Sicherheit in der Luftfahrt – Zahlen, Fakten, Infos

Bild: Säule mit DFS-Logo am Standort Stuttgart
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) kontrolliert den Luftverkehr über Deutschland. Symbolfoto: Weber

Wie bei jedem Hobby gibt es auch in der Luftfahrt Möglichkeiten, verletzt zu werden oder auf irgendeine Art zu Tode zu kommen. Fakt ist aber: Der Sicherheitsstandard in der Fliegerei ist enorm hoch. Moderne Technik und strenge Regularien gewährleisten zu jeder Zeit einen sehr sicheren Flugbetrieb. Und falls es Sie beruhigt: Auch Wattwandern kann tödlich sein!

Auf welchem Niveau die Luftfahrt-Sicherheit sich im Vergleich zu anderen Reise-Möglichkeiten bewegt und was nach einem Absturz passiert, damit sich ein Unfall nicht wiederholt? Erfahren Sie mehr!

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Zahlen und Fakten

Im Vergleich zu anderen Transportmitteln ist das Fliegen eine der sichersten Reise-Arten überhaupt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Sicherheitsstandards sowie Zulassungs- und Zugangsvoraussetzungen sehr hoch angesetzt sind.

Zahl der Todesopfer

Auch wenn ein sinnvoller Vergleich zum Straßenverkehr von Dutzenden Aspekten und Vergleichszahlen abhängig wäre: Die absoluten Zahlen sind in der Luftfahrt deutlich geringer. Rückblickend auf das Jahr 2017 stehen 3.180 Toten durch Verkehrsunfälle 24 tödliche Flugunfälle gegenüber.

Gut zu wissen: Diese 24 tödlichen Flugunfälle haben sich allesamt im Bereich der Allgemeinen Luftfahrt (General Aviation) ereignet. Stürzt ein Linienflugzeug ab, endet es in der Regel in einer Katastrophe – es passiert aber nur extrem selten. Das letzte große Flugzeugunglück in Deutschland war der Zusammenstoß zweier Großflugzeuge bei Überlingen im Jahr 2002 – ist also mehr als 15 Jahre her.

Dazu ein paar harte Fakten:

  • Die meisten Flugunfälle ereignen sich grundsätzlich bei Start oder Landung
  • Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 24 Flugunfälle mit einem oder mehreren Toten*
  • Im Durchschnitt endeten 1,4 von 10 Flugunfällen im vergangenen Jahr tödlich*
  • Demgegenüber stehen tausende private Rundflüge, die ohne jegliche Komplikationen durchgeführt wurden

*) Quelle: BFU, Datenstand: 2017, Aufbereitung: Weber

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Sicherheitsstandards

Seit Beginn der Luftfahrt hat sich technisch einiges getan, um das Fliegen immer sicherer zu machen – dazu zählen elektronische und mechanische Systeme, aber auch spezielle Methodik innerhalb des Gesamtsystems Luftfahrt.

Spezielle technische Ausstattung an Bord

Zwar sind Flugzeuge oder Luftfahrzeuge im allgemeinen nicht wie Autos mit Airbags ausgestattet, es gibt aber dennoch einige technische Sicherheits-Anlagen für den Notfall. Wann immer Sie beispielsweise in ein Segelflug steigen, sind Sie über den Anschnallgurt mit einem eigenen Fallschirm verbunden. In Ultraleichtflugzeugen ist ein sogenanntes Gesamtrettungsgerät vorgeschrieben – ein Fallschirm, der per Rakete gezündet wird und so sogar das komplette Flugzeug zu Boden schweben lässt.

Luftfahrzeug Sicherheitsausrüstung
Segelflugzeug Fallschirm für alle Insassen
UL-Flugzeug Gesamtrettungssystem (Fallschirm)
Kampfflugzeug Schleudersitz mit Fallschirm

Aber: Diese Rettungssysteme gelten nur für den absoluten Notfall, wenn dem Piloten klar ist, dass das Luftfahrzeug bereits »verloren« ist und es nur noch ums Überleben geht. Damit es zu solchen Situationen gar nicht erst kommt, gibt es zahlreiche weitere technische Einrichtungen, die das verhindern. Neben Kollisionswarngeräten und allerlei hilfreicher Elektronik (Aviatik) sind auch einige mechanische Bauteile verbreitet. Hubschrauber beispielsweise sind oft mit einem »Cable Cutter« ausgestattet, der bei der Kollision mit einer Hochspannungsleitung das Stromkabel kappt und so einen Absturz zumindest deutlich weniger wahrscheinlich macht.

