Mitflugzentralen – Kosten, Routen, Tipps & Tricks

Bild: Kleinflugzeug und Privatjet
Kleinflugzeug oder Privatjet? Mitflugzentralen eröffnen spannende Gastflug-Möglichkeiten. Foto: Weber

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, in einem Kleinflugzeug die Welt zu entdecken? »Flight Sharing« macht es möglich. Die sicherlich einfachste Möglichkeit einmal bei einem Privatpiloten mitzufliegen, ist die Nutzung einer Online-Mitflugzentrale.

Doch wie funktioniert das genau? Welche Kosten kommen beim privaten Mitflug auf einen zu? Und was müssen unerfahrene Flugbegeisterte beachten? Wir von air2air.de beantworten die häufigsten Fragen und zeigen alle Alternativen auf.

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Das Prinzip Mitflugzentrale

Wer schon immer einmal in einem Kleinflugzeug mitfliegen wollte, für den gibt es kaum bessere Bedingungen als jetzt. In Zeiten von Mitflugzentralen ist es einfacher als je zuvor, Kontakt zu Privatpiloten herzustellen und unkompliziert bei ihnen mitzufliegen. Mitflugzentralen bieten eine Art Mitfahrgelegenheit in der Luft. Und: Das ganze Drumherum ist erstaunlich simpel und viel einfacher als in der Linien- oder Urlaubsfliegerei.

Die Funktionsweise von Mitflugzentralen ist schnell erklärt. Das jeweilige Portal bringt Privatpiloten und Fluggäste zusammen und profitiert von einer Vermittlungsprovision. Der Fluggast freut sich über einen unkomplizierten Buchungsablauf, Piloten freuen sich, notwendige Flugstunden sammeln und die Kosten teilen zu können. Eine Win-Win-Win-Situation und damit rein wirtschaftlich betrachtet Garant für ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Die drei bedeutendsten Unternehmen in diesem Bereich sind Wingly, Flytclub und Coavmi.

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Kleinflugzeug oder Privatjet?

In der Regel werden in den Mitflugzentralen Rund- oder Streckenflüge mit Klein- oder Ultraleichtflugzeugen angeboten. Etwa 90 Prozent der inserierten Flüge dürften sich in dieser Kategorie bewegen. Es gibt aber prinzipiell auch die Möglichkeit, im Hubschrauber oder sogar im Privatjet mitzufliegen. Selbst Kunstflug fliegen ist möglich. Meist bewerben die Mitflugzentralen solche Angebote besonders, etwa auf ihren Social-Media-Kanälen.

Gängige Luftfahrzeuge in Mitflugzentralen:
Kleinflugzeuge Ultraleichtflugzeuge Tragschrauber
Heißluftballone Segelflugzeuge Privatjets
Hubschrauber Motorsegler

Ungewöhnliche oder weit entfernte Ziele sind zwar eher selten, werden aber durchaus hin und wieder eingestellt.

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Kosten für einen Mitflug

Durch den »Sharing«-Charakter bewegen sich die Mitflugpreise im untersten Bereich. Die tatsächlich entstandenen Kosten werden ermittelt und fair durch die Zahl der Mitflieger geteilt. Der Pilot macht ausdrücklich keinen Gewinn mit seinem Flug und zahlt in der Regel sogar selbst den vollen Anteil mit.

Angenommen, eine viersitzige Cessna 172 kostet den Piloten 200 Euro die Stunde, dann betragen die Kosten für jeden Mitflieger pro Stunde etwa 50 Euro. Allerdings verlangen die Mitflugzentralen eine Provision für ihre Vermittlungs-Dienstleistung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die jeweiligen Provisionssätze (Stand: 2018).

Mitflugzentralen im Vergleich

Anbieter Provision
Coavmi
n/a
Flytclub
10 %
Wingly
10 – 15 %

Letztlich trägt also der Fluggast die Provision. Wer einen Rundflug für 50 Euro bucht, der zahlt den Mitflugzentralen etwa 5 Euro Vermittlungsprovision. Der Pilot bekommt 45 Euro. Viele Piloten werden deshalb die 10 Prozent auf den Ticketpreis aufschlagen und im Beispiel von vornherein 55 oder 56 Euro verlangen. Will man  aus welchen Gründen auch immer die Mitflugzentralen nicht unterstützen, bleibt einem nur, den persönlichen Kontakt zu Piloten zu suchen.

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Unkomplizierte Buchung

Fakt ist aber: Die Buchung ist für Fluggäste sehr unkompliziert. Keine mündlichen Absprachen oder langwieriges Kontakte-Knüpfen am Flugplatz. Über eine Karte oder den Wohnort lassen sich die Angebote der Piloten einsehen. Dort ist vermerkt, welcher Pilot wann wohin fliegen möchte und mit welchem Flugzeugmuster. Außerdem gibt es Informationen über die Lizenz und Identität des Piloten, mit dem man möglicherweise mitfliegen wird. Ist ein Angebot gefunden, wählt man die Zahl der zu buchenden Sitzplätze aus und schließt den Schritt ab. Mit Zahlung des Betrags via Kreditkarte, Paypal oder Lastschrift ist der Flug verbindlich gebucht.

