Luftbilder mit Foto-Drohne: Hier drohen Probleme

Bild: Drohne und Atomkraftwerk
Ein Drohnen-Flugverbot gilt u. a. über Atomkraftwerken, Krankenhäusern, Militäranlagen und vielen weiteren sensiblen Bereichen wie Verkehrswegen und Naturschutzgebieten. Fotos: Weber

Selbst Luftbilder machen ist spätestens in Zeiten erschwinglicher Foto-Drohnen (Multicopter) ein erreichbarer Traum vieler kreativer Menschen geworden. Nicht zwingend muss man »wie früher« selbst ein Flugzeug chartern und von dort heraus fotografieren, sondern kann auf kleine, ferngesteuerte Drohnen mit eingebauter Foto- und Videokamera vertrauen. Aber kann man einfach eine Hobby-Fotodrohne kaufen und losfliegen?

Die Antwort ist: Nein! Es gelten für nahezu alle Drohnen Verbote. Außerdem eignet sich die Foto- oder Video-Drohne auch nur in speziellen Anwendungsbereichen, sodass das Fotografieren aus manntragenden Luftfahrzeugen heraus noch immer seine Berechtigung hat. Insbesondere wenn man betrachtet, was alles nicht (genehmigungsfrei) mit einer Foto-Drohne erlaubt ist und welchen Aufwand eine theoretisch mögliche Ausnahmegenehmigung in der Praxis verursachen würde. Lesen Sie jetzt mehr.

Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels basiert auf der Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland Ende 2020. Es ist möglich, dass sich einzelne Aspekte mit Einführung der EU-Drohnenverordnung im Jahr 2021 ändern werden.



Allgemeines zu Drohnen und Verboten

Wer sich zu 100 Prozent gesetzestreu mit seiner Fotodrohne bewegen möchte, wird sehr wahrscheinlich gleich zu Beginn den Spaß und die Freude verlieren, wenn ihm bewusst wird, was er grundsätzlich ersteinmal alles NICHT darf und welche rechtlichen Fallstricke auf ihn lauern. In vielen Bereichen wäre eine vorherige Ausnahmegenehmigung nötig, die an bürokratische Abläufe und die Zahlung von Gebühren geknüpft ist – teilweise bei gleich mehreren Institutionen und Behörden. Hobby-Drohnenflug ohne Genehmigung und Geldaufwand: In sehr vielen Bereichen in Deutschland Fehlanzeige!

Kurioserweise ist es (nach subjektiver Ansicht des Autors, Stand Oktober 2020) auch weit einfacher, als Luftbild-Anfänger ein Kleinflugzeug für einen Fotoflug zu chartern als sich aufwendig in sämtliche geltende Gesetzestexte einzulesen und Genehmigungen für einen Multicopter-Fotoflug einzuholen. Noch kurioser ist es, dass eine Genehmigung der Landesluftfahrtbehörde – dort wo sie nötig wäre – ungefähr so viel kostet wie 30 Minuten Flug in einer Cessna 172.

Aufstiegsgenehmigungen: Teuer und aufwendig

In Niedersachsen erteilt die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Dezernat 33 (Luftverkehr), solche Genehmigungen nach Luftverkehrsordnung. Die Kosten werden einzelfallabhängig ermittelt und betragen in der Regel für eine Einzelerlaubnis ab 100 Euro. Eine Allgemeine Betriebs- oder Sondererlaubnis wird mit einer Gebühr ab 150 Euro veranschlagt, allerdings ist anzunehmen, dass nur dann ein triftiger Grund für die Erteilung vorliegt, wenn der Drohnen-Steuerer gewerblich fliegen möchte.

Unüberschaubare Drohnen-Rechtslage 2020

Noch problematischer ist wie bereits erwähnt die Unübersichtlichkeit der Rechtslage für den Drohnenbetrieb insgesamt – unabhängig davon ob mit oder ohne Genehmigung. Wer in allen Bereichen rechtskonform sein UAV (unmanned aerial vehicle) steuern möchte, muss sich auch – oder gerade inbesondere – bei genehmigungsfreien Drohnenflügen mit einer Vielzahl an Gesetzen und Verordnungen auskennen. Im gelebten Föderalismus wie in Deutschland strapaziert vor allem das Umweltrecht die Nerven des Drohnen-Piloten: Die entsprechenden Verordnungen sind teilweise bis auf Gemeindeebene hinunter definiert.

