Nach Abstürzen: Tuifly vertraut der Boeing 737 Max 8

Bild: TUI Boeing 737 D-ASUN
Die Boeing 737 Max 8 ist eine Weiterentwicklung des hier abgebildeten Flugzeugs (ebenfalls B737). Symbolfoto: Weber

Montag 11. März 2019 – Hannover (we). Tuifly will am Einsatz der Boeing 737 Max 8 festhalten. Nachdem in den vergangenen Monaten zwei Maschinen des Typs abgestürzt waren und mehrere Länder ein Flugverbot für das Muster verhängt haben, zeigt sich die deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in Langenhagen gelassen. Für sie gibt es offenbar keinen Grund, die 737 Max 8 nicht wie geplant in die Flotte zu integrieren und ab April planmäßige Linienflüge mit ihr durchzuführen.

Schon am Dienstag oder Mittwoch soll die erste deutsche Tuifly-737-Max-8 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-AMAX am Flughafen Hannover-Langenhagen ankommen. Es ist die erste von etwa zwei Dutzend Maschinen, die in den kommenden Jahren bei TUI in Deutschland stationiert werden sollen. 15 Exemplare des in die Kritik geratenen Typs sind bereits im Ausland für Tuifly im Einsatz. Das Unternehmen weist – auch im Hinblick auf die Entscheidung, der 737 Max 8 zu vertrauen – darauf hin, dass die Maschinen bisher von Großbritannien, Belgien und Skandinavien aus ohne Probleme eingesetzt worden seien.

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Abstürze in Afrika und Indonesien

Auf der anderen Seite stehen mehrere fatale Abstürze und Flugverbote, sogenannte Groundings. Im Oktober 2018 war eine 737 Max 8 der Lion-Air in Jakarta (Indonesien) kurz nach dem Start abgestürzt. Beunruhigend: Nur wenige Monate später, am 10. März 2019 war eine Maschine des gleichen Typs von Ethiopian Airlines ebenfalls kurze Zeit nach dem Start in Addis Abeba (Äthiopien) am Boden zerschellt. Alle Insassen der beiden Flüge überlebten nicht, es gab insgesamt 346 Todesopfer (189+157). China, Indonesien, Singapur, die Cayman Islands und inzwischen auch Australien belegten die Boeing 737 Max 8 daraufhin mit einem generellen Flugverbot. Länderunabhängig lassen Ethiopian Airlines und knapp 20 weitere Fluggesellschaften die Flugzeuge bis auf weiteres am Boden.

Noch am selben Tag des jüngsten Absturzes berichteten Medien von denkwürdigen Parallelen. Als Absturzursache wird in beiden Fällen das Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) angenommen – beim Absturz der Lion-Air-Boeing ist sie inzwischen bestätigt. Ein elektronisches System, das Boeing eingeführt hatte, weil das Flugzeug offenbar unter bestimmten Voraussetzungen zu Strömungsabrissen neigt. Das MCAS – eine Art automatische Trimmung – soll verhindern, dass es dazu kommt. Der Grund: Bei hohen Anstellwinkeln leisten die etwas weiter vorne angebrachten und leistungsstärkeren Triebwerke so viel Auftrieb, dass die MCAS-Software unnötige und überzogene Korrektureingaben einleitet, die von den Piloten nicht unterbunden werden können. In der Folge stürzt das Flugzeug ab.

Flugverbot für Tuifly kein Thema

Tuifly sieht unterdessen keinen Anlass für ein Grounding des Flugzeugtyps. »Im Moment gibt es keine Hinweise, dass wir dieses Flugzeug nicht genauso sicher fliegen können, wie unsere anderen Maschinen«, heißt es am heutigen Montag aus der Tuifly-Zentrale in Langenhagen. Gleichwohl stehe das Unternehmen in engem Kontakt mit Boeing und werde die offiziellen Untersuchungen genau verfolgen.


Updates:
► Flugverbot für Boeing 737 Max 8 über Deutschland (12. März 2019)
► Boeing 737 Max 8 bekommt Startverbot in Europa (12. März 2019)