Flugzeug selber fliegen ohne Pilotenschein

Bild: Privatpilot am Steuerhorn
Selbst ein Flugzeug steuern ist einfach und im Luftraum über Deutschland sogar offiziell möglich. Symbolfoto: Weber

Selber fliegen ohne Pilotenschein – das soll möglich sein? Die Antwort ist: Ja! Tatsächlich können Sie selbst einmal das Steuer eines Flugzeugs übernehmen. Nicht am Boden, nicht im Simulator, sondern in der Luft.

Kleiner Tipp: Das Stichwort lautet »Schnupperflug«. Lesen Sie jetzt auf air2air.de, welche Möglichkeiten Ihnen offenstehen, einmal selbst ein Flugzeug zu fliegen!

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Allgemeines

Das Fliegen eines Flugzeugs ist Sache von Profis. Trotzdem ist es aber auch möglich, selbst ein Flugzeug zu steuern, ohne Pilot zu sein. Unter Aufsicht eines erfahrenen Piloten dürfen Sie durchaus ganz offiziell und legal die Steuerung eines Luftfahrzeugs übernehmen. Natürlich nur in ausreichender Höhe und für einen kurzen Moment.

Privater Flug oder offizielles Event?

Im Internet gibt es einige Anbieter, die eigens Events für Flug-Interessierte planen. »Hubschrauber selber fliegen« wäre beispielsweise ein passendes Stichwort. Allerdings werden teils enorm hohe Preise aufgerufen. Für einen Mitflug im Kampfjet beispielsweise werden für 30 Minuten 3.800 Euro fällig. Und auch dort werden Sie nur für wenige Sekunden die Steuerung übernehmen dürfen.

Tipp: Auf jeden Fall günstiger kommen Sie davon, wenn Sie privat mitfliegen oder einen Gastflug bei einem Luftsportverein vereinbaren. Dann halten sich meist die Kosten in Grenzen, Sie müssen aber Wartezeit einplanen und die Möglichkeit, dass Sie zu leichten Hilfsarbeiten herangezogen werden – zum Beispiel das Aus- und Einhallen des Flugzeugs oder das Schieben des gelandeten Segelflugzeugs zurück zur Startstelle.

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Stichwort Schnupperflug

Viele Luftsportvereine bieten sogenannte Schnupperflug-Aktionen an, um in erster Linie den Nachwuchs für die Luftfahrt zu begeistern. Weil es dabei nicht nur ums reine Mitfliegen gehen soll, sondern das fliegerische Erlebnis als solches im Vordergrund steht, dürfen die »Schnupperflieger« auch mal selbst die Steuerung des Flugzeugs übernehmen.

Bild: Kind mit Gehörschutz vor Flugzeug
Schnupper-Angebote sind eine gute Gelegenheit für den ersten Kontakt mit der Fliegerei. Foto: Weber

Die populärsten Schnupperflug-Aktionen gibt es im Bereich der Segelfliegerei. Seien Sie Sich dabei aber immer dessen bewusst, dass Sie nicht mal eben schnell zum Flugplatz kommen und direkt die ein oder andere Platzrunde mit- oder selbst fliegen dürfen, sondern dass Sie auch mal mit anpacken müssen und es länger dauern kann, bis Sie endlich vorn im Segelflugzeug Platz nehmen dürfen. Meist sind die Segelschnupperflüge nämlich Teil eines ganzen Schnupper-Wochenendes. Der Vorteil allerdings: Die Kosten beim Segelflug sind sehr gering.

Schnuppertag beim Luftsportverein

Der Ablauf einer Schnupper-Aktion bei einem Luftsportverein ist in der Regel immer derselbe. Die klassische Reihenfolge:

  • Erste kurze Theorie-Einweisung (Flugplatzregeln)
  • Zweite kurze Theorie-Einweisung (Flugphysik und Flugzeug)
  • Praxis-Einweisung (Flugzeugtechnik und Abläufe)
  • Start des Schnupperflugs
  • Schnupperflieger übernimmt kurzzeitig die Steuerung
  • Landung und De-Briefing

Offizielles Selber-Fliegen-Event

Alternativ können Sie im Internet nach Stichwörtern wie »Pilot für einen Tag« suchen. Dann bewegen Sie sich aber auf einen etwas anderen Niveau, insbesondere was die Kosten für den Flug und das Drumherum angeht. So gesehen handelt es sich dann auch nicht mehr um einen Schnupperflug, sondern Sie werden behandelt wie ein Flugschüler bei seiner ersten Flugstunde. Ob ein Schnupperflug als privater Mitflug zählt, entscheidet letztlich der Anbieter. Meist wird es sich aber um ein offizielles Event handeln, sodass die Preise für dieses Erlebnis etwas höher sein wird als bei einem gewöhnlichen Rundflug auf privater Ebene.