LuftrechtUmweltrechtDatenschutzrechtStrafrecht
Bundes-/Landesebene für den Flug als solches, räumliche und zeitliche Einschränkungen im Hinblick auf den Luftverkehrteilweise bis auf Gemeindeebene in Verordnungen geregelt, räumliche Einschränkungen in Sachen Umwelt-/Naturschutz, z. B. Landschaftsschutzgebietewichtig bei Veröffentlichung von Fotos oder Videos; Europarecht geregelt in DSGVO, Datenschutz-Grundverordnung, Verordnung (EU) 2016/679wichtig bei Veröffentlichung von Fotos oder Videos aus besonders sensiblen Bereichen (§ 109g StGB)

Ungünstig: Die Apps, auf die sich viele Hobby-Drohnenpiloten berufen, sind nicht rechtsverbindlich! Speziell in Sachen Umweltrecht sind sie auch gar nicht in der Lage, sämtliche kommunale Schutzgebietsverordnungen abbilden zu können.

Drohnen-Apps hilfreich oder nicht?

Die DFS-Drohnen-App der Deutschen Flugsicherung beispielsweise zeigt zwar eine GPS-gestützte Karte an und weist auch Naturschutzgebiete aus, in denen der Drohnenflug verboten ist – Landschaftsschutzgebiete, in denen der Drohnenflug ebenfalls verboten ist, aber nicht. Dementsprechend kommt es insbesondere bei dieser App häufig zu Fehlinformationen mit der Botschaft »Flug erlaubt«, obwohl eine kommunale Schutzverordnung dagegen spricht. Die DFS-App legt den Schwerpunkt nicht auf das Umweltrecht, sondern eher auf das Luftrecht.

Speziell in Sachen Umweltrecht ist die Map2Fly-App von Flynex hilfreich. Sie weist sämtliche Arten von umweltsensiblen Bereichen aus: Agrargebiete, Forstgebiete, Biosphärenreservate, FFH-Gebiete, Landschaftsschutzgebiete, Nationalparks, Naturparks, Naturschutzgebiete und Vogelschutzgebiete. Liegt der ausgeguckte Spot, an dem man fliegen möchte, innerhalb solcher Gebiete, kann man mit dieser Information in der entsprechenden Gemeinde nach Verordnungen suchen oder dort in der Ordnungsbehörde anfragen, um auf Nummer Sicher zu gehen. Speziell der Drohnenflug in Landschaftsschutzgebieten ist vielerorts wegen der Lärmemission ausdrücklich untersagt – nur ist diese Tatsache bedauerlicherweise wenig bis gar nicht bekannt.


Luftbilder und Drohnen-No-Gos (Beispiele)

Anbei einige Beispiele von Luftbildern aus Norddeutschland, die aus einem Kleinflugzeug heraus fotografiert worden sind und mit einer Fotodrohne nur mit einer langwierig teuer zu beschaffenden Ausnahmegenehmigung möglich gewesen wären – oder gleich mehreren. Den Piloten eines Kleinflugzeugs kostet es in der Regel nur einen freundlichen Funkspruch, sich die Überfluggenehmigung (wenn überhaupt nötig) innerhalb von Sekunden einzuholen.

Drohnenflug über Atomkraftwerken

Eines der vermutlich einprägsamsten (aber auch nachvollziehbarsten) Beispiele für Drohnen-NoGos ist ein Atomkraftwerk. Wer in der Nähe eines Kernkraftwerks ohne Genehmigung mit eine Drohne aufsteigen lässt, wird möglicherweise überrascht sein, wie schnell der Werksschutz und/oder die Polizei neben ihm steht.

