter. Größter Vorteil dieses Angebots ist sicherlich der Flug ab Deutschland und damit eine vergleichsweise kurze Anreise. Der größte Nachteil allerdings: Es ist kein Überschallflug möglich und um einen »reinrassigen« Kampfjet handelt es sich bei der Albatros auch nicht.

Kampfjet-Mitflug mit Überschall-Garantie und Stratosphärenflug

Wenn Sie als Zivilist in einem echten Kampfjet mitfliegen wollen, der Überschallgeschwindigkeit (etwa 1.200 Kilometer pro Stunde) erreicht, bleibt Ihnen derzeit nur eine Möglichkeit: Der Marktführer für Erlebnisreisen in Deutschland bietet in Kooperation mit der »MiGFlug GmbH« einen Überschall- und Stratosphärenflug in einer Mikojan-Gurewitsch MiG-29 ab Nischnii Nowgorod (Russland) an. Das heißt: Sie fliegen mehr als 2.000 km/h schnell und fast 20 Kilometer hoch!

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Das viertägige Komplettpaket kostet knapp 21.000 Euro. Darin enthalten sind Lufthansa-Shuttleflüge von/nach Frankfurt, S7-Shuttleflüge von/nach Moskau, Hotel-Transfer und Übernachtungen und einige andere Kleinigkeiten wie Verpflegung und Sightseeing. Die Flugdauer in der MiG-29 beträgt einmalig rund 50 Minuten. Auch dieser Anbieter verspricht Teilnehmern, das Flugzeug zeitweise einmal selbst steuern zu dürfen. Verzichten Sie auf das Drumherum des Wiederverkäufers und buchen ausschließlich den Flug ab Nischnii Nowgorod bei »MiGFlug«, werden nur 17.500 Euro für den Stratosphärenflug (Edge of Space) fällig. Einzige Bedingung neben Ihrer Bonität: Sie müssen gesundheitlich und körperlich fit sein.

Flugzeug Art Vmax Überschall Mitflug möglich?
Pilatus PC-7 Trainer (Prop) 400 km/h nein ja
BAC Jet Provost Trainer (Jet) 700 km/h nein ja
Aero L-39 Albatros Trainer (Jet) 750 km/h nein ja
Hawker Hunter Kampfjet 1.100 km/h nein ja
Mikojan-Gurewitsch MiG-15 Kampfjet 1.100 km/h nein ja
Mikojan-Gurewitsch MiG-29 Kampfjet 2.400 km/h ja ja
Panavia Tornado Kampfjet 2.400 km/h ja nein
Eurofighter Typhoon Kampfjet 2.900 km/h ja nein

Hintergrund: Maschinen der MiG-29-Reihe waren unter anderem bei der NVA im Einsatz, die mit der Wende von der DDR an die Bundesrepublik Deutschland abgegeben wurden. In den Jahren 2003 und 2004 überließ die Bundeswehr die Maschinen schließlich zu einem symbolischen Preis von 1 Euro pro Stück den Luftstreitkräften Polens. Interessant: Noch heute sind MiG-29 für die Russischen Streitkräfte im Einsatz. »MiGFlug« konnte neben weiteren Kampfjet-Modellen ein Exemplar dieses Typs erwerben und hat sich nun auf Mitflug-Events darin spezialisiert.

Weitere Angebote desselben Unternehmens sind etwa: 35 Minuten im BAC Jet Provost (ex Royal Air Force) ab London/UK für knapp 2.000 Pfund (2.160 Euro), 25 Minuten Hawker Hunter in den Schweizer Alpen für 7.500 Euro, 20 Minuten MiG-15 in Tschechien für 3.000 Euro – und ganz abgesehen von Kampfjets einen Zero-G-Flug mit einer Rockwell Commander 700 ab Tampa/USA für knapp 3.000 US-Dollar (2.650 Euro).

Schon gewusst? – Die Betriebskosten eines Eurofighters liegen bei 74.000 Euro pro Stunde!

Günstige Alternativen: In anderen Kampfflugzeugen mitfliegen

Während sich die Mitfluggelegenheiten in Kampfjets, also turbinengetriebenen Flugzeugen, sehr in Grenzen halten, gibt es die Möglichkeit, in anderen leichten Kampf- beziehungsweise alten militärischen Trainingsflugzeugen mitzufliegen, die per Propeller oder Turboprop-Turbine angetrieben werden. Oft handelt es sich dabei um Maschinen, die nur bedingt kunstflugtauglich sind, also kein echtes Top-Gun-Gefühl aufkommen lassen. Die Piaggio P.149 beispielsweise kann man keinesfalls als Kampfjet und wohl auch nicht einmal als Kampfflugzeug bezeichnen. Dabei war sie bis 1990 bei der Bundeswehr als Schulflugzeug für Jet-Piloten im Einsatz.

