Im Segelflugzeug mitfliegen – Kosten, Tipps & Tricks

Bild: ASK-Segelflugzeug D-4836
Ein Segelflugzeug im Landeanflug auf den Flugplatz Bad Pyrmont. Foto: Weber

Im Segelflugzeug mitfliegen ist vom raketenschnellen Windenstart über das elegante Kreisen bis zur Landung eine spannende Sache – und preiswert noch dazu! Auch in Ihrer Nähe gibt es sicherlich einen Flugplatz, auf dem Segelflugbetrieb stattfindet und Sie einmal hinter die Kulissen oder auch ins Cockpit schauen dürfen.

Lesen Sie hier die wichtigsten Informationen über das Mitfliegen im Segelflugzeug, über Preise, die Vorteile und Nachteile beim Segelflug und die ein oder andere Besonderheit dieser speziellen Art zu fliegen.



Allgemeines zum Segelfliegen

Wussten Sie, dass das moderne Segelfliegen in Deutschland gewissermaßen aus der Not heraus entstanden ist? Zwar hat Flugpionier Otto Lilienthal bereits vor 1900 eine Art Segelflug absolviert, die technische Revolution kam allerdings erst in den 1920er Jahren so richtig in Gang. Der Grund: Nach Ende des Ersten Weltkriegs hatten die Alliierten im Versailler Vertrag den Motorflug in Deutschland verboten. Wohl aus einer Mischung aus Trotz und Ehrgeiz haben die deutschen Ingenieure und Flugbegeisterten in den folgenden Jahrzehnten den Segelflug bis zum äußersten perfektioniert – und genießen dafür noch heute eine weltweit beispiellose Anerkennung.

Das Prinzip des Segelflugs ist unterdessen vergleichsweise einfach. Das Flugzeug wird über technische Hilfsmittel in die Luft befördert und fliegt dort anschließend frei. Um sich in der Luft zu halten, werden Thermik bzw. sogenannte Aufwinde genutzt. Sind davon nicht genügend vorhanden, kann das Segelflugzeug im Gleitflug noch etliche Kilometer zurücklegen, bevor wieder gelandet werden muss. Bei guter Wetterlage sind jedoch mehrere Stunden in der Luft oder eine Flugdistanz von mehr als 1.000 Kilometer möglich!

Zulassungszahlen von Segelflugzeugen und Motorseglern

Das Segelflugzeug ist in Deutschland gewissermaßen der Klassiker der Lüfte. Aktuell sind in Deutschland knapp 7.400 Segelflugzeuge zugelassen (Stand: 2017). Das entspricht einem Anteil an den insgesamt registrierten rund 24.000 Luftfahrzeugen von 31 Prozent! Grob lässt sich also sagen, dass fast jedes dritte Luftfahrzeug, das Ihnen begegnet, ein Segelflugzeug sein könnte. An den rund 500 Flugplätzen in Deutschland (Quelle: DLR) sind fast überall auch Segelflugzeuge stationiert, sodass sich eine Mitfluggelegenheit meist leicht ergibt und keine weiten Wege zum Startplatz in Kauf genommen werden müssen.

Bild: Segelflugzeug vor dem Start
Ein doppelsitziges Segelflugzeug unmittelbar vor dem Start (hier am Flugplatz Bisperode im Weserbergland). Foto: Weber

Übrigens: Die genannten rund 7.500 Zulassungen beinhalten nur die reinen Segelflugzeuge. Motorsegler, also Segelflugzeuge mit einem Motor als Hilfsantrieb, sind in der Zulassungsstatistik extra aufgeführt. Sie machen nochmal 3.500 Maschinen aus. Selbstverständlich können Sie auch im Motorsegler mitfliegen, wir konzentrieren uns in diesem Artikel jedoch auf die klassischen Segelflugzeuge ohne Hilfsmotor.


Was kostet ein Flug im Segelflugzeug?