Bild: Luftbild Kernkraftwerk Grohnde
Ein Luftbild vom Atomkraftwerk Grohnde. Foto: Weber
Drohnenflug-Genehmigung: Theoretisch möglich, in der Praxis aber extrem fragwürdig ob erfolgreich, dazu enorm aufwendig (mehrere Genehmigungen benötigt) und teuer.
Kleinflugzeug-Genehmigung: Nicht direkt erforderlich, Pilot muss aber Flugbeschränkungsgebiet beachten; hier »ED-R 24 Grohnde« (Flughöhe im Radius von 0,8 NM nicht tiefer als 2.200 Fuß).
Foto-Veröffentlichung: In diesem speziellen Fall unkritisch; bei Closeups ggf. rechtliche Probleme durch »Sicherheitsgefährdendes Abbilden« nach § 109g StGB


Drohnenflug über Flugplätzen

Ebenfalls leicht nachvollziehbar: Auch über Flugplätzen oder Flughäfen ist der Drohnenflug verboten. Käme ein Multicopter einem bemannten Luftfahrzeug in die Quere, kann es im schlimmsten Fall zum Absturz kommen und Menschenleben kosten. Selbst eine Mikro-Drohne mit einem Gewicht von unter 250 Gramm könnte zu einer Luftnotlage führen, wenn sie beispielsweise in ein Triebwerk gerät und es anschließend ausfällt. Deshalb gilt ein Sicherheits-Mindestabstand von 1,5 Kilometern um die Außenbegrenzung von Flugplätzen und Flughäfen herum.

Bild: Ryanair-Flugzeuge in Bremen
Luftbild: Ryanair-Flugzeuge am Flughafen Bremen. Foto: Weber
Drohnenflug-Genehmigung: Theoretisch möglich, in der Praxis aber fragwürdig ob erfolgreich, dazu enorm aufwendig (mehrere Genehmigungen benötigt) und teuer.
Kleinflugzeug-Genehmigung: Ein freundlicher Funkspruch zum Tower.
Foto-Veröffentlichung: Unproblematisch.


Drohnenflug über Krankenhäusern

Eine rechtliche Besonderheit stellt der Drohnenflug in der Nähe von Krankenhäusern dar. In der (hervorgegangen aus der Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung [LuftVZO]) § 21b Abs. 1 Ziffer 11 heißt es, ein Aufstieg ist nicht ohne Genehmigung erlaubt »über und in einem seitlichen Abstand von 100 Metern von der Begrenzung von Krankenhäusern«. Drohnenflüge näher als 100 Meter an Kliniken sind sogar unter keinen Umständen überhaupt genehmigungsfähig – die Drohne am Krankenhaus also ohne Ausnahme verboten.

Was nicht explizit erwähnt ist, aber Drohnen-Piloten zu einem teuren Verhängnis werden könnte, wenn sie sich dessen nicht bewusst sind: Verfügt das Krankenhaus über einen Hubschrauberlandeplatz, handelt es sich um einen Flugplatz. Dann gilt nicht der seitliche Abstand von 100 Metern, sondern gemäß LuftVZO § 21a Abs. 1 Ziffer 4 ein Mindestabstand im Radius von 1,5 Kilometern um das Krankenhausgelände! Um diesen rechtlichen Fallstrick zu umgehen, besser gleich ein Kleinflugzeug für Luftbilder chartern.

Bild: Luftbild Siloah Hannover
Luftbild vom Siloah-Klinikum Hannover an der Ihme. Foto: Weber
Drohnenflug-Genehmigung: Im Umkreis von 100 Metern nicht genehmigungsfähig, im Umkreis von 101 bis 1.500 Metern theoretisch möglich, aber enorm aufwendig (mehrere Genehmigungen benötigt) und teuer.
Kleinflugzeug-Genehmigung: Nicht erforderlich.
Foto-Veröffentlichung: Unproblematisch.


Gegenbeispiel: Drohnen-Luftbild am Stadtrand

Als Abwechslung zu all den verbotenen Drohnen-Fotos noch ein Gegenbeispiel vom Ortsrand von Nienburg. Das Luftbild ist zum Zeitpunkt der Aufnahme genehmigungsfrei rechtssicher entstanden, wenige Meter weiter in Blickrichtung rechts oder vorwärts wäre der Flug allerdings schon wieder verboten gewesen. Wahrlich ein Flug im Grenzbereich.