Bild: Piaggio P.149 D-EAXT
Solche Piaggio P.149 waren bis 1990 bei der Bundeswehr als Schulflugzeug im Einsatz. Foto: Weber

Es gibt jedoch einige weitere Alternativen von Flugzeugmustern, die als militärische Trainingsflugzeuge genutzt werden und auch in der zivilen Luftfahrt anzutreffen sind. Dabei handelt es sich auch nicht um Oldtimer, sondern aktuelle Maschinen. Ein Beispiel:

Pilatus PC-7 ab Tessin oder Locarno (Schweiz)

Ein Schweizerisches Unternehmen offeriert einen Mitflug in einer Pilatus PC-7 (HB-HTC). 60 Minuten Flug in der wendigen Turboprop-Maschine kosten 1.765 Schweizer Franken (1.500 Euro). Varianten der PC-7 sind für die Schweizer Luftwaffe und die Österreichischen Heeresflieger als Schulflugzeuge im Einsatz. Mit ihnen können die Soldaten Jet fliegen lernen.

Was kostet ein Mitflug im Kampfflugzeug?

Fakt ist: Die Kosten variieren je nach Modell zwischen 750 und 15.000 Euro pro 30 Minuten Flugzeit. Wer in einem Jet mitfliegen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen und zwingend nach Paderborn (Trainings-Jet mit 750 km/h Höchstgeschwindigkeit) oder ins Ausland (echter Kampfjet mit Überschallgeschwindigkeit) reisen. Wer sich mit einer Propeller-Variante zufrieden gibt, zahlt deutlich weniger und hat viel mehr Mitfluggelegenheiten. Die konkreten Preise im Vergleich:

Flugzeug Kosten für 30 Minuten
Pilatus PC-7 750 €
BAC Jet Provost 1.850 €
Aero L-39 Albatros 3.800 €
Mikojan-Gurewitsch MiG-15 4.500 €
Hawker Hunter 9.000 €
Mikojan-Gurewitsch MiG-29 15.000 €

Quelle: Flugkosten der jeweiligen Anbieter, stichprobenartig abgerufen im Januar 2019

Vorsicht! Es gibt im Internet Anbieter, die Sie mit Begriffen wie »Kampfjet fliegen ab 109€« locken, letztlich aber doch nur einen Mitflug in einem Propellerflugzeug anbieten. Lassen Sie sich nicht von solchen Angeboten blenden und schauen Sie genau, welches Flugzeug zum Einsatz kommen wird!

Fazit und Empfehlung

Fakt ist: Die Gelegenheiten im klassischen Kampfjet mitzufliegen sind rar. Die aktuell einzige Möglichkeit, in einem Flugzeug zu sitzen, das tatsächlich als militärischer Kampfjet (Combat Aircraft) genutzt wurde, ist das MiG-29-Angebot (siehe oben). Gleichzeitig ist es die derzeit einzige Option für Zivilisten für einen Flug in einem Überschall-Jet beziehungsweise einen Stratosphärenflug in 18 Kilometer Höhe (59.000 Fuß).

Bei allen anderen Maschinen handelt es sich lediglich um militärisch genutzte Schulflugzeuge (Military Jet Trainer) – teils mit Propellerantrieb –, aber keine echten Kampfjets. Die korrektere Bezeichnung wäre schlicht »militärisches Trainingsflugzeug«. Mit diesen Maschinen ist auch kein Überschallflug möglich, was der ein oder andere Interessierte sicher als eines von mehreren elementaren Aspekten für das persönliche Düsenjäger-Erlebnis betrachten könnte. Die folgende Tabelle verdeutlicht nocheinmal Vorteile und Nachteile im Vergleich mit der Aero L-39.

Aero L-39 MiG-29
Vorteile
  • Flugminute: 127 €
  • Flug ab Deutschland
  • echter Kampfjet
  • Überschallflug
  • Stratosphärenflug
Nachteile
  • Trainingsflugzeug
  • kein Überschall
  • Flugminute: 500 €
  • Flug ab Russland

Fühlen Sie sich fit für einen Jetflug? Falls nicht, informieren Sie sich doch einfach einmal über die alternativen Mitfluggelegenheiten! Zum Erreichen schneller Geschwindigkeiten oder großer Höhen eignen sich oftmals ebenso gut Privatjets oder schlicht Linienflugzeuge. Virtuell können Sie auch im Flugsimulator einen Kampfjet steuern.

So kommen Sie an einen Mitflug im Militär-Jet ab Paderborn!

Schritt 1: Kontaktieren Sie den Fluganbieter MiGFlug GmbH!

Schritt 2: Entscheiden Sie sich für einen Termin und buchen Sie einen Flug direkt beim Veranstalter!


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.

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