Was ist gefährlich an abgestürzten Flugzeugen der Bundeswehr?

Bild: Eurofighter mit Warnhinweisen
Warnhinweise und Notfall-Instruktionen am Eurofighter. Symbolfoto: Weber

Nach dem Absturz militärischer Luftfahrzeuge wird meist die Bevölkerung eindringlich davor gewarnt, sich Wrack oder Wrackteilen zu nähern. Manch einer vermutet dahinter Geheimniskrämerei. Doch es gibt tatsächlich einige Bauteile in militärischen Flugzeugen und Hubschraubern, die gesundheitsschädlich sein können. Das reicht von Asbest über Kohlefasern bis hin zu radioaktiven Stoffen!

Es geht also nicht um Verschwörungen oder geheime Technologien. Vielmehr spielt die Sicherheit des Einzelnen eine Rolle. Welche tatsächliche Gefahr also von beschädigten Luftfahrzeugen der Bundeswehr (Luftwaffe) ausgehen kann, und warum es deshalb nötig ist, Betretungsverbote an Unfallstellen auszusprechen, haben wir nachfolgend zusammengetragen.

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Geheimniskrämerei oder berechtigte Sicherheitshinweise?

Nachdem sowohl beim Absturz zweier Eurofighter als auch beim Absturz eines Bundeswehrhubschraubers wenige Tage später zunächst sehr einsilbig durch Polizei und Bundeswehr verboten worden war, sich den Absturzstellen und möglichen Trümmerteilen zu nähern, hatten Medien den Grund dafür kritisch hinterfragt.

Die Bundeswehr hatte anschließend vor allem auf kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff (CFK) hingewiesen, dessen Fasern nicht eingeatmet werden dürften, und damit den Einsatz von Soldaten in Schutzanzügen erklärt. Die Presse begnügte sich schließlich mit dieser Information. Es gibt jedoch eine handvoll weitere – womöglich ähnlich gefährliche – Komponenten in militärischen Luftfahrzeugen. Informationen darüber sind weit weniger öffentlich bekannt – oder wussten Sie beispielsweise, dass in einigen Flugzeugen der Luftwaffe schwach radioaktive Stoffe verwendet werden?

Gefährliche Bauteile an Kampfjet & Co.

Der Redaktion von air2air.de liegt eine offizielle Handlungsanweisung für Flugunfälle der Bundeswehr vor, die an verschiedene Feuerwehren herausgegeben worden ist. Daraus gehen verschiedene physikalische, chemische, biologische und psychologische Gefahren für jene hervor, die sich dem beschädigten oder abgestürzten (brennenden) Luftfahrzeug nähern. Zu den psychischen Gefahren gehören Traumatisierung, Angst und Depressionen, biologische Gefahren werden unter anderem mit übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis, Meningitis, Vogel- und Schweinegrippe beschrieben.

Relevanter sind jedoch physikalische Gefahren wie scharfkantige Wrackteile (Schnittgefahr), radioaktives Material und besonders dessen Verbrennungsrückstände, Staub (wird dort als wohl größte Gefahr beschrieben) und Hochdrucksysteme. Chemische Gefahren sind etwa Metalloxide nach einem Brand, brennende Kunststoffe, Kraftstoffe und Betriebsflüssigkeiten. Radioaktive Stoffe können bei einem Brand zu Staub oder Asche zerfallen. Werden diese Überbleibsel dann eingeatmet, sind sie hochgiftig und gesundheitsschädlich. Radioaktives Material kommt in Triebwerken und Getrieben vor (Thorium) und wird als Notbeleuchtung sowie in Instrumenten verwendet (Tritium).

Was an militärischen Luftfahrzeugen gefährlich ist oder werden kann (Auszug):

GefahrBeschreibung
Asbestkommt in älteren Luftfahrzeugen als Hitzeisolation vor; eingeatmete Fasern sind krebserregend
Batterienenthalten Stoffe, die korrosiv, explosiv und giftig sind
Elektroisolationbrennende Kabel-Isolationen erzeugen giftigen Rauch; auch die Asche ist giftig
Gummis, Plastikinsbesondere Dichtungskomponenten erzeugen giftigen Rauch; die Asche ist hochgiftig
Hydraulikflüssigkeitkann Haut und Schleimhäute reizen
Kraftstoffist leicht entzündlich und reizt Haut und Schleimhäute
Kühlflüssigkeitkann in hohen Mengen eingeatmet narkotisierend wirken; Flüssigkeiten und Rauch sind giftig
Metalloxideentstehen während eines Brandes und befinden sich in Staub und Asche; einige sind hochgiftig
Radioaktive Materialienkönnen bei Feuer in Staub und Asche zerfallen, die eingeatmet hoch giftig sind
Scheiben-Reinigungsmittelist extrem giftig
Schmiermittelsind krebserregend und können giftige Zusätze enthalten
VerbundwerkstoffeAramid- und vor allem Kohlefasern können, wenn sie zersplittert sind und brennen, krebserregende Schadstoffe in die Lunge eintragen

Die Auflistung verdeutlicht, warum man beschädigten oder abgestürzten oder gar ausgebrannten Militär-Flugzeugen und -Hubschraubern keinesfalls zu nahe kommen sollte und warum dies auch für einzelne Trümmerteile gilt.

Munition und Selbstschutzanlagen

Ein weiterer kritischer Punkt ist Munition. Dazu gehören Bomben und Torpedos, Flugkörper und Raketen, Patronenmunition aus Bordwaffen, Notsignale, Kartuschen, Treibsätze und Sprengschnüre. Nicht sichtbar können Teile des Flugzeugs, der Tragflächen und der Schleudersitze Treibsätze enthalten und von Sprengschnüren durchzogen sein.

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Nicht immer sind Luftfahrzeuge mit starken Waffen wie Bomben oder Raketen ausgestattet. Wohl aber gibt es kleinere Einheiten, in denen Sprengstoff zum Einsatz kommt, zum Beispiel sogenannte Scheinziel-Systeme für den Selbstschutz. Im Ernstfall werden kleine Patronen gezündet, die Radare oder feindliche Geschosse täuschen bzw. auf die falsche Fährte bringen sollen. Folgende Luftfahrzeuge sind mit Scheinziel-Systemen (Chaff / Flares) ausgestattet:

  • Eurofighter: unter den Tragflächen außen
  • Tornado: unter den Tragflächen außen
  • Transall: vorne seitlich am Rumpf, hinter der Hauptfahrwerksverkleidung und/oder unter den Trägflächen außen
  • A400M: vorn am Rumpf und an der Hauptfahrwerksverkleidung seitlich
  • H145M: pro Seite jeweils vorn und hinten am Kufenlandegestell
  • PC-3 Orion: an der Fahrwerksverkleidung
  • CH-53: an der Hauptfahrwerksverkleidung vorn und hinten am Rumpf
  • Sea King: hinten am Rumpf
  • NH-90: hinter den seitlichen Schiebetüren
  • Tiger: hinten am Rumpf

Autorenfoto: Frank Weber

Autor: Frank Weber
Von der Handwerkskammer Hannover geprüfter Berufsfotograf, ausgebildeter Nachrichten-Redakteur und seit 2018 beruflich im Bereich Online Content Marketing tätig. Allgemeine Luftfahrt und Flugsimulatoren sind sein Hobby.