Einige Beispiele für Selber-Fliegen-Events in Deutschland:

Event Kosten
Kleinflugzeug selber fliegen: Flugstunde unter Ausbildungsbedingungen (Schnupperflug) ab Uetersen bei Hamburg Cessna 152: 215 Euro
Cessna 172: 265 Euro
Cessna 172 mit G1000: 325 Euro
Hubschrauber selber fliegen ab Mönchengladbach (20 Minuten Einweisung, 60 Minuten Flug) Schweizer 300C: 839 Euro
Tragschrauber selber fliegen ab Meinerzhagen (60 Minuten Einweiseung und De-Briefing, 60 Minuten Flug) Magni M24: 299 Euro
Hubschrauber selber fliegen ab Essen-Mülheim (60 Minuten Flug) Robinson R44: 899 Euro

Interessanterweise wird das Selbstfliegen von Hubschraubern ungleich häufiger angeboten (bzw. offensichtlich auch nachgefragt) als andere Luftfahrzeugtypen.

Pinch Hitter Ausbildung

Eine Art erweiterte Alternative zum Schnuppertag, bei dem es in den meisten Fällen in erster Linie um den Spaß am Fliegen geht, ohne allzu sehr Physik und Technik zu vertiefen, kann eine sogenannte Pinch Hitter Ausbildung sein. Der Begriff kommt eigentlich aus dem Baseball und bezeichnet dort einen Reservespieler. Was heißt das nun auf die Luftfahrt umgemünzt? Richtig: Diese Ausbildung, die inhaltlich über einen normalen Schnupperflugtag hinaus geht, macht Sie als Mitflieger so weit fit, die Steuerung eines Flugzeugs sicher übernehmen zu können, falls der Pilot aus welchem Grund auch immer handlungsunfähig wird.

Meistens werden Familienmitglieder als Pinch Hitter ausgebildet, wenn sie nicht gleich selbst einen richtigen Pilotenschein machen möchten. Nach der etwa 1.000 Euro teuren Ausbildung verfügen sie über die Kenntnisse und Fertigkeiten, im Notfall eingreifen und das Flugzeug sicher landen zu können. Rechnen Sie in etwa mit 5 Theoriestunden und 5 Flugstunden mit 10 Landungen.

Gut zu wissen: Auch die bei der Ausbildung zum Pinch Hitter erflogenen Stunden können in aller Regel auf eine spätere Privatpiloten-Ausbildung angerechnet werden.

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Ihre erste Flugstunde

Wenn Sie den Kontakt hergestellt, einen Termin ausgemacht oder das Event gebucht haben, sitzen Sie früher oder später links (beim Segelflugzeug vorn, beim Hubschrauber rechts) im Cockpit und es heißt »You have control!«. Möglicherweise werden Sie sich zunächst wundern, wie empfindlich das Luftfahrzeug auf Ihre Steuereingaben reagiert. Im Grunde ist die Steuerung eines Flugzeugs aber relativ einfach. Wer einen Autoführerschein hat, sollte sich nach kurzer Eingewöhnungsphase auch im Kleinflugzeug nicht besonders schwer tun.

Bild: Cockpit Socata TB-20
Cockpit einer Socata TB-20 mit umfangreicher Instrumentierung. Foto: Weber

Ausgehend von einer Cessna 172, auf der viele Privatpiloten ihre ersten Flugstunden absolvieren, gibt es nachfolgend einen kleinen Überblick über die wichtigsten Steuerelemente.