Bild: Emergency Locator Transmitter ELT
Emergency Locator Transmitter. Foto: Weber

Sofern ein Luftfahrzeug nicht in der Luft auseinanderbricht, wird es auch nicht wie ein Stein zu Boden fallen. Hubschrauber und Tragschrauber (Gyrocopter) können beispielsweise bei einem Triebwerksausfall durch die sogenannte Autorotation zu Boden schweben. Flächenflugzeuge, also Flugzeuge mit Tragflächen, sind in der Lage, auch ohne Antriebsleistung noch eine gewisse Strecke segeln und so – abhängig von den Gegebenheiten am Boden – einigermaßen sicher eine Notlandung durchzuführen. Auch ein Heißluftballon mit einem Leck in der Ballonhülle wird nicht sofort vom Himmel fallen.

Flughafenfeuerwehren

An größeren Flughäfen gibt es hauptamtliche Flughafenfeuerwehren, deren Mitglieder jederzeit einsatzbereit sind, falls sich einmal ein Flugunfall ereignen sollte. Weil sich aber wenig reale Zwischenfälle ereignen, werden Abläufe und Unfallszenarien in regelmäßigen Abständen trainiert.

Bild: Simulierter Flugunfall mit Kleinflugzeug und Shuttle-Bus
Übung der Flughafenfeuerwehr am Paderborn Lippstadt Airport: Kleinflugzeug vs. Shuttlebus. Foto: Weber

Überwachende Organisationen

Doch wer überwacht den Luftverkehr in Deutschland? Wer trägt Sorge, dass sich keine Kollision zwischen zwei Flugzeugen ereignet?

Die Überwachung der Luftsicherheit ist in Deutschland weltweit vorbildlich, aber die Struktur ist schwer überschaubar. Es gibt zahlreiche Institutionen, die für einen sicheren Luftverkehr im Himmel über der Bundesrepublik sorgen. Die komplexe Sache einfach erklärt: Im Wesentlichen sind es zwei Instanzen, die für einen Großteil der Sicherheit im deutschen Luftraum verantwortlich sind. In etwa geht es nach dem Modell »Theorie und Praxis«.

Für alles, was Zugangsvoraussetzungen angeht, ist das Luftfahrtbundesamt (LBA) zuständig. Dort werden Flugzeuge zugelassen, bekommen Piloten ihre Lizenzen. Erst wer überhaupt die rechtlich vorgegebenen Bedingungen erfüllt, darf ins Flugzeug steigen und im Himmel über Deutschland unterwegs sein. Mit dem LBA verbindet man in der Regel den »Papierkram«.

Sobald ein Pilot im Flugzeug sitzt und fliegen möchte, kommt er dann in den Verantwortungsbereich der Deutschen Flugsicherung (DFS). Sie überwacht gewissermaßen die Fliegerei in der Praxis. Wo immer ein Flugzeug in Deutschland unterwegs ist, hat die DFS es auf dem Schirm. Die Flugzeuge sind für die Lotsen auf dem Radar sichtbar, die Kommunikation läuft über Funk ab.

Bild: Luftbild-Totale am Flughafen Hamburg
Schon am Boden ist die Luftfahrt ein komplexes Konstrukt. Damit alles sicher ist, muss sie überwacht werden. Foto: Weber

Die Aufgaben der beiden Institutionen im Überblick:

Organisation Aufgaben
Deutsche Flugsicherung
(Langen)
Flugverkehrskontrolle (zivil und überregional militärisch), Errichtung und Instandhaltung von Funknavigationsanlagen, Herausgabe von Luftfahrt-Informationen und Kartenmaterial
Luftfahrtbundesamt
(Braunschweig)
Erteilung von Lizenzen (Pilotenscheinen), Erteilung von Lufttüchtigkeitszeugnissen für Flugzeuge

Hinweis: Aufgeführt sind jeweils nur die wichtigsten Aufgaben.

Flugunfälle und ihre Folgen

Bild: Völlig zerstörtes Wrack eines Ultraleichtflugzeugs
Flugzeugabsturz in Mühlenberg: In diesem völlig zerstörten Wrack sind beide Insassen ums Leben gekommen. Foto: Weber

Trotz ausgefeilter Technik, strengem Regelwerk und penibler Redundanz können sich natürlich immernoch Unfälle ereignen. Wenn Sie in einem Flugzeug mitfliegen, sollten Sie sich der grundsätzlichen Gefahr eines Absturzes bewusst sein. Bedenken Sie aber auch, dass der Großteil aller Flüge völlig ohne Komplikationen über die Bühne geht!

