Zunehmender Flugverkehr: DLR rechnet mit 10 Milliarden Passagieren im Jahr 2040

Bild: Menschen beim Boarding
Der Flugverkehr soll weiter zunehmen, so die DLR-Experten. Symbolfoto: Weber

Dienstag 17. Dezember 2019 – Köln (we). Inmitten der aktuellen Klimadebatte und aufkommender »Flugscham« wagen die Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Prognose, die so gar nicht in diesen Rahmen passen mag. Ausgehend von Ergebnissen eines globalen Prognosemodells soll der Flugverkehr in den kommenden 20 Jahren nicht weniger werden, sondern sukzessive zunehmen. Im Jahr 2040 werden demnach weltweit 10 Milliarden Flugpassagiere erwartet. Zum Vergleich: 2016 waren es weniger als die Hälfte gewesen.

Mehr noch: Die Forscher erwarten sogar, dass der Bedarf größer ist als das Angebot. In einer Mitteilung des DLR wird Dr. Marc Gelhausen mit dem Satz zitiert: »Trotz der enormen Steigerungen im weltweiten Flugverkehr und dem vermehrten Einsatz größerer Flugzeuge erwarten wir, dass 2040 rund 255 Millionen Passagiere aufgrund von Kapazitätsengpässen nicht bedient werden können. Das entspricht mehr als dem gesamten deutschen Passagieraufkommen im Jahr 2018 oder drei Prozent des weltweit prognostizierten Luftverkehrs im Jahr 2040«. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre dies ein herber Schlag in die Magengegend der jetzt so bemühten Klimaaktivisten.

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Größere Flugzeuge erwartet

Insgesamt wird eine jährliche Steigerung des Passagieraufkommens von 3,7 Prozent erwartet. Im Jahr 2040 werden dann möglicherweise mehr als 9,4 Milliarden Menschen mit dem Flugzeug unterwegs gewesen sein, während es im Jahr 2016 nur rund 4 Milliarden waren. Die zahl der Flüge wachse von 35,5 Millionen auf 53 Millionen, heißt es. Das wiederum entspricht einer Steigerung von 1,6 Prozent. Folglich erwarten die Forscher, dass künftig größere Flugzeuge mit mehr Sitzplatzkapazitäten eingesetzt werden. Während 2016 im Durchschnitt 111 Passagiere pro Flug an Bord waren, könnten es in 20 Jahren 179 sein.

Kapazitätsengpässe in Asien

Probleme werden in den kommenden Jahren vor allem in Asien erwartet. So verschiebe sich der Schwerpunkt der bereits erwähnten Kapazitätsengpässe bis 2040 Richtung Asien, so die DLR-Forscher. Sechs der zehn am stärksten betroffenen Flughäfen liegen demnach in Asien. Eine Ausnahme in Europa stellt der Flughafen London-Heathrow dar, der mit zunehmendem Flugverkehr mit der Flugzeug- und Passagierabfertigung überfordert sein könnte. »Ein Vorteil unseres neu entwickelten Prognosemodells ist seine Szenario-Tauglichkeit«, erklärt DLR-Experte Gelhausen. »So haben wir exemplarisch für London Heathrow auch die Auswirkungen einer dritten Startbahn analysiert. Dadurch ergeben sich für diesen Flughafen nicht ganz so kritische Ergebnisse.«

Eine weitere Runway für den Flughafen London-Heathrow also? Wie genau die beteiligten Flughafengesellschaften und Airlines sich auf die Zukunft vorbereiten, bleibt abzuwarten. Gelhausens Schlussfolgerung jedenfalls: »Wir kommen zu dem Ergebnis, dass eine verstärkte Kombination von Flughafenausbauten und Investitionen in größeres Fluggerät notwendig sind, um das erwartete Kapazitätsdefizit aufzulösen.«

Buchtipp: Airport Capacity Constraints and Strategies for Mitigation

Gemeinsam mit zwei weiteren Autoren (Peter Berster und Dieter Wilken) hat Marc Gelhausen das Buch »Airport Capacity Constraints and Strategies for Mitigation – A Global Perspective« herausgebracht. Es ist im Elsevier-Verlag erschienen und enthält sehr viele weitere Details zum Prognosemodell und umfangreiche Analysen zur globalen Luftverkehrs- und Kapazitätsentwicklung an Flughäfen weltweit. »Das Buch hilft, geeignete Handlungsstrategien zu entwickeln, um die zukünftige Kapazitätssituation im Luftverkehr zu verbessern«, heißt es in einer Mitteilung des DLR, ist also besonders an Berater oder Entscheider mit fachlichem Hintergrund gerichtet.

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