Bild: Luftbild Nienburg
Herbstliches Drohnen-Luftbild von Nienburg mit Weserbogen. Foto: Weber

Um einmal klar zu machen, welche Gedanken ein Drohnen-Steuerer vor und während der Aufnahme dieses Bildes im Kopf haben sollte:

  • Nicht höher als 100 Meter fliegen!
  • Auf nicht weniger als 100 Meter seitlich an die Weser heran fliegen!
  • Unmittelbar rechts beginnt der 1,5-km-Radius des Hubschrauber-Sonderlandeplatzes am Krankenhaus!
  • In der Nähe links befindet sich ein Areal mit Wohnbebauung!
  • In der Nähe hinten beginnt der 100-Meter-Schutzradius einer energieerzeugenden Anlage!
  • Am anderen Weserufer beginnt das LSG NI 63 (Teichfledermaus-Gewässer in der Nienburger Marsch) – Drohnenflug wegen Lärmemission verboten gemäß Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Teichfledermaus-Gewässer in der Nienburger Marsch“ in der Stadt Nienburg und der Samtgemeinde Marklohe, Landkreis Nienburg (Weser) vom 21.10.2016, § 3 Abs. 2a!

Fazit: Drohnen-Luftbilder besser nur im Ausnahmefall

Wo im Bereich Luftbilder Foto-Drohnen ihre Vorteile ausspielen können, ist bereits an anderer Stelle genannt worden. Wann immer möglich, kann man getrost einen Flug in Hubschrauber oder Kleinflugzeug vorziehen. In erster Linie spart man sich dadurch Nerven und reduziert mögliche rechtliche Schwierigkeiten (auch im Anschluss) auf nahezu Null. Die Auseinandersetzung mit der komplizierten Rechtslage auf allen föderalistischen Ebenen entfällt. Für den Flug bzw. Überflug übernimmt der Pilot die Verantwortung. Der Luftbildfotograf als Mitflieger muss nur noch bei einer möglichen Veröffentlichung der Fotos das Datenschutzrecht und ggf. das Strafrecht im Auge behalten.

In bestimmten Fällen, z. B. bei Videodrehs in niedriger Höhe, ist der Einsatz von Drohnen hingegen ausdrücklich empfehlenswert – wenn auch zugegebenermaßen deshalb, weil es keine adäquate Alternative gibt. Dann braucht es allerdings eine detaillierte Planung im Voraus und je nach Bereich Ausdauer bei der Beantragung von Ausnahmegenehmigungen sowie eines gewissen finanziellen Aufwandes. In der privaten Hobby-Drohnenfliegerei ist der entsprechende Kosten-Nutzen-Faktor gering, vom ebenfalls geringen Spaß-Faktor durch die vielen Regularien ganz abgesehen.

Mit Einführung der neuen EU-Drohnenverordnung 2021 werden vor allem Richtlinien im Zusammenhang mit dem Luftverkehr europaweit vereinheitlicht. Auf das Umwelt- und Naturschutzrecht in Deutschland, das teils auf kommunaler Ebene in Schutzgebietsverordnungen Flugverbote in Landschaftsschutzgebieten etc. definiert, wird diese Verordnung jedoch – leider – keinen Einfluss haben. Dementsprechend wäre auch in Zukunft stets das Lesen der kleinteiligen Gemeindeverordnungen nötig oder eine Anfrage an die Ordnungsbehörde der jeweiligen Gemeinde, in der man fliegen möchte. Spontanes Fliegen ist damit kaum möglich und der Umwelt-/Naturschutz weiterhin das größte »Feindbild« des um die Einhaltung wirklich aller Gesetze bemühten Drohnenpiloten.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Online Content Marketing tätig. Seit jeher begeisterter Mitflieger in Kleinflugzeug, Hubschrauber, Privatjet & Co.