Flugunfälle entstehen durch menschliches oder technisches Versagen oder eine Kombination aus beidem. Neben vergleichsweise seltenen  Konstruktionsfehlern der Flugzeug-Hersteller liegt die Ursache in der Regel in einem Fehlverhalten des Piloten begründet. Entweder, weil er versehentlich physikalische Gesetzmäßigkeiten außer Acht lässt oder weil die unterstützende Technik (Avionik) aus unterschiedlichen Gründen keine ausreichenden Informationen liefert.

Menschen in psychischen Ausnahmesituationen

In wenigen Fällen gibt es auch Piloten, die aufgrund einer psychischen Ausnahmesituation bewusst ihren Tod in Kauf nehmen oder herbeiführen. Unvergessen der erweiterte Suizid eines Berufspiloten, der im Jahr 2015 eine Germanwings-Maschine absichtlich zu Boden brachte und damit sich selbst sowie all seine 149 Mitreisenden in den Tod führte. Oder der Fall eines jungen Mannes, der volltrunken ein Kleinflugzeug gestohlen hat und damit stundenlang über der Region Hannover herumgeflogen ist.

Letztlich bleibt das größte Sicherheitsrisiko wohl immer der Faktor Mensch. Analog zu den oben geschilderten Situationen gibt es auch tödliche Flugunfälle, die von Passagieren ausgelöst wurden. So sind mehrere Fälle bekannt, in denen Mitflieger während des Mitflugs im Kleinflugzeug in die Steuerung griffen, um sich selbst zu töten.

Fakt ist aber: Wie eingangs erwähnt, handelt es sich dabei um Ausnahmesituationen, die weniger als ein Prozent aller kommerziellen oder privaten Flugbewegungen ausmachen.

Unfalluntersuchung durch die BFU

Bild: Ein Mitarbeiter der BFU untersucht ein Wrackteil
Zu besonders schweren Unfällen rücken die Flugunfall-Experten der BFU auch nachts aus. Foto(s): Weber

Wann immer dennoch ein Luftfahrzeug in Deutschland abstürzt, verunfallt oder in eine schwere Störung verwickelt ist, kommt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ins Spiel. Experten der in Braunschweig ansässigen Behörde untersuchen dann, warum sich der Unfall oder die Störung ereignet hat und arbeiten Sicherheitsempfehlungen aus, damit sich ein solches Szenario möglichst nicht wiederholt.

Das können mitunter Anweisungen an einen Hersteller sein, der beispielsweise ein Teil falsch konstruiert hat, das in der Folge zum Absturz eines Flugzeugs geführt hat oder eine Empfehlung für Piloten, unter bestimmten Bedingungen bestimmte Flugmanöver nicht durchzuführen, um eine Überlastung des Flugzeugs zu vermeiden.

Zusammenfassung

Die Fliegerei in Deutschland ist eine der sichersten weltweit. Unabhängig davon, ob es sich um kommerzielle Linienflüge oder private Rundflüge mit Kleinflugzeugen handelt, liegt immer ein sehr hoher Sicherheitsstandard zu Grunde. Der Mitflug bei einem in Deutschland zugelassenen (Privat-)Piloten mit der entsprechenden Lizenz ist daher absolut unbedenklich.

Und wenn doch mal etwas passiert, wird alles versucht, um gleichgelagerte Unfälle in Zukunft zu verhindern. In Deutschland ist die Unfallforschung so organisiert, dass bei jedem Zwischenfall ein Experten-Team für die Ursachen-Analyse zu Rate gezogen wird und die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Unabhängige staatliche Unfallforschung

Dabei ist die Unfall- und Ursachenforschung einer staatlichen Behörde vorbehalten, sodass unabhängig und damit komplett abseits wirtschaftlicher Interessen Empfehlungen gegeben werden können, die für die künftige Sicherheit des Luftverkehrs von Bedeutung sind. So können Piloten aus den Fehlern anderer lernen, das Wissen während ihrer Flüge abrufen und anwenden und so ähnliche Situationen vermeiden. Grob lässt sich also sagen: Mit jedem geschehenen Unfall wird die Luftfahrt in Zukunft ein Stück sicherer.

Wollen Sie einmal in einem Kleinflugzeug mitfliegen? Seien Sie in Sachen Sicherheit ganz unbesorgt und sehen Sie sich unsere Tipps und Tricks an! Neben der Sicherheit in der Luft könnte Sie auch Ihre persönliche Sicherheit am Flugplatz interessieren.

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