Größter Kostenfaktor und Preistreiber beim Fliegen ist immer der Kraftstoff. Je teurer er ist und je mehr davon verbraucht wird, desto teurer ist auch ein Mitflug. Der Vorteil des Segelfliegens allerdings: Das Flugzeug hat in seiner klassischen Variante gar keinen Motor, die Betriebskosten sind also gleich Null. Folglich ist der Mitflug im Segelflugzeug auch eine der günstigsten Arten zu fliegen überhaupt. Lediglich für den Start per Winde werden direkte Kosten pro Flug fällig. Oft ist es auch so, dass zusätzlich noch geringe Minutenpreise erhoben werden, um die sehr hohen Anschaffungskosten dieser Hochleistungs-Segelflugzeuge sowie Versicherungen, Vereinsleistungen usw. zumindest in Teilen wieder hereinzuholen. Immerhin wird ein Segelflugzeug meist im Verein betrieben und kostet in der Anschaffung mehr als 100.000 Euro und ist entsprechend hoch versichert. Zum Vergleich: Der Listenpreis eines Tragschraubers beträgt nur rund etwa halb so viel.

Doch was darf nun ein Flug im Segelflugzeug kosten? Faire Preise lassen sich hier besonders schwer pauschal festlegen, weil es immer auch darauf ankommt, wie oft Sie für eine Stunde Flugzeit starten müssen. Fakt ist: Segelflug-Piloten zahlen knapp 5 Euro pro Windenstart und zusätzlich etwa 15 Cent pro Minute in der Luft. Bei einem Start und einer Flugzeit von einer Stunde werden dann also 14 Euro pro Stunde fällig. Sicherheitshalber kalkulieren Sie noch einen zweiten Start mit ein und kommen dann auf knapp 20 Euro pro Stunde. Das ist im Bereich der privaten Mitflüge praktisch unschlagbar günstig!

Flug Windenstart
Kosten Gesamt*
1 Stunde, 1 Start 1 x 5,00 € 60 x 0,15 €
14 €
1 Stunde, 2 Starts 2 x 5,00 € 60 x 0,15 € 19 €
1 Stunde, 3 Starts 3 x 5,00 € 60 x 0,15 € 24 €

*) Pilot von Kostenbeteiligung ausgenommen


Segelflug: Vorteile und Nachteile

Auch beim Segelflugzeug gibt es verschiedene Vorteile und Nachteile. Der größte Vorteil sind sicherlich die geringen Kosten im Segelflug. Dem gegenüber steht der Nachteil, dass Sie Ihr Gastflug-Ziel nie selbst bestimmen können, weil Route und Flugdauer abhängig von Wind und Wetter bzw. der Thermik sind. Zwar sind Segelflugzeuge nicht komplett der Windrichtung »ausgeliefert« wie zum Beispiel Heißluftballone, doch gilt auch hier oft das Motto: »Wohin der Wind uns trägt«.

Vorteile

  • sehr günstige Betriebskosten
  • sehr leises Fluggeräusch
  • Kunstflug möglich

Nachteile

  • geeignetes Wetter ist Voraussetzung
  • Flugziel abhängig vom Wind
  • Flugzeit abhängig vom Wind
  • manchmal Außenlandung nötig

Ein Aspekt, der nicht direkt ein Vorteil ist, sondern mehr ein Fun-Faktor beim Segelfliegen, ist die enorme Beschleunigung beim Start: In 2,5 Sekunden von Null auf 100! Durch die Kraft der Winde und das geringe Gewicht werden Sie so in Ihren Sitz gepresst, wie es nicht einmal in einem Sportwagen möglich wäre. Zum Vergleich: Selbst ein 600-PS-starker Porsche Carrera GT benötigt noch immer 3,9 Sekunden, um aus dem Stand Tempo 100 zu erreichen.

Bild: Segelflugzeug D-1473 Cockpit
Grandiose Aussicht: Ein Rundflug im Segelflugzeug macht Spaß und ist zudem günstig. Foto: Weber

Deshalb, zusätzlich durch teils sehr dynamische Kurvenflüge und das Risiko einer in Frage kommenden Außenlandung ist das Segelfliegen vielleicht eher nicht für sensible Mitflieger geeignet, was dann wiederum ein Nachteil sein könnte. Aber: Mit seinem Instrumentenpilz und der engen Tandem-Sitzanordnung kann mit viel Fantasie und in besonderen Fluglagen auch das Gefühl entstehen, Sie würden im Kampfjet mitfliegen.


Sicherheit im Segelflugzeug

Grundsätzlich: Das Segelfliegen ist sehr sicher. Die Flugzeuge sind nach modernstem Stand der Technik entwickelt und konstruiert, sodass sie auch starken Belastungen standhalten. Außerdem sind standardmäßig Kollisionswarngeräte (FLARM) an Bord installiert. Falls es trotz einer Vielzahl an Sicherheitsmaßnahmen in der Luft zu einem Notfall kommt – etwa einer Kollision –, gibt es ein weiteres Feature, das speziell in Segelflugzeugen eingesetzt wird.