Bis zum vereinbarten Termin behält die Mitflugzentrale das eingegangene Geld. Wenn der Flug tatsächlich stattgefunden hat, bekommt der Pilot die Gebühr abzüglich der Vermittlungsprovision ausgezahlt. Findet der Flug nicht statt, weil beispielsweise das Wetter für einen Flug nach Sichtflugbedingungen zu schlecht gewesen ist, bekommt der Fluggast das Geld in voller Höhe erstattet.
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Beispiel-Angebote von Mitflugzentralen

Egal für welches Luftfahrzeugmuster Sie sich entscheiden: Meist sind es innerdeutsche Streckenflüge bis zwei Stunden Dauer oder die obligatorische Runde um den Kirchturm, die in Mitflugzentralen angeboten werden. Die folgende Tabelle zeigt einige ausgesuchte Beispiele für Mitflugangebote:

Flug Maschine Kosten pro Sitz
Streckenflug
Strausberg (Berlin) – Heringsdorf (Usedom)
Cessna 172 59 €
Streckenflug
Bad Pyrmont (Hameln) – Norderney
Robin DR-400 113 €
Streckenflug
Hannover – Neujellingsdorf (Fehmarn)
Socata TB-20 121 €
Streckenflug
Hamburg – Inverness (Schottland)
Diamond DA-42 348 €
Kunstflug 30 Minuten
Flughafen Saarmund
Zlin Z-226 153 €
Kunstflug 30 Minuten
Flugplatz Mengen (Baden Württemberg)
Christen Eagle 271 €
Rundflug 60 Minuten
über Köln
Piper PA-44 130 €
Streckenflug
Augsburg – Son Bonet (Mallorca)
Piper PA-46 595 €
Streckenflug
Zweibrücken – Zürich
Cessna 421 125 €
Rundflug 60 Minuten
Hildesheim – Hannover – Steinhuder Meer – Hildesheim
Robinson R44 205 €
Alpen-Rundflug 30 Minuten
ab Zihlschlacht-Sitterdorf (Schweiz)
AS350 Ecureuil 150 €

Zusammenfassung: Weber / Stand: Dezember 2018

Flüge auf die deutschen Inseln gibt es in den Sommermonaten regelmäßig aus der ganzen Bundesrepublik. Die Kosten dafür hängen von der benötigten Zeit ab, bewegen sich aber grob bei etwa 100 bis 200 Euro pro Weg und Sitz.

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Was muss man beachten?

Wenn Sie sich mit der Luftfahrt oder der General Aviation noch nicht so recht auskennen, verhalten Sie sich am besten immer passiv und hören genau auf das, was der Pilot Ihnen sagt. Es gibt viele Fettnäpfchen, in die Sie hineintreten können. Übrigens: Um Ihre Sicherheit müssen Sie sich prinzipiell keine Sorgen machen! Der Mitflug im Kleinflugzeug in Deutschland ist eine sehr gefahrlose Angelegenheit. Und falls doch etwas passieren sollte, sind Sie über den Piloten mitversichert.

Besonderheiten am Flughafen

Wenn Sie von größeren Flughäfen fliegen, gelten einige spezielle Randbedingungen, die Sie insbesondere, wenn Sie zum ersten Mal mitfliegen, interessant finden werden. Fun-Fact: In Hannover beispielsweise werden Sie auch im Kleinflugzeug sitzend von einem Follow-me-Car zur Parkposition geleitet.

Bild: Follow-me-Car
Am Flughafen Hannover kommen auch Kleinflugzeuge in den Genuss eines Follow-me-Cars. Foto: Weber

Darüberhinaus ist die Abfertigung an größeren Flughäfen etwas anders als an kleineren unkontrollierten Flugplätzen. Wer mit seinem Piloten von einem Verkehrsflughafen (z. B. Hannover-Langenhagen) startet, sollte eine Sicherheitskontrolle am Terminal (GAT) einplanen. Dort wird ähnlich kontrolliert wie in den übrigen Terminals – also so, wie Sie es von Ihrem Urlaubsflug kennen. Das heißt: Das Gepäck wird durchleuchtet, bestimmte Gegenstände sind verboten und dürfen nicht mit in den Sicherheitsbereich genommen werden. Einzig die Warteschlangen sind dort nicht annähernd so lang.

Tipp: Wer ein Getränk mit ins Flugzeug nehmen möchte, sollte es vor der Kontrolle dem Piloten übergeben. Im Gegensatz zu Passagieren darf er nämlich Flüssigkeiten mitführen. Gegebenenfalls reicht es aber auch aus, wenn er den Sicherheitsmitarbeitern (im GAT meist Bundespolizisten) kurz bestätigt, dass die Mitnahme für ihn als Piloten okay ist.

Schon gewusst? – Ein Sitz im Kleinflugzeug ist meist günstiger als ein Platz im Taxi!

Wenn sie noch nie als Gast in einem Kleinflugzeug mitgeflogen sind, empfehlen wir Ihnen auch die Ratgeber-Themen »Tipps fürs Mitfliegen« und »Flugplatz-Regeln für Einsteiger«. Sie werden dort garantiert nützliche Informationen finden.

air2air.de wünscht schon jetzt einen guten Flug!