Überblick über die Flugzeugsteuerung

Die wesentlichen Bauteile eines Kleinflugzeug-Cockpits sind ungefähr mit denen eines Autos vergleichbar. Was beim Auto das Lenkrad ist, ist beim Flugzeug das Steuerhorn (vor allem in Cessnas) oder der Stick. Durch Drücken nach vorn fliegt das Flugzeug aus der Vorwärtsbewegung nach unten, durch Ziehen nach hinten steigt die Maschine. Durch Drehen (Steuerhorn) oder Bewegen nach links oder rechts (Stick) fliegt das Flugzeug eine Kurve in die jeweilige Richtung. Je mehr man dreht oder bewegt, desto enger wird die Kurve und desto mehr wird man in den Sitz gepresst.

In Flugzeugen gibt es auch Fußpedale. Mit ihnen wird das Seitenruder bedient (zur Steuerung des Flugzeugs in der Luft) und die Bremse betätigt (beim Rollen am Boden). Gas gegeben wird beim Kleinflugzeug in der Regel über eine Stange mit einer Art Griffknopf (Throttle). Durch Ziehen oder Drücken wird die Motordrehzahl erhöht beziehungsweise verringert.

Unterschiedliche Dimensionen

Auch räumliches Vorstellungsvermögen spielt eine wichtige Rolle beim Fliegen eines Kleinflugzeugs. Sie bewegen sich nämlich im Vergleich zum Auto in einer zusätzlichen Dimension was die Steuerung und Position des Luftfahrzeugs angeht.

Auto Flugzeug
vorwärts, rückwärts, links, rechts vorwärts, links, rechts, hoch, runter

Bei Ihrer ersten Flugstunde wird diese Tatsache vermutlich auch die größte Herausforderung sein – sich in der Luft zurechtzufinden.

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Vorteile und Nachteile

Wer sich für die Fliegerei interessiert, wird bei einem Schnupperflug einen sehr guten ersten Einblick in die Welt der Luftfahrt bekommen, der noch lange anhält.

Vorteile Nachteile
erster tiefgreifender Eindruck von der Fliegerei faktisch keine
bequemes Interieur
Flugzeit meist auf Pilotenausbildung anrechenbar

Ein Nachteil mit einem Augenzwinkern wäre vielleicht die Tatsache, dass Sie nach einem solchen Flugzeug-Erlebnis selbst Pilot werden wollen, was wiederum etwas ins Geld geht. Ein Pilotenschein kostet etwa 10.000 Euro, wenn Sie ein Kleinflugzeug fliegen möchten. Einen Flugschein für Ultraleichtflugzeuge oder Tragschrauber können Sie ab 4.000 Euro bekommen. Der Vorteil wiederum: In den allermeisten Fällen können Sie Ihren Schnupperflug bereits als erste Flugstunde auf Ihre Pilotenausbildung anrechnen lassen!

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Fazit und Empfehlung

Ein Flugzeug selbst zu steuern ist zweifellos etwas Besonderes. Ganz gleich, ob Sie auf einem privaten Gastflug einmal für ein paar Sekunden das Steuerhorn übernehmen dürfen, oder ob Sie einen ganzen Schnuppertag am Flugplatz absolvieren.

Wenn Sie möglichst schnell und unkompliziert ans Steuer möchten, buchen Sie ganz offiziell eine Flugstunde bei einem Luftfahrtunternehmen oder einem Luftsportverein in der Nähe. Flugzeug und Pilot steht dann nur für Ihre Flugstunde zur Verfügung und Sie müssen sich nicht nach anderen richten.

Haben Sie Zeit und interessieren Sie sich für das Drumherum, sei Ihnen der Besuch eines Segelflugplatzes empfohlen. Auch dort werden Sie in den Genuss eines Schnupperfluges kommen. Sie helfen aktiv mit und können sicher für eine deutlich geringere Gebühr mitfliegen. Allerdings sind die Flüge immer sehr begehrt, sodass Sie auch mal eine halbe Stunde bis zum nächsten Flug warten müssen.

Entscheiden Sie selbst!

Ihr Weg zum ersten Schnupperflug

Schritt 1: Finden Sie heraus, welcher Flugplatz bei Ihnen in der Nähe ist und wie der dortige Luftsportverein heißt!

Schritt 2: Fragen Sie bei diesem Verein einen Schnupperflug an! Man wird Ihnen antworten.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.

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