Wenn Sie sich in ein Segelflugzeug hineinsetzen, wird Sie der Pilot mit einem auffallend stabilen Gurtzeug an der Sitzschale festzurren. Der Grund: Über diesen Gurt sind Sie mit Ihrem persönlichen Rettungsfallschirm verbunden. Bei einer Luftnotlage wird Sie der Pilot auffordern, aus der Flugzeugzelle auszusteigen. In diesem Fall öffnet sich der Fallschirm in der Regel von selbst (es gibt Ausnahmen mit manueller Auslösung) und trägt Sie zu Boden. Steuermöglichkeiten haben Sie allerdings nicht an Ihrem Fallschirm.

Außenlandungen: Keine Seltenheit

Sogenannte Außenlandungen kommen immer wieder mal vor und weit häufiger als unter Luftfahrt-Laien angenommen. Was die Presse gern als »Notlandung« hinstellt, ist im Grunde Routine. Der Pilot wird stets ein Landefeld im Blick haben, falls die Thermik einmal nicht mehr ausreicht, um zum Startflugplatz zurückzukehren. Dann wird statt auf der Grasbahn des Flugplatzes eben auf einer Ackerfläche oder gemähten Wiese gelandet. Das Verfahren wird schon während der Piloten-Ausbildung trainiert und ist prinzipiell ungefährlich. Und auch das Segelflugzeug wird bei einer Außenlandung in den allermeisten Fällen nicht beschädigt.


Besonderheiten beim Segelfliegen

Es gibt wir bei allen anderen Flug-Arten auch beim Segelfliegen einige charakteristische Besonderheiten. Wichtig, wenn Sie mal im Segelflugzeug mitfliegen möchten, sind diese Aspekte:

  • Hilfe anbieten! Insbesondere beim Segelfliegen kommt es darauf an, dass alle mit anpacken. Es handelt sich tatsächlich um eine Art Teamsport. Dazu gehört das gemeinsame Aushallen und Zurückschieben des Segelflugzeugs, wenn gerade kein Schleppfahrzeug verfügbar ist. Bevor Sie etwas anfassen, sprechen Sie sich aber unbedingt immer mit Ihrem Piloten ab und beachten die grundsätzlichen Flugplatz-Regeln!
  • Napfhut aufsetzen! Auch wenn Sie vielleicht finden, dass es nicht schick aussieht: Alle Segelflugpiloten tragen nicht ohne Grund einen Fischerhut oder Napfhut. Er schützt sie (und Sie!) zum einen vor einer Blendung durch die Sonne, zum anderen vor einem heftigen Sonnenbrand im Gesicht und am Nacken. Wir empfehlen einen sandfarbenen Sonnenhut zu verwenden, da dieser weder Hitze speichert noch mit der Zeit ausbleicht.
  • Sonnenbrille mitnehmen! Nehmen Sie besser auch eine Sonnenbrille mit, aber Achtung: Sichern Sie sie unbedingt mit einer Kordel an Ihrem Hals. Sie wären sonst nicht der erste, dem die Sonnenbrille während des Windenstarts nach hinten vom Kopf wegfliegt.
  • Sonnencreme auftragen! Sonnencreme ist trotz Napfhut unerlässlich. Denken Sie daran: Sie sind der Sonne näher als am Boden und ein Sonnenbrand kann schnell ziemlich schmerzhaft werden. Zumal die Zeit buchstäblich wie im Flug vergeht und Sie die ein oder andere Stunde am Flugplatz oder im Flugzeug verbringen werden. Wählen Sie unbedingt ein Mittel mit hohem Lichtschutzfaktor.

Übrigens: Es gibt (wie oben bereits erwähnt) eine Variante des Segelflugzeugs, das mit einem Hilfsmotor ausgestattet ist und so auch vorgegebene Reiseziele erreichen kann: Den Motorsegler. Noch lautloser als im Segelflugzeug können Sie im Grunde nur in einem Heißluftballon unterwegs sein.


Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Online Content Marketing tätig. Seit jeher begeisterter Mitflieger in Kleinflugzeug, Hubschrauber, Privatjet